Stand: 13.02.2020 12:06 Uhr

Gedenkmarsch zur Juden-Deportation vor 80 Jahren

Mit einem sogenannten "Marsch des Lebens" durch die Anklamer Innenstadt erinnerten am Mittwoch Bürger an die Deportation der jüdischen Bevölkerung aus Deutschland vor 80 Jahren. Knapp 30 Menschen waren in die Mägdestrasse gekommen, hier stand bis 1943 die Synagoge der Stadt. Es war der Ausgangspunkt eines Stadtspazierganges auf den Spuren jüdischen Lebens, vor allem aber zur Erinnerung an die ersten Deportationen von Juden in Deutschland vor 80 Jahren.

1.200 Juden aus Pommern wurden deportiert

Am 12. Februar 1940 hatte Pommerns Gauleiter Franz Schwede-Coburg den Regierungsbezirk Stettin judenfrei gemeldet. In der Nacht davor waren alle rund 1.200 pommerschen Juden aus ihren Wohnungen getrieben worden, berichtete der Anklamer Stadthistoriker Wilfried Hornburg auf der Veranstaltung: „Sie konnten nur das Nötigste mitnehmen, wurden dann zum Bahnhof gebracht und weiter nach Stettin zum Güterbahnhof. Und von dort ging es in Güterwaggons in Richtung Südostpolen, in den Kreis Lublin, ins Ghetto oder in ein Vernichtungslager.“, so Hornburg.

Erster Gedenkmarsch schon 2015

Die Gedenkmärsche werden veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Verein "Marsch des Lebens". Organisator Lorenz Sandhofe hatte ihn 2015 gegründet, um an die Todesmärsche zu den Vernichtungslagern zu erinnern. „Damals war das mit den Pegida-Aufmärschen auf den Straßen. Da haben wir gesagt, wir dürfen denen nicht die Straße überlassen. Und nicht denselben Fehler machen, und wieder nichts sagen “, erzählt der engagierte Ueckermünder.

Auch Teilnehmer aus dem Ausland

Auch Teilnehmer aus dem Ausland sind in Anklam und Stralsund dabei, so auch Toby Simpson vom Holocaust-Dokumentationszentrum "The Wiener Library" in London. "Wichtig ist für Deutsche zu lernen, was passiert ist. Es freut mich, so viele Leute zu sehen, die heute da sind " kommentierte der Engländer. Mit Gaby Glassmann, Ururenkelin des Kaufhausgründers Schlesinger aus Stralsund, war auch eine Nachfahrin von einem der damals deportierten Juden angereist.

Heute weitere Märsche in Greifswald und Stralsund

Bereits heute morgen hat in Greifswald eine Gedenkveranstaltung mit anschließendem Marsch zum selben Anlaß stattgefunden. Abends um 17 Uhr gibt es einen weiteren "Marsch des Lebens" in Stralsund, Treffpunkt für Teilnehmer ist am Neuen Markt/Ecke Langestrasse.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 13.02.2020 | 15:00 Uhr

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