Der Greifswalder Henning Jeschke (re.) im trockenen Hungerstreik  Foto: Jörg Carstensen

Greifswalder Klima-Aktivist beendet trockenen Hungerstreik

Stand: 25.09.2021 18:57 Uhr

Der Greifswalder Klimaaktivist Henning Jeschke und seine Mitstreiterin haben am Samstagabend ihren trockenen Hungerstreik beendet. Vorausgegangen war ein Telefonat mit dem SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz.

In dem Telefonat sicherte Scholz den Hungerstreikenden ein persönliches Treffen in rund einem Monat zu. Auf die Forderung, den Klimanotstand für Deutschland auszurufen, ging Scholz nicht ein, wie sein Berliner Büro NDR 1 Radio MV auf Anfrage mitteilte. Jeschke hatte seit dem Mittag die Aufnahme von Flüssigkeit verweigert. Nach Angaben von Ärzten beträgt die Überlebenszeit ohne Flüssigkeit nur wenige Tage.

Streik richtete sich nur noch gegen Olaf Scholz

Jeschke hatte seinen Hungerstreik nur noch gegen Olaf Scholz gerichtet, da er ihm die größten Chancen auf einen Wahlsieg zusprach. Scholz sollte zusichern, dass er als nächster Bundeskanzler umgehend den Klimanotstand ausrufe. "In diesem Wahlkampf, in dem es um alles geht, wird nach wie vor so getan, als könnte alles so weitergehen", begründete Henning Jeschke seinen Schritt. Scholz käme nicht einmal über die Lippe, Klimanotstand zu sagen.

Andere Aktivisten gingen auf Distanz

Gemeinsam mit dem 21 Jahre alten Jeschke im trockenen Hungerstreik war eine 24-Jährige Mitstreiterin, die am Montag zu der Gruppe der Hungerstreikenden gestoßen war. Die Aktivisten hatten gefordert, dass sich Scholz, CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet und Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock zu einem öffentlichen Gespräch mit ihnen treffen. Scholz, Laschet und Baerbock waren aber nur zu nichtöffentlichen Einzelgesprächen nach der Bundestagswahl bereit. Sechs der Aktivistinnen und Aktivisten hatten deshalb am Mittwoch den am 30. August begonnenen Hungerstreik beendet. Sie distanzieren sich von dem trockenen Hungerstreik.

VIDEO: Junger Greifswalder setzt Hungerstreik fürs Klima fort (2 Min)

An der gesamten Aktion hatte es viel Kritik gegeben. Der Berliner Protestforscher Moritz Sommer bezeichnete im "Tagesspiegel" Hungerstreik als "sehr radikales Mittel", das auch große Teile der Klimabewegung kritisch sähen. „Je radikaler eine Bewegung auftritt, desto schwieriger wird es für sie, den Rückhalt in der Bevölkerung aufrechtzuerhalten“, sagte Sommer vom Institut für Protest- und Bewegungsforschung.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 25.09.2021 | 19:00 Uhr

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