Stralsund: Das in Stralsund gebaute Expeditions-Kreuzfahrtschiff "Crystal Endeavor" liegt nach der Taufe am Ausrüstungskai der Werft (Luftaufnahme mit Drohne). © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Sauer

"Crystal Endeavor" in Stralsund getauft

Stand: 26.06.2021 11:19 Uhr

In Stralsund ist am Vormittag die "Crystal Endeavor" getauft worden. Sie gehört zu den größten Kreuzfahrtschiffen, die sich dank eines verstärkten Rumpfs ins Eismeer wagen können.

Auf der MV Werft in Stralsund ist die "Crystal Endeavor" von Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) getauft und feierlich an den Eigentümer, die Reederei Crystal Expedition Cruises, übergeben worden. Es ist der erste Schiffsneubau nach der Übernahme der Stralsunder Werft durch den asiatischen Mutterkonzern Genting Hongkong im Jahr 2016. Nach Angaben der Werft ist die "Crystal Endeavor" die weltgrößte Luxus-Expeditionsyacht. Die zehntägige Jungfernfahrt soll ab Mitte Juli von Reykjavík aus rund um Island und dabei in arktische Gewässer hineinführen. Der verstärkte Rumpf verschafft dem Schiff die Polar Klasse PC6. Die 164 Meter lange "Crystal Endeavor" hat Platz für rund 200 Passagiere und ist für Polargebiete und tropische Gewässer gleichermaßen geeignet. Die Passagierkabinen haben eine Größe von bis zu 105 Quadratmetern. Für eine Kreuzfahrt auf der "Crystal Endeavor" zahlen die Gäste mindestens 14.000 Euro pro Person. Nach Angaben des Veranstalters war bereits einen Tag nach Freischaltung der Buchungsportale Mitte April die Hälfte der Reisen gebucht.

Pläne für Schwesterschiff liegen auf Eis

Ursprünglich sollte das Schiff, dessen Auftragsvolumen Insidern zufolge bei rund 350 Millionen Euro lag, schon 2020 fertig sein. Die Corona-Pandemie hatte diesen Plänen aber einen Strich durch Rechnung gemacht. Für die Stralsunder Werftarbeiter löst die Taufe der "Crystal Endeavor" nicht nur Freude aus. Die Zukunft der MV Werften ist nach wie vor unsicher. Zum 1. August werden 650 Jobs gestrichen. Allerdings hat MV Werften die Überführung von Mitarbeitern in eine Auffanggesellschaft angekündigt. Hier gibt es aber nach Angaben eines Firmensprechers noch keine konkreten Abmachungen. Zum Jahresende könnte es weitere Kürzungen geben. Zunächst sollte auch ein Schwesterschiff der "Crystal Endeavor" in Stralsund gebaut werden. Aber die Pläne liegen auf Eis.

300 Millionen Euro Hilfe für die MV Werften

Schwesig bezeichnete die Taufe als "ein Zeichen des Aufbruchs für den Schiffbaustandort Deutschland". Neben ihr nahmen an der Schiffstaufe auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) teil. Der Präsident der Genting-Hongkong-Gruppe, Colin Au, bekannte sich zu den MV Werften. Ziel sei es, die Werften zu den besten in Europa zu machen. MV Werften mit Standorten in Stralsund, Warnemünde und Wismar hatte Anfang Juni nach monatelangen Verhandlungen rund 300 Millionen Euro aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds der Bundesregierung erhalten. Altmaier war bei der Zusage der Hilfe davon ausgegangen, dass die Werften damit nicht nur begonnene Schiffe fertigstellen, sondern auch neue Aufträge einwerben können. Der Werften-Verbund baut für Genting Passagierschiffe. Wegen der coronabedingten Unterbrechung der Kreuzschifffahrt war eine der wichtigsten Einnahmequellen für Genting weggebrochen - mit dramatischen Folgen für die Schiffbauer. Ein Großteil der Beschäftigten musste in Kurzarbeit.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 26.06.2021 | 09:00 Uhr

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