Stand: 24.09.2020 08:25 Uhr

Kutter-Abwrackprämie soll Fangflotte verkleinern

Ein Fischerboot im Hafen Altenhagen. © NDR Foto: Klaus Haase aus Prerow
Fischerboot im Hafen Altenhagen. Ostseefischer, die ihre Boote stilllegen, erhalten demnächst wohl eine Abwrackprämie der EU. (Archivbild)

Ostseefischer, die ihre Boote stilllegen, können auf eine Abwrackprämie von der EU hoffen. Hintergrund sind die seit Jahren beschränkten Fangmengen für Dorsch und Hering. Details der Einigung von Unterhändlern der EU sind zwar noch nicht bekannt, doch dem Vernehmen nach sollen Fischer, die ihren Beruf aufgeben, 5.000 Euro pro Bruttoraumzahl erhalten. Dieser Wert gibt an, wie groß Fischerboote sind. Im Gespräch sind Summen von höchstens 850.000 Euro für eine endgültige Stilllegung. Bei kleinen Booten, wie sie etwa die Fischer in Freest bei Greifswald nutzen, wären das rund 130.000 Euro pro Boot.

Ausgleichszahlungen würden angerechnet

Allerdings gab es in den vergangenen Jahren wegen der sinkenden Fangmengen schon Ausgleichszahlungen, und diese würden wohl angerechnet. Auf Anfrage von NDR 1 Radio MV hieß es von der Fischereigenossenschaft Freest, derzeit würde nur einer der insgesamt 23 Fischer eine Abwrackprämie annehmen. Beschlossen ist die Kutter-Abwrackprämie noch nicht, EU-Rat und Parlament müssen noch zustimmen.

Fangverbot für östlichen Dorsch

Geschützt werden soll vor allem der östliche Dorsch, der wegen Umwelt- und Klimalasten, aber auch wegen der Fischerei stark ausgedünnt ist. Im Juli 2019 erließ die EU-Kommission ein vorläufiges Fangverbot. In der Folge wurden Fischern Hilfen in Aussicht gestellt, wenn sie den Fang von Dorsch auf Dauer stoppen. Wichtig sei bei dem Kompromiss, dass er auch für Dorsch- und Heringsfischer in der westlichen Ostsee gelte, betonte der CDU-Europaabgeordnete Niclas Herbst. Er hatte für das Europaparlament verhandelt. Wie der Rat der EU-Staaten mitteilte, sollen Fischer unterstützt, die Fangkapazitäten verringert und Kontrollen ausgebaut werden.

Noch rund 300 hauptberufliche Fischer in SH und MV

Nach Erholung der Bestände oder nach fünf Jahren soll eine Wiederaufnahme der Fischerei möglich werden. Das frische Geld gibt es aber nach Angaben aus Herbsts Büros nur, wenn Boote abgewrackt werden. In Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern gibt es den Angaben zufolge noch rund 300 Fischer im Haupterwerb.

Nachhaltige Nutzung und echter Meeresschutz

Meeresbiologe Thilo Maack von der Umweltorganisation Greenpeace nannte es richtig, Fischern Übergangsgelder zu zahlen. Doch müsse kontrolliert werden, dass es tatsächlich zum Fangstopp komme. Nötig sei zudem ein langfristiges Konzept für eine nachhaltige Nutzung und echten Meeresschutz in der Ostsee. Dazu sollten fischereifreie Schutzgebiete ebenso gehören wie ausgewiesene Fischereizonen, in denen die Fischerei explizit erlaubt sei.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 24.09.2020 | 06:30 Uhr

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