Kinder und Erwachsene demonstrieren vor der Staatskanzlei in Schwerin.

Kinder auf Demos: Politische Bildung oder Schutzschild?

Stand: 11.01.2022 10:49 Uhr

Sie tragen Schilder, rufen Parolen und sprechen auf großen Bühnen - nicht erst seit Fridays for Future sind Kinder auf Demonstrationen zu sehen. Auch bei den Versammlungen gegen die Corona-Maßnahmen nehmen viele Eltern ihre Kinder mit.

Damit solle Friedlichkeit und Unschuld hinsichtlich der Inhalte und des Wesens der Demonstration suggeriert werden, so der Psychologe Samuel Tomczyk von der Universität Greifswald. Immer öfter gehen Kinder nicht nur mit den Eltern mit, sondern sprechen auch auf der Bühne - wie zuletzt in Stralsund: "Wir finden es auch schade, dass manche Leute die Welt wegen Geld belügen und betrügen und dadurch sehr viele Leute sich impfen", ist zu hören und "dann finden wir es auch noch richtig richtig scheiße, dass sie uns jetzt auch noch mit dem Impfstoff vergiften wollen."

Kinderhilfe: Kinder werden manipuliert

Rainer Becker von der Deutschen Kinderhilfe e.V. schätzt diese Entwicklung sehr kritisch ein: "Hier werden Kinder psychisch manipuliert, die wissen keine Details, die wissen nicht, wie umstritten das ist, dass vier Milliarden Menschen bereits geimpft worden sind ohne nennenswerte Nebenwirkungen. Das ist Ideologie, die über das Kindeswohl gestellt wird." Er schätzt den Auftritt der Kinder bei der Demo vor allem wegen der psychischen Manipulation als Kindeswohlgefährdung ein.

Die UN-Kinderrechtskonvention besagt in Artikel 15:

Die Vertragsstaaten erkennen das Recht des Kindes an, sich frei mit anderen zusammenzuschließen und sich friedlich zu versammeln.

Es ist Eltern grundsätzlich erlaubt, Kinder mit zu Demonstrationen zu nehmen. Die Kinderhilfe begrüßt dies auch: Wenn Kinder schon früh mit Meinungs- und Demonstrationsfreiheit in Berührung kommen, dann können sie nach Meinung der Kinderhilfe eher eigenständige Persönlichkeiten werden. Gerade wenn es Themen sind, die sie in Zukunft auch betreffen, so Becker.

Polizei sieht Kinder häufig in der ersten Reihe

Die Gewerkschaft der Polizei appelliert auf NDR Nachfrage an die Eltern, die mit ihren Kindern auf den Demos unterwegs sind, die Kundgebungen zu verlassen, sobald die Stimmung kippt und es nicht mehr friedlich vor Ort abläuft. Bisher hat die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern aber noch keine Erfahrung gemacht, dass Kinderwagen beispielsweise als Schutzschilder missbraucht wurden wie zuletzt im bayerischen Schweinfurt. Dennoch beobachten die Beamten auch hier, dass Kinder häufig in die erste Reihe gestellt werden und das erschwere dann auch ein Eingreifen der Beamten vor Ort. Wie viele Kinder aktuell bei den Demos mitlaufen, kann die Polizei nicht schätzen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 10.01.2022 | 16:00 Uhr

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