Sanierte alte Chirurgie in Rostock © Universitätsmedizin Rostock

Gutachter empfehlen mehr Kooperationen der Unikliniken in MV

Stand: 01.06.2022 13:04 Uhr

Eine Expertenkommission empfiehlt die Fusion der Unimedizin Rostock mit dem städtischen Südstadtklinikum. Auch die Unimedizin Greifswald sollte laut Gutachten der Experten enger mit dem Klinikum Karlsburg zusammenarbeiten.

In dem mehr als 60 Seiten starken Gutachten, das das Land vor zwei Jahren in Auftrag gegeben hatte, heißt es zur Situation in Rostock: zwei öffentliche Krankenhäuser als Konkurrenten auf einem knappen Markt seien weder "wirtschaftlich vernünftig" noch habe dies "positive Auswirkungen" auf die Versorgung und Forschung. Ein gemeinsames Klinikum hätte dagegen aufgrund der versammelten Expertise und der kritischen Größe eine "echte nationale Zukunft".

Heyo Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Berliner Charité und Leiter der Expertengruppe, sagte bei der Vorstellung des Gutachtens in Schwerin: "In Wettbewerblichkeiten vor Ort sehen wir, insbesondere wenn noch Häuser in staatlicher Trägerschaft sind, keine wirkliche Zukunft."

Fehlendes Personal und bauliche Mängel

Handlungsbedarf sieht die Expertenkommission auch in Bezug auf den Fachkräftemangel. Außerdem zeigte sich der Charité-Chef besonders betroffen vom baulichen Zustand der inneren Medizin am Uniklinikum: Es drohen aus Sicht der Gutachter Einschränkungen des medizinischen Angebots, auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. "Es muss klar sein, dass bis spätestens 2030 hier ein modernes Klinikum gebaut werden muss", so Kroemer.

Greifswald und Rostock: Gemeinsames Rechenzentrum und Zentrallabore

Die Experten raten auch dazu, dass die Uniklinik Greifswald enger mit dem Klinikum Karlsburg zusammenarbeitet, sodass bestimmte Herz-Operationen an beiden Standorten gemacht werden könnten. Konkret empfiehlt das Gutachten eine "dauerhafte strategische Partnerschaft" mit dem privaten Träger, der Guth-Gruppe, in Karlsburg. Außerdem sollten auch die beiden Unikliniken enger zusammenarbeiten, etwa ein gemeinsames Rechenzentrum und Zentrallabore einrichten.

Empfehlungen sollen in Ruhe ausgewertet werden

Der Aufsichtsratschef der Unikliniken, Tillmann Schweisfurth, kündigte an, die Empfehlungen nun in Ruhe auszuwerten. Die Staatssekretetärin im Wissenschaftministerium, Susanne Bowen, schloss eine Fusion der beiden Standorte Rostock und Greifswald in jedem Fall aus. Und Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) betonte: "Die Vorschläge im Gutachten sind nicht die Position der Landesregierung, sondern ein Beitrag für den geplanten breiten und intensiven Diskussions- und Entscheidungsprozess zur Zukunft der medizinischen Versorgung." Dabei sei es wichtig, alle beteiligten Akteure auf Fach- und politischer Ebene mit einzubeziehen. "Meine Richtschnur ist die Sicherung aller Krankenhausstandorte in MV", so Drese weiter.

Südstadtklinikum von Gutachten überrascht

Das Südstadtklinikum sieht seine Eigenständigkeit als "unverzichtbar für die Akutversorgung in der Region" an, wie aus einer Pressemitteilung der Klinik hervorgeht. "Wir kennen das Gutachten des Wissenschaftsministeriums und auch die Intention zu der Beauftragung nicht und bedauern sehr, nicht in die Analyse mit einbezogen worden zu sein", erklärt Verwaltungsdirektor Steffen Vollrath darin. So entstehe jetzt der Eindruck, ein von der Bevölkerung überregional anerkanntes und seit Jahren erfolgreich funktionierendes kommunales Klinikum solle infrage gestellt werden.

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