Die Fotokomposition zeigt verschiedene digitale Endgeräte, die im Dunkeln leuchten. © picture alliance/Pacific Press Foto: Andrea Ronchini

Cyberangriff: Auswirkungen auch auf andere Landesteile

Stand: 18.10.2021 18:45 Uhr

Nach dem Hacker-Angriff auf die Computer der kommunalen Verwaltungen bleiben die Bürgerbüros in Schwerin und im Landkreis Ludwigslust-Parchim geschlossen. Auch die Ämter in Wismar, Greifswald und Stralsund konnten in der Folge bestimmte Aufgaben nicht erledigen.

Ursache soll das Datenverarbeitungszentrum, kurz DVZ in Schwerin sein. Als Sicherheitsmaßnahme sei hier im Zusammenhang mit dem Cyberangriff ein Landesnetz teilweise abgeschaltet worden, heißt von der Stadtverwaltung Greifswald. Dadurch konnten die Ämter zum Beispiel im Pass- und Einwohnermeldewesen nicht mehr arbeiten. In Wismar und Greifswald funktionieren die Server inzwischen wieder, in Stralsund gibt es noch Beeinträchtigungen zum Beispiel bei der Beantragung von Wohngeld.

Wichtigste Dienstleistungen erst einmal offline

In Schwerin und Ludwigslust-Parchim bleiben die Computer auch weiterhin aus. Die Schweriner Stadtverwaltung will die wichtigsten Dienstleistungen erst einmal offline anbieten. Auch bestimmte amtliche Dokumente sollen in den kommenden Tagen abgeholt werden können. Telefonisch sind die Mitarbeiter erreichbar und die Internetseite der Stadt funktioniert auch, sagte eine Sprecherin. Auf der Internetseite sollen weitere Rufnummern veröffentlicht werden, an die sich die Bürger wenden können. Anfragen per Mail können nicht beantwortet werden. Im Landkreis Ludwigslust-Parchim bleiben auch am Dienstag die Bürgerbüros geschlossen. Aktuell läuft auch die Website des Landkreises nicht. Wie es weiter gehen soll, wird am Dienstag entschieden, sagte eine Sprecherin des Landkreises. Wann die Bürgerbüros wieder öffnen können und welche Dienste dann wieder angeboten werden können, ist weiterhin völlig unklar.

Ermittlungen laufen

Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Rostock Ermittlungen zum genauen Ablauf des Cyberangriffs aufgenommen. Erste Ermittlungsergebnisse werden in den kommenden Tagen erwartet. Im Datenverarbeitungszentrum in Schwerin wurden laut Digitalisierungsminister Christian Pegel (SPD) zusätzliche Schutzmaßnahmen getroffen, auch auf Landesebene ist ein Krisenstab aktiv. Es gibt ein Computer-Notfall-Team CERT MV, das hauptsächlich zu Achtsamkeit auffordert.

Daten verschlüsselt, aber nicht geklaut

Ein sogenannter Verschlüsselungs-Trojaner hatte Daten verschlüsselt, sie sind deshalb für die Mitarbeiter der Behörden nicht zugänglich. Als dies bemerkt wurde, wurden die Computersysteme heruntergefahren. Nach derzeitigem Ermittlungsstand wurden jedoch keine Daten aus den kommunalen Datenspeichern "geklaut", es seien keine Daten abgeflossen, hieß es. Die Analysen der IT-Spezialisten seien jedoch noch nicht abgeschlossen. Unbekannte Täter hatten am Freitag die Computer-Systeme der Verwaltungen der Stadt Schwerin, des Landkreises Ludwigslust-Parchim und mehrerer Kommunen durch einen Cyberangriff weitgehend lahmgelegt.

Kriminalpolizei ermittelt

Die Stadtwerke Schwerin versicherten, dass die Versorgung mit Strom, Gas und Warmwasser von den Systemen abgekoppelt und deshalb sicher sei. Die Frage, ob Lösegeldforderungen eingegangen sind, konnte Schwerins Oberbürgermeister Rico Bardenschier auf NDR Nachfrage zunächst nicht beantworten. Nach Einschätzung des Landrates Stefan Sternberg (SPD) sind die Kommunen Westmecklenburgs in puncto IT-Sicherheit eigentlich gut aufgestellt. Es gebe ständig neue Sicherheits-Updates. "Es hat uns jetzt mal getroffen. Jetzt haben wir ein großes Problem. Das müssen wir aufarbeiten."

Minister Pegel: Nehmen Angriff "sehr ernst"

Mecklenburg-Vorpommerns Digitalisierungsminister Christian Pegel (SPD) mahnte in diesem Zusammenhang alle Internetnutzer im Nordosten zur Vorsicht. Dies gelte insbesondere im Umgang mit E-Mails von unbekanntem Absendern, sagte er am Sonntag. "Öffnen Sie keine Dokumente, die an solche Mails angehängt sind." Man nehme den Angriff vom Freitag "sehr ernst", so Pegel.

"Da geht es knallhart nur ums Geld"

Für den IT-Sicherheits-Experten Manuel Atug spricht vieles dafür, dass Ransomware ("Erpresser-Software") auf die Computer aufgespielt wurde. Dies gelinge meist dadurch, dass ein Mitarbeiter einen entsprechenden Mail-Anhang oder ein Bild öffnet und dabei unbemerkt die Schadsoftware installiert. Ein anderer Weg, um in ein System einzudringen, liege bei den Schwachstellen der Fernwartung, so Atug. Der Experte wies darauf hin, dass die Täter Daten häufig nicht nur verschlüsselten, sondern auch abzögen, um die Opfer erpressen zu können. Häufig stecke organisierte Kriminalität hinter solchen Angriffen. "Da geht es knallhart nur ums Geld. Das sind nicht 16-jährige Hacker, die noch im Kinderzimmer sitzen und übergewichtig sind und Pickel haben und ein bisschen rumklimpern auf der Tastatur", so Atug.

Viele Computersysteme in einer Hand

In Westmecklenburg ist ein großer Teil der IT-Struktur in Händen der KSM, einer Anstalt des öffentlichen Rechts. An diesem großen IT-Unternehmen, das auch Schulen, Eigenbetriebe der Kommunen und zahlreiche Verwaltungen in Westmecklenburg betreut, sind die Landeshauptstadt Schwerin, der Kreis Ludwigslust-Parchim, die Städte Grabow und Ludwigslust und andere beteiligt.

Vor 14 Tagen: Cyberangriff auf Stadtwerke Wismar

Erst Anfang Oktober waren die Stadtwerke in Wismar Ziel eines Cyberangriffes geworden. Unbekannte waren in die IT-Systeme des Versorgers eingedrungen. Ob Daten der Stadtwerke gestohlen wurden, konnten die Ermittler bisher nicht klären. 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 18.10.2021 | 20:00 Uhr

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