Stand: 08.11.2018 11:35 Uhr

Linke: "Ein Bambi macht noch keine Gleichstellung"

Bild vergrößern
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und Gleichstellungsministerin Stefanie Drese (beide SPD) wollen mit der Auszeichnung die Leistungen der Frauen im Land besonders hervorheben.

Die Idee hat Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) ausgerechnet von einem Christdemokraten "geklaut": Der damalige Landrat des Kreises Nordvorpommern, Wolfhard Molkentin, kürte 1998 zum ersten Mal die "Frau des Jahres" in seiner Region. Seit 20 Jahren wird der Preis vergeben - mittlerweile im größerer gewordenen Landkreis Vorpommern-Rügen

Stichtag: Internationaler Frauentag 2019

Regierungschefin Schwesig hat die Auszeichnung jetzt landesweit ausgelobt: Nächstes Jahr zum internationalen Frauentag am 8. März ist es soweit: Dann will Schwesig zum ersten Mal die "Frau des Jahres" würdigen. Der Preisträgerin soll für ihr Engagement gedankt werden, gleichzeitig soll ihre Leistung besonders hervor gehoben werden.

Landesfrauenrat: Nicht bei Preis belassen

Sie finde den Preis gut, sagt Claudia Kajatin, Geschäftsführerin beim Landesfrauenrat in Rostock. Er mache Frauen und ihre Leistungen für eine größere Öffentlichkeit sichtbar, und er mache Mut. Allerdings sei dieser Preis nur ein winziger Baustein. "Wichtig ist, es nicht bei diesem Preis zu belassen". Politik sei gefordert, so Kajatin, mehr Teilhabe von Frauen zu ermöglichen.

Schwesig: Eine Maßnahme unter vielen

Schwesig kennt die Einwände: Von 36 Abteilungsleiter-Posten in den Schweriner Ministerien sind nur 10 mit Frauen besetzt, es gibt kaum Behörden-Leiterinnen, in den Landesbetrieben sitzen fast ausnahmslos Männer auf den Chefsesseln. Deshalb sei der Preis "Frau des Jahres" nur eine Maßnahme unter vielen, meinte Schwesig in der vergangenen Woche beim Talk im Funkhaus im NDR: Es aber wichtig zu zeigen, dass es Frauen gebe, die etwas bewegen.

Videos
03:01
Nordmagazin

Talk im Funkhaus: Frauen in Führungspositionen

31.10.2018 19:30 Uhr
Nordmagazin

Beim "Talk im Funkhaus" haben Funkhausdirektorin Elke Haferburg und Chefreporter Michael Schmidt mit erfolgreichen Frauen in Führungspositionen über ihre Wege an die Spitze gesprochen. Video (03:01 min)

Grüne: Den echten Aufstieg erfahren die Männer

Claudia Müller, Grünen-Bundestagsabgeordnete aus Stralsund, nimmt Schwesig die Bemühungen für eine Frauenförderung zwar ab, viele Ankündigungen seien jedoch halbherzig und nur Lippenbekenntnisse. "Frauen bekommen die netten Urkunden, den echten Ausstieg erfahren die Männer", beklagt Müller mit Blick auf den Preis. In vielen Ministerien sei das Thema "Frauenförderung" bis heute nicht angekommen. Müller nennt ein Beispiel: eine halbe Stunde bevor Schwesig den Preis "Frau des Jahres" vor einer Woche auslobte, informierte ihr Innenminister Lorenz Caffier (CDU) über die Neubesetzung des Polizei-Präsidenten-Postens in Rostock: Das Rennen machte Peter Mainka, ein Mann.

Linke verlangt ein echtes Bekenntnis zur Gleichstellung

Eine Frau steckt einen Umschlag in eine Wahl-Urne. Auf dem Umschlag ist eine 100 mit angekreuzten Nullen. © imago Foto: Christian Ohde

100 Jahre Frauenwahlrecht

NDR Info - Redezeit -

Vor 100 Jahren wurde der lange Kampf der Frauen für die Teilnahme an Wahlen endlich belohnt. Wie steht es mit der Gleichberechtigung heute? Die NDR Info Redezeit.

1 bei 2 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Download

So laufe das in Mecklenburg-Vorpommern, meint der Linksabgeordnete Peter Ritter. Anspruch und Wirklichkeit würden eben auseinanderklaffen. Er wundere sich, warum Schwesig zu der Top-Personalie in der Polizei nichts gesagt habe, obwohl sie doch zuvor in der Justiz mehr Frauen in Spitzenposten gefordert habe. Ritter, der auch gleichstellungspolitischer Sprecher seiner Fraktion ist, sieht den Preis kritisch. Für die Auserwählte könne er zwar Anerkennung und Würdigung der geleisteten Arbeit sein. Allerdings mache "ein Bambi noch keine Gleichstellung". Da müssten konkrete Schritte erfolgen. Die Linke verlangt von der Koalition ein echtes Bekenntnis: In der kommenden Landtagssitzung erinnert sie - zum 100. Jahrestag des Frauenwahlrechts - an das Verfassungsziel der Gleichstellung von Mann und Frau - dazu brauche es mehr Anstrengungen.

Keine Fortsetzung für "Lehrer des Jehres"

Schwesig will die Auszeichnung "Frau des Jahres" langfristig vergeben. Andere Preise der Landesregierung sind mittlerweile jedoch "eingeschlafen": Ex-Bildungsminister Mathias Brodkorb hatte 2012 die Auszeichnung "Lehrer des Jahres" ausgelobt - sie wurde medienwirksam bis 2016 vergeben. Unter Brodkorbs Nachfolgerin Birgit Hesse ist bisher keine weitere Vergabe erfolgt.

Weitere Informationen

Talk im Funkhaus: Chefinnensache?

Elke Haferburg und Michael Schmidt haben am Dienstagabend mit erfolgreichen Frauen in Führungspositionen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft über Wege an die Spitze gesprochen. mehr

Erstmals Frau an der Spitze des OLG Rostock?

Das Oberlandesgericht in Mecklenburg-Vorpommern könnte erstmals eine Präsidentin bekommen. Demnach soll Monika Köster-Flachsmeyer dem langjährigen Präsidenten Thiele folgen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 08.11.2018 | 16:10 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

02:06
Nordmagazin

Ahrenshooper Filmnächte eröffnet

16.11.2018 19:30 Uhr
Nordmagazin
03:36
Nordmagazin

Trotz Schwerbehinderung kaum Unterstützung

16.11.2018 19:30 Uhr
Nordmagazin
00:42
Nordmagazin

Interreligöse Andacht in Rostock

16.11.2018 19:30 Uhr
Nordmagazin