Sirenen auf einem Hausdach.

Innenministerium setzt auf mehr Sirenen in MV

Stand: 23.07.2021 07:18 Uhr

Nach den verheerenden Überschwemmungen im Westen Deutschlands stellt die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns das Frühwarn-System bei Katastrophen auf den Prüfstand. Das Innenministerium setzt dabei auf mehr Sirenen.

Das Innenministeriums Mecklenburg-Vorpommern will dafür sorgen, das wieder mehr Sirenen die Bevölkerung vor Gefahren warnen können. Im Katastrophenfall sollte eine flächendeckende Warnung über Sirenen möglich sein, so Staatssekretär Thomas Lenz. Bisher ist das Land davon weit entfernt. Derzeit könnten mit den landesweit 1.600 Sirenen nur sechs von zehn Menschen im Land gewarnt werden, sagte Lenz. Lenz verwies auf die Fördergelder des Landes für die Neuanschaffung von Sirenen. Das Land helfe den Kommunen und übernehme die Hälfte der Kosten. Jährlich stünden dafür bisher 400.000 Euro bereit. Vor allem in den Städten würden Sirenen fehlen. Sie wurden vielerorts nach der Wiedervereinigung abgebaut. Lenz will für den Katastrophenfall auf mehrere Warn-Wege setzen. Neben den Sirenen gehört demnach auch die Warn-App "Nina" dazu. Die Zahl der Downloads habe sich in Mecklenburg-Vorpommern in der Corona-Pandemie von rund 90.000 auf 180.000 verdoppelt.

Warnung auch vor Gefahrgutunfällen

Lenz unterstützte damit eine Forderung des Landesfeuerwehrverbandes. Außer vor Großbränden und Hochwasser könnten Sirenen die Bevölkerung auch vor anderen Gefahren warnen, etwa wenn Unfälle mit Gefahrguttransporten eine größere Region bedrohen, so der Vizepräsident des Landesfeuerwehrverbands, Frank Bühring, im Gespräch mit NDR MV LIVE. Laut Bühring hat das Hochwasser im Westen Deutschlands gezeigt, dass bei Katastrophen das Telefonnetz zusammenbrechen kann. Dann funktioniere keine Warn-App mehr. Sirenen wären eine Möglichkeit, die Bevölkerung gegebenenfalls aufmerksam zu machen, sich über Radio, Fernsehen und Nachbarn zu informieren.

Bund will "Cell Broadcast" einführen

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) wird voraussichtlich ab dem Sommer 2022 mit dem Warnsystem Cell Broadcast arbeiten können. Das berichtet das Redaktionsnetzwerk Deutschland unter Berufung auf Regierungskreise. Das Alarmsystem werde schneller installiert sein, als ein flächendeckendes Netz mit analogen Sirenen wieder hergestellt werden könne, hieß es. Mit dessen Hilfe bekommen alle Besitzer eines Mobiltelefons in einem gefährdeten Gebiet automatisch eine Textnachricht, ohne dass das BBK oder andere Behörden deren Nummern haben. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), dem das Amt BBK untersteht, sagte den Zeitungen zufolge zuletzt, die Prüfung werde noch vor der Bundestagswahl am 26. September abgeschlossen sein und voraussichtlich positiv ausfallen.

Weitere Informationen
Eine Sirene auf einem Hausdach. © dpa - Picture Alliance Foto: Michael Reichel

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Sirenen könnten vor Großbränden, Überflutungen und Gefahrgutunfällen warnen. mehr

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 23.07.2021 | 07:00 Uhr

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