Die Tastatur eines Laptops leuchtet im Dunkeln, jemand schreibt. © dpa picture alliance Foto: Silas Stein

Ermittler: Erpresser stecken hinter Cyber-Angriffen in Westmecklenburg

Stand: 22.11.2021 11:46 Uhr

Hinter den Cyber-Angriffen auf Verwaltungen und kommunale Betriebe in Schwerin, Wismar und im Kreis Ludwigslust-Parchim steckten Erpressungsversuche von Kriminellen. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Rostock auf Anfrage von NDR 1 Radio MV.

Bereits kurz nach den Angriffen erhielten die Opfer demnach Erpresser-Mails. Darin hieß es laut den Ermittlern sinngemäß: Wir haben Ihre Daten verschlüsselt, wenn Sie ihre Daten wieder haben wollen, kontaktieren Sie uns. Angegeben worden sei dafür eine E-Mail-Adresse. Wie hoch die Forderung der Erpresser war, ist nicht bekannt. In den Mails sei keine Summe genannt worden. Es hieß lediglich, dass die Daten verschlüsselt seien - wenn die Verwaltungen wieder Zugriff auf sie bekommen wollten, müssten sie sich mit den Erpressern in Verbindung setzen.

Nicht auf Forderungen eingegangen

Erst danach würde laut den Ermittlern über Summen gesprochen werden. Die Verwaltungen sind nicht auf die Forderungen eingegangen, weil man Kriminelle nicht unterstützen will, so die Begründung. Ein anderer Grund könnte sein, dass es gegen solche Cyber-Angriffe Versicherungen gibt, die zwar die Kosten für das Wiederherstellen der Technik übernehmen, nicht aber die gezahlten Lösegelder abdecken.

Ermittler: Es gab bereits Fälle von Lösegeld-Zahlungen in MV

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft gab es in Mecklenburg-Vorpommern aber bereits Fälle, in denen die Opfer von Cyber-Angriffen Lösegelder zahlten. So sollte etwa ein Unternehmer 120.000 Euro in der Krypto-Währung Bitcoin anlegen. Er habe die Summe aber schließlich auf einen hohen fünfstelligen Betrag herunterhandeln können. Für den Geschäftsmann war die Zahlung offenbar das kleinere Übel. Wäre sein Betrieb 14 Tage lang nicht erreichbar, würde sein finanzieller Schaden deutlich höher sein, habe er den Ermittlern erklärt. Genau mit solchen Abwägungen kalkulierten die Kriminellen, so die Ermittler.

Schadsoftware "DeepBlueMagic" kam zum Einsatz

IT-Forensiker fanden inzwischen heraus, dass es sich bei der in Westmecklenburg eingesetzten Schadsoftware um eine sehr aggressive Ransomware namens "DeepBlueMagic" handelt. Diese ist nach Einschätzung der Experten nur schwer zu bekämpfen. Diese Software sei so programmiert, dass sie eine Art Eigenleben entwickle, so ein IT-Forensiker. Der Code verändere sich, wenn man versucht, ihn zu knacken - und das System beginne, die verschlüsselten Daten zu vernichten. Diese Software ist demnach vermehrt seit Anfang des Jahres im Umlauf. Sie wird unter anderem im sogenannten Darknet gehandelt.

In anderen Bundesländern massive Schäden durch Schadsoftware

Durch diese Software wurden bereits in mehreren Bundesländern und anderen Ländern teilweise massive Schäden angerichtet. Wie es weiter hieß, werden derzeit in den betroffenen Systemen in Westmecklenburg Sicherungskopien hochgeladen. Teile der Verwaltungen seien wieder arbeitsfähig. Der Normalbetrieb wird laut früheren Einschätzungen der IT-Dienstleister wohl erst 2022 wieder möglich sein.

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Die Fotokomposition zeigt verschiedene digitale Endgeräte, die im Dunkeln leuchten. © picture alliance/Pacific Press Foto: Andrea Ronchini

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 22.11.2021 | 12:00 Uhr

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