Stand: 13.12.2017 16:06 Uhr

EWN Lubmin kündigt terrorsicheren Umbau an

Das bundeseigene Entsorgungswerk für Nuklearanlagen (EWN) in Lubmin plant nach eigenen Angaben den Bau eines Ersatzlagers für die 74 hochradioaktiven Castoren im Zwischenlager Nord. Nach mehrjähriger Prüfung sei das das Ergebnis der früheren Energiewerke Nord, sagte EWN-Geschäftsführer Henry Cordes am Mittwoch. Der Bau sei wegen einer veränderten Sicherheitsbewertung notwendig.

35 Millionen Euro für neue Halle

Das bundeseigene Unternehmen wolle von Ende 2024 an die bislang in der Halle 8 gelagerten Castoren mit hochradioaktivem Abfall so besser vor möglichen Terrorangriffen schützen. Zudem entsteht auf dem Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks eine neue Zerlegehalle für radioaktiven Abfall. Diese rund 35 Millionen Euro teure Halle werde das Herzstück für die Entsorgung von beispielsweise Dampferzeugern und Druckgefäßen.

Cordes: Keine zusätzlichen Kapazitäten für Castoren

Cordes betonte, dass das Zwischenlager keine zusätzlichen Lagerkapazitäten schaffen wolle. Mittel- und schwachradioaktiver Abfall bleibe weiter im Zwischenlager Nord. Unverändert bleibe neben der Anzahl der Castoren auch die derzeitige Befristung der Aufbewahrungsdauer für die Castoren bis 2039.

Höhere Sicherheitsvorschriften nach Terroranschlägen

Nach den Terroranschlägen in New York sowie mehreren europäischen Staaten, der Bewertung von Täterprofilen und Waffensystemen waren im Frühjahr 2011 alle Betreiber von Atom-Zwischenlagern vom Bundesamt für Strahlenschutz aufgefordert worden, ihre Sicherungsmaßnahmen zu verschärfen.

Akw-Rückbau kostet 6,6 Milliarden Euro

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Der Umbau der Hallen ist laut EWN komplex, daher dauere die Planung länger.

Von den 74 Castoren stammen 65 aus den stillgelegten DDR-Kraftwerken Lubmin und Rheinsberg (Brandenburg). In neun weiteren sind Abfälle aus den Alt-Bundesländern deponiert: hochradioaktive Altlasten des atombetriebenen Forschungsschiffs "Otto Hahn" und der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe. Das Akw in Lubmin ging 1973 in Betrieb und erzeugte etwa elf Prozent des in der DDR benötigten Stroms. Bis Ende der 2020er-Jahre soll der Rückbau der radioaktiv belasteten Areale abgeschlossen sein, danach beginne der Abriss. Die Demontage der Kraftwerke in Lubmin und Rheinsberg kostet nach Angaben des EWN rund 6,6 Milliarden Euro.

Grüne kritisieren späte Entscheidung

Die Atomexpertin der Grünen-Bundestagsfraktion, Sylvia Kotting-Uhl, bezeichnete die Entscheidung als längst überfällig. Zudem sei die geplante Inbetriebnahme im Jahr 2024 zu spät. EWN und der Bund als Gesellschafter müssten für eine deutliche Beschleunigung sorgen. Das EWN - damals noch unter dem Namen Energiewerke Nord - hatte im Sommer 2015 seinen Antrag an das damals zuständige Bundesamt für Strahlenschutz zurückgezogen, nachdem sich dieser als nicht genehmigungsfähig erwiesen hatte. Auch die Linken-Abgeordnete Mignon Schwenke begrüßte die Entscheidung mit gemischten Gefühlen. Endlich habe die Hängepartie um die nötigen Sicherheitsmaßnahmen ein Ende, so Mignon. Cordes begründete die lange Prüfungsdauer mit baulichen Besonderheiten. Das Zwischenlager sei ein komplexer Bau; die Halle mit den Castoren sei räumlich mit weiteren Gebäuden verbunden.

KKW Lubmin: Langwieriger Rückbau

Nach der Wende vom Netz genommen und stillgelegt

In Lubmin wurde 1990 das größte DDR-Kernkraftwerk wegen Sicherheitsbedenken abgeschaltet. Die Anlage war 1973 in Betrieb genommen worden und erbrachte mit einer Gesamtleistung von 1.760 Megawatt einen Anteil von elf Prozent des Strombedarfs der DDR. Nach der Stilllegung 1995 begannen die bundeseigenen Energiewerke Nord (EWN) mit dem Rückbau der Anlage, der noch mindestens bis ins Jahr 2028 andauern wird. Es ist der erste große Rückbau eines deutschen Atomkraftwerks. Die Kosten für den Rückbau der ostdeutschen Atomkraftwerke in Lubmin und im brandenburgischen Rheinsberg werden inzwischen auf 6,6 Milliarden Euro geschätzt

Langwieriger Rückbau

Radioaktive Kernbrennstoffe, Reaktoren und Dampferzeuger sind in dem stillgelegten Meiler am Greifswalder Bodden bereits vor Jahren ausgebaut worden. Der letzte radioaktiv verstrahlte Reaktor wurde 2009 ins benachbarte Zwischenlager gebracht. Vor einigen Wochen begann die Demontage der vier knapp 100 Meter hohen, weithin sichtbaren Schornsteine in Lubmin.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 13.12.2017 | 16:00 Uhr

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