Ein Holzkreuz und eine Urne im Wald. © NDS Online Foto: Joachim Reinshagen

Friedhofs-Beisetzung in MV künftig auch ohne Sarg möglich?

Stand: 10.03.2021 20:42 Uhr

Der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern hat am Mittwoch eine Änderung des Bestattungsgesetzes auf den Weg gebracht. Sie sieht unter anderen vor, dass eine Friedhofs-Beisetzung künftig auch ohne Sarg erfolgen kann.

Diese Änderung sei nötig geworden, weil sich die Bestattungskultur im Land gewandelt habe, darüber waren sich die Abgeordneten weitgehend einig. Die Linke bekräftigte ihren Wunsch nach weitergehenden Lockerungen des Bestattungsrechts. Die Rituale des Totengedenkens und des Abschiednehmens seien Veränderungen unterworfen. Dem sei auch "mit Mut und Offenheit" Rechnung zu tragen, sagte die Linke-Abgeordnete Eva-Maria Kröger.

Linke: Entwurf als Kompromiss mit wichtigen Änderungen

Der vorliegende Entwurf zur Änderung des Landesbestattungsgesetzes sei ein Kompromiss und beinhalte bereits wichtige Änderungen. Sie selbst habe nach vielen Diskussionen in der vom Landtag eingesetzten Expertenkommission verstanden, weshalb eine Urne nicht für immer bei den Hinterbliebenen zu Hause aufbewahrt oder im Garten beigesetzt werden könne. Doch gebe es in weiten Teilen der Bevölkerung auch den Wunsch, die Urne mit der Totenasche wenigstens für eine begrenzte Zeit mit nach Hause nehmen zu können. Die Sorge, dass mit der Asche nicht würdevoll umgegangen würde, halte sie für unangebracht, so Kröger weiter.

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CDU will am Friedhofszwang festhalten

Auch der CDU-Abgeordnete Sebastian Ehlers räumte ein, dass sich die Bestattungskultur im Wandel befinde. Jedoch lehnte er eine Lockerung des sogenannten Friedhofszwangs ab. Die Ehrfurcht vor den Toten gelte auch für deren Asche, betonte Ehlers. Er sprach sich zudem gegen die Teilung der Totenasche aus, etwa um daraus Schmuckstücke zur Erinnerung herstellen zu lassen. Ehlers appellierte an die Abgeordneten, der nun noch im zuständigen Wirtschaftsausschuss zu beratenden Gesetzesänderung ohne große Änderung zuzustimmen.

Auch AfD für Friedhofspflicht

Die SPD erneuerte ihre Ankündigung, in den Beratungen zu den hochethischen Fragen ihre Abgeordneten von der sonst üblichen Fraktionsdisziplin zu entbinden. Der AfD-Abgeordnete Jens-Holger Schneider warf der SPD daraufhin vor, mit Blick auf die Landtagswahlen im September den Boden für ein mögliches Linksbündnis ebnen zu wollen. Für die AfD stehe die "Fortschreibung der christlichen Bestattungskultur" im Mittelpunkt und dies schließe die Friedhofspflicht ein.

Hinterbliebene sollen Informationsanspruch erhalten

Das Bestattungsrecht ist Ländersache. Die Gesetzesänderung zielt auf die Einführung eines Zertifizierungssystems für Aufbewahrung und Beförderung von Leichen. Hinterbliebene sollen zudem einen Anspruch auf Informationen dazu bekommen, wo der Leichnam eingeäschert wird. Das Aufstellen von Grabsteinen oder Grabmalen, die etwa im Ausland unter Mitwirkung von Kinderarbeit hergestellt wurden, soll untersagt werden. Das liberalste Bestattungsgesetz hat derzeit Bremen. Dort dürfen Angehörige Urnen auch auf dem eigenen Grundstück beisetzen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 11.03.2021 | 05:30 Uhr

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