Stand: 20.07.2020 19:46 Uhr

Kinderklinik Parchim: Details zur Schließung

Im Streit um die Schließung der Kinderklinik in Parchim hat der Klinikbetreiber Asklepios offenbar mehrfach die Unwahrheit gesagt. Das zeigen Recherchen des ARD-Magazins "Kontraste". Der Konzern hatte die Kinderklinik im Landkreis Ludwigslust-Parchim Ende vergangenen Jahres geschlossen und damals erklärt, es sei der reine Ärztemangel, der das Unternehmen dazu zwinge, das Versorgungsangebot einzustellen.

Klinikärzte hatten nicht selbst gekündigt

Nun muss der Konzern einräumen, dass er dem Chefarzt und zwei Assistenzärzten selbst gekündigt hat. Die Kündigung des Chefarztes hatte Asklepios im Dezember gegenüber "Kontraste" noch schriftlich bestritten. Mit den Recherchen konfrontiert, teilt Asklepios nun schriftlich mit: "Es trifft zu, dass wir dem Chefarzt ... gekündigt haben." Auch andere, frühere Aussagen entpuppen sich als falsch: "Wir hatten keine einzige Bewerbung", hatte der Geschäftsführer der Klinik öffentlich erklärt, um die Schließung der Klinik zu erklären. Jetzt räumt Asklepios ein: Es habe eine Bewerbung gegeben, doch die Ärztin habe sich "trotz großzügigem Vertragsangebot" nicht mehr gemeldet. "Kontraste"-Recherchen zeigen: Auch diese Aussage stimmt nicht.

Ärztekammer: Wirtschaftliche Aspekte im Vordergrund

Der Präsident der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern, Prof. Andreas Crusius, ist der Ansicht, dass die Klinik gar keine Kinderärzte finden wollte: "Man hatte kein Interesse, die Kinderklinik zu erhalten", sagte Crusius gegenüber "Kontraste". Denn Kinderkliniken seien ein Kostenfaktor. Asklepios bestreitet wirtschaftliche Gründe bei der Schließung. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) kritisiert das Vorgehen von Asklepios bei der Schließung der Klinik gegenüber "Kontraste". Das Land habe aber leider kaum Einfluss darauf. Zukünftig will sie dafür sorgen, "dass Politik bestimmt, welche Gesundheitsversorgung vor Ort stattfindet, und nicht Konzerne nach ihrer Gewinnorientierung", sagte Schwesig.

Linke fordert Wiedereröffnung der Kinderstation

Die Linksfraktion im Landtag in Schwerin fordert auf Grundlage der Berichterstattung die sofortige Wiedereröffnung der Kinderstation. Die medizinische Versorgung der Menschen vor Ort habe Vorrang vor Gewinnerwartungen, so die Vorsitzende der Linksfraktion, Simone Oldenburg: "Asklepios hat sich vertraglich zur medizinischen Grundversorgung verpflichtet und hat dieser Pflicht auch nachzukommen." Teure Hüft- oder Knieoperationen seien genauso wichtig wie der gebrochene Arm eines Kindes aufgrund eines Spielunfalls, aber eben nicht wichtiger.

Asklepios weist Vorwürfe zurück

Asklepios wies am Montag den Vorwurf zurück, die Station aus wirtschaftlichen Gründen aufgegeben zu haben. Man bemühe sich weiter um ärztliches Personal, beteuerte ein Sprecher. Die Kinderstation Parchim werde wieder geöffnet, wenn die ärztliche Versorgung sichergestellt werden könne. Dazu benötigt das Unternehmen jedoch mehrere festangestellte Ärzte in Vollzeit. Leider sei es trotz umfänglicher Bemühungen nicht möglich gewesen, die erforderliche Mindestbesetzung an ärztlichem Personal zu gewährleisten. Es habe lediglich eine Bewerberin gegeben, die sich auch nur für eine Beschäftigung in Teilzeit interessiert habe.

Die ganze Reportage "Markt macht Medizin - Das ungesunde Geschäft mit unseren Krankenhäusern" zeigt das Erste am Montag, dem 20.7.2020 um 22.00 Uhr.

Weitere Informationen
Demo vor Klinik Parchim

Parchimer Kinderklinik unter Druck

Die Kinderstation im mecklenburgischen Parchim bleibt geschlossen. Der Klinikbetreiber Asklepios begründet dies mit dem Ärztemangel. Für viele Anwohner ein katastrophaler Zustand. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 20.07.2020 | 17:00 Uhr

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