Das Grab von Leonie © Tilo Wallrodt Foto: Tilo Wallrodt

Fall Leonie: Prozess gegen Mutter beginnt am 2. Dezember

Stand: 20.10.2021 18:25 Uhr

Fast drei Jahre nach dem gewaltsamen Tod der sechsjährigen Leonie aus Torgelow (Landkreis Vorpommern-Greifswald) muss sich die Mutter des Mädchens vor Gericht verantworten. Nach Angaben des Amtsgerichts Neubrandenburg beginnt der Prozess am 2. Dezember.

Der Mutter wird fahrlässige Tötung durch Unterlassen vorgeworfen. Das Mädchen war am 12. Januar 2019 tot in der Wohnung der fünfköpfigen Familie in Torgelow gefunden worden. Der inzwischen 30-jährige Stiefvater hatte Leonie immer wieder misshandelt. Er war zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden, wogegen Revision eingelegt worden war. Die Strafe gegen den Stiefvater, die zuletzt im Februar in einem Revisionsprozess nochmals bestätigt worden war, sei inzwischen rechtskräftig, sagte ein Sprecher des Landgerichts Neubrandenburg.

Leonie wurde Opfer einer Bestrafungsaktion

Nach Meinung der Richter hatte Leonies Stiefvater verhindern wollen, dass das Mädchen über seine Gewalttaten berichtet und deshalb medizinische Hilfe für die lebensbedrohlich Verletzte um Stunden verzögert. Leonie war an Hirnblutungen gestorben. Das Gericht sprach von einem "Verdeckungsmord durch Unterlassen". Leonie hatte an jenem Tag ihrer Mutter hinterhergehen wollen, die allein zum Einkaufen aufgebrochen war. Das hatte der Stiefvater bemerkt. Leonie wurde dann "Opfer einer Bestrafungsaktion", so das Gericht.

Geringe Straferwartung

Die Mutter hatte in den Prozessen gegen den Stiefvater als Zeugin ausgesagt. Sie muss sich auch mit Blick auf diverse schwere Verletzungen Leonies und ihres Bruders vor Gericht verantworten. Geplant sind bisher vier Verhandlungstage bis 2022. Das Landgericht, wo ihr Fall zuerst verhandelt werden sollte, hat das Verfahren wegen einer geringeren Straferwartung an das Amtsgericht verwiesen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 20.10.2021 | 19:00 Uhr

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