Stand: 24.09.2019 05:03 Uhr

Fall Leonie: Stiefvater schweigt zu Prozessbeginn

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Der gewaltsame Tod der sechsjährigen Leonie hatte in Torgelow große Anteilnahme ausgelöst.

Knapp neun Monate nach dem Tod der sechsjährigen Leonie aus Torgelow (Landkreis Vorpommern-Greifswald) hat am Dienstag unter strengen Sicherheitsvorkehrungen der Prozess gegen den Stiefvater des Mädchens vor dem Landgericht Neubrandenburg begonnen. An Händen und Füßen gefesselt wurde der Angeklagte in den kleinen Gerichtssaal geführt. Seinen Kopf und das Gesicht hatte er mit einer Kapuze und einem Hefter verdeckt. Im Gerichtssaal wurde er von Leonies leiblichem Vater, der als Nebenkläger auftritt, als feige beschimpft. Der Angeklagte reagierte mit dem Zeigen des sogenannten Stinkefingers.

Der angeklagte Stiefvater der gewaltsam zu Tode gekommenen Leonie verdeckt im Prozess in Neubrandenburg sein Gesicht.

Prozess um Tod der sechsjährigen Leonie startet

Nordmagazin -

In Neubrandenburg hat der Prozess gegen den Stiefvater des gewaltsam zu Tode gekommenen Mädchens Leonie begonnen. Dem 28-Jährigen wird Mord durch Unterlassen und Misshandlung vorgeworfen.

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Vorwurf lautet auf Mord durch Unterlassen

Dem 28-Jährigen wird Mord durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen in sieben Fällen vorgeworfen. Der Angeklagte wird beschuldigt, Leonie und ihren dreijährigen Bruder mehrfach schwer misshandelt zu haben. Das Mädchen soll infolge der Verletzungen gestorben sein. Sie war am 12. Januar tot in der Wohnung der Familie gefunden worden. Der Beschuldigte lebte damals mit der Mutter der beiden Kinder und einem gemeinsamen Baby in dem Haus in Torgelow.

Angeklagter hatte offenbar nicht den Rettungsdienst gerufen

Während der Ermittlungen bestritt der Angeklagte die Misshandlungen und gab laut Staatsanwaltschaft an, das Mädchen sei eine Treppe hinunter gefallen. Gutachter kamen dagegen zu dem Schluss, dass diese Aussage nicht zu dem vorgefundenen Verletzungsbild passe. Demnach soll der 28-Jährige dem Mädchen mittels stumpfer Gewalt Kopfverletzungen zugefügt haben, die zu Gehirnblutungen führten. Anschließend habe sich der Gesundheitszustand des Mädchens weiter stark verschlechtert. Um seine Taten zu vertuschen, habe es der Angeklagte bewusst unterlassen, den Rettungsdienst zu rufen. Als die Mutter von Leonie Hilfe holen wollte, soll ihr der Angeklagte das Handy weggenommen haben.

40 Zeugen sollen bis Ende November gehört werden

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Vier Gutachter sollen bei der Aufklärung des Falles Leonie helfen.

Bis Ende November sind 13 Verhandlungs tage anberaumt, rund 40 Zeugen sollen gehört werden, unter anderem der leibliche Vater des toten Mädchens. Da es außer der Mutter der Kinder keine direkten Zeugen des Vorfalls gibt, sollen unter anderem vier Gutachter vor Gericht bei der Aufklärung helfen.

Auch gegen Leonies Mutter wird ermittelt

Der Fall erregte viel Aufsehen, weil der Beschuldigte wenige Tage nach dem Fund der Toten bei einer Vernehmung in Pasewalk aus einem Polizeigebäude fliehen konnte. Dort war er mit weiteren Angehörigen vorgeladen worden. Der Mann war aber nach einer Woche wieder gefasst worden. Gegen die Mutter des Kindes wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung durch Unterlassen ermittelt. Auch sie soll vor Gericht als Zeugin aussagen, aber erst zu einem späteren Termin.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 24.09.2019 | 07:00 Uhr

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