Stand: 18.07.2017 17:07 Uhr

Gewerkschaften: Zu viel Unterrichtsausfall in MV

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GEW und Philologenverband kritisieren eine vergleichsweise hohe Unterrichtsverpflichtung der Lehrer in MV. (Archivbild)

Die Lehrergewerkschaften GEW und Philologenverband haben zum Ende des Schuljahrs in Mecklenburg-Vorpommern eine geteilte Bilanz gezogen. Die Tarifverhandlungen seien gut gelaufen, die hohe Arbeitsbelastung der Lehrer durch Ausfälle, Inklusion und fehlenden Nachwuchs bleibe aber nach wie vor ein Thema.

Kritik an Klassenzusammenlegungen bei Krankheit

Vor allem an den Grundschulen sei die Zusammenlegung von Klassen ein massiv angewandtes Mittel, um Unterrichtsausfall bei Abwesenheit oder Krankheit des Lehrers zu verhindern, sagte GEW-Landesvorsitzende Annett Lindner am Dienstag in Schwerin. "Das führt zu Klassengrößen von weit über 40 Kindern" und sei für Lehrkräfte wie Kinder belastend.

Philologenverband: Zu viele Unterrichtsstunden

Lehrer müssten hierzulande zu viele Stunden pro Woche unterrichten, kritisierte Jörg Seifert, der Vorsitzende des Philologenverbandes Mecklenburg-Vorpommern, der die Gymnasiallehrer vertritt. Wenn ein junger Mensch die Wahl zwischen 27 Stunden im Nordosten und 23,5 in Niedersachsen habe, sei nachvollziehbar, dass er lieber dort arbeite. Um attraktiv für junge Lehrer zu sein, müsse sich dringend etwas ändern, so Seifert. Dennoch sei ein Schuljahr selten so geräuschlos abgelaufen wie das vergangene.

Vorschlag: Einstellungstermine verschieben

Seifert forderte Änderungen an den Einstellungsterminen für Referendare. So könne dem Lehrermangel begegnet werden. Seit der Verkürzung der Praxis-Ausbildung für angehende Lehrer auf eineinhalb Jahre ende das Referendariat am 31. Juli. Zu spät, denn dann sei die Bewerbungsfrist auf Lehrerstellen im Nordosten für das folgende Schuljahr bereits abgelaufen, so Seifert. Viele Absolventen würden dann erfolgreich in anderen Bundesländern ihr Glück suchen. Mecklenburg-Vorpommern verliere diese Lehrer schließlich, obwohl das Land in ihre Ausbildung investierte. Seifert forderte, Referendare so einzustellen, dass ihre Ausbildung Ende Januar endet.

Kritik von Linke und AfD

Auch die Linksfraktion beklagte den anhaltend hohen Unterrichtsausfall insbesondere an den allgemeinbildenden Schulen und den Berufsschulen. Trotz des Einsatzes einiger Vertretungslehrkräfte habe sich die Lage nicht verbessert, sagte die Fraktionsvorsitzende Simone Oldenburg. Die Zahl der Überstunden der Lehrer steige. Die AfD kritisierte die Inklusion. "Man fragt sich wirklich, wieso die Landesregierung mit dem Kopf durch die Wand will. Warum erhalten wir nicht unsere Förderschulen?", fragte der AfD-Fraktionsvorsitzende Leif-Erik Holm. Diese leisteten wertvolle Arbeit für Schüler mit Behinderungen und erfüllten alle notwendigen Voraussetzungen für die individuelle Entwicklung der Kinder.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 18.07.2017 | 16:00 Uhr

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