Charlotte Linder trägt einen Ballen Heu in einer großen Halle auf dem Gut Bisdorf © Svenja Winter / Charlotte Linder Foto: Svenja Winter / Charlotte Linder

Gereinigtes Pferdefutter: "Grünes Gold" aus Eixen

Stand: 17.12.2021 08:07 Uhr

Auf dem Gut Bisdorf bei Eixen nördlich von Tribsees entsteht hochwertiges Futter, das Firmengründerin Svenja Winter als "Grünes Gold" bezeichnet. Die junge Unternehmerin befreit Heu von Feinstaub und kleinsten Partikeln wie Steinen und Holz. Pferde, vor allem mit Atemwegserkrankungen, profitieren davon.

von Franziska Drewes, NDR 1 Radio MV

Seit dem frühen Morgen rattert die Maschine in einem ehemaligen LPG-Kuhstall in Eixen. Sie rüttelt Heu durch einen Trichter. Charlotte Linder macht gerade eine Ausbildung zur Huforthopädin. Nebenbei hilft sie mit im Betrieb und füllt gerade neues Heu von oben nach. Charlotte Linder erklärt, dass sich in dieser speziell angefertigten Maschine drei Prozesse abspielen. "Zum einen werden aufgelesene Steinchen und kleine Holzstücke entfernt. Dann wird der Feinstaub in einen Sack gesaugt. Und die Maschine nimmt auch noch die Heublume aus dem Heu heraus."

Futterlabor prüft Heu auf Qualität

Parallel wird das Heu auch in einem Speziallabor in Sachsen auf seine hygienische Qualität überprüft, etwa auf Bakterien, Schimmelpilze oder Hefen. Chefin Svenja Winter verkauft nur Heu bester Qualität. Sie selbst hat lange als Futterberaterin gearbeitet und während dieser Zeit ist die Idee zu ihrem `Grünen Gold´ entstanden, die nun seit zwei Jahren gelebt wird. „Ich habe immer wieder festgestellt, dass die Hälfte aller Pferde, die ich als Futterberaterin betreute, Atemwegserkrankungen aufweisen. Dann habe ich mich weiter informiert, Fachliteratur gelesen und festgestellt, dass es an der schlechten Grundqualität des Futters lag. Die Pferde kommen mit den hohen Schimmelpilzwerten und dem hohen Staubanteil nicht klar.“ Die Maschine braucht etwa eine halbe Stunde, um einen Ballen Heu zu entstauben.

Kunden kommen aus ganz Deutschland

Svenja Winter nimmt pro Ballen 9 Euro, viel mehr als normales Heu im Durchschnitt kostet. Trotzdem ihr "Grünes Gold" wird deutschlandweit nachgefragt und das immer mehr. "Das ist wirklich eine Bedarfslücke." Es läuft so gut, dass Svenja Winter ihr kleines Unternehmen ausbauen möchte. Das eigene Heu reicht nicht aus, um den Bedarf zu decken. Die Anfragen werden mehr, auch ihre Kooperationspartner. Landwirte, die für sie hochwertiges Heu ernten. Gerade erst hat Svenja Winter eine Landwirtin kennengelernt, die mit ihr auf hohem Niveau zusammenarbeiten möchte.

Wirkung zeigt sich bei erkrankten Pferden

Auf ihrem Gut Bisdorf behandelt die junge Unternehmerin auch Pferde mit Atemwegserkrankungen, stimmt dabei eng mit Tierärzten den Therapieplan ab. Ihre Patienten fressen ausschließlich das entstaubte Heu. Erste Erfahrungen zeigen, dass nach rund vier Wochen Besserung einsetzt. "Die Pferde werden leistungsstärker. Wenn sie schon schwerer erkrankt sind, haben sie Nasenausfluss. Das geht zurück. Die Pferde können wieder atmen. Pferde können nur durch die Nase atmen. Ein Pferd, das keine Luft bekommt, ist gestresst. Das heißt: Mit diesem Heu werden die Pferde ruhiger und entspannter. Sie finden wieder in ihre Mitte. Darüber freut sich Svenja Winter sehr. Sie liebt Pferde seit ihrer Kindheit und hofft, dass noch viele weitere Tiere ihr grünes Gold im Futtertrog finden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Landfunk | 17.12.2021 | 12:00 Uhr

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