Corona: Studenten befürchten Ansteckungen bei Prüfungen

Stand: 26.01.2021 19:24 Uhr

Angesichts der bevorstehenden Prüfungen an den Unis befürchten Studierendenvertreter Corona-Infektionen im Hörsaal. Sie fordern Online-Prüfungen.

In der kommenden Woche beginnt die Hauptprüfungszeit an den Universitäten in Mecklenburg-Vorpommern. Studierendenvertreter schlagen Alarm - aus Sorge vor Präsenzprüfungen. "Wir gehen da natürlich mit gemischten Gefühlen hin, weil man natürlich schon Angst hat, sich möglicherweise dort anzustecken", sagte Hennis Herbst, ASta-Vorsitzender der Universität Greifswald, dem NDR. Besorgt sind vor allem die Studierenden an der Universität Greifswald angesichts der hohen Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Vorpommern-Greifswald.

Dozenten kündigen Präsenzprüfungen an

Noch müssen Prüfungen grundsätzlich online stattfinden. So ist es in einem Erlass des Bildungsministeriums geregelt. Dieser wurde am Dienstag bis zum 14. Febraur verlängert. Die Prüfungen beginnen am Montag. Einige Dozenten haben bereits angekündigt, dass sie Präsenzprüfungen veranstalten werden. Damit könnten volle Hörsäle Realität werden. "Studierende haben genauso wie andere Bevölkerungsgruppen teilweise auf Weihnachten mit der Familie verzichtet, um Oma und Opa nicht anzustecken, bleiben größtenteils zu Hause und sollen dann jetzt aus einem Leistungsgedanken heraus in Präsenzklausuren sitzen. Das ist kein schönes Gefühl", sagte Felix Willer, Präsident des Studierendenparlaments an der Universität Greifswald.

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Kritik: Sichere Online-Prüfung müsste inzwischen vorhanden sein

Zwar gelten auch in den Hörsälen Maskenpflicht und Abstandsregeln - doch selbst dann dürften in den größten Raum in Greifswald immer noch mehr als 70 Personen. Das sei zu viel, finden Studierendenvertreter. Sie bestehen auf Online-Prüfungen. Bei denen bestehe aber die Gefahr von Betrug, argumentieren einige Dozenten. Das Argument sei hinfällig, meint die ASta-Vorsitzende der Universität Rostock, Sara Klamann: "Alle Studierenden unter Generalverdacht zu stellen, nur weil sich nicht rechtzeitig darum gekümmert worden ist, dass eine adäquate Online-Variante da ist. Das kann nicht auf dem Rücken der Studierenden ausgetragen werden. Ich finde es bedenklich, dass man den Studierenden so wenig vertraut." Die Studierenden argumentieren, dass das vergangene Semester hätte genutzt werden müssen, um eine sichere Software-Lösung zu schaffen.

Unterschiedliche Lösungen in einzelnen Fächern

Woran sich einige Studierende besonders anstoßen sind die unterschiedlichen Standards. Laut dem Greifswalder ASta-Vorsitzenden Herbst gebe es "absurde" Fälle. "Zum Beispiel kann am Sprachenzentrum Schwedisch online geschrieben werden, Französisch funktioniert auch online, aber Spanisch muss in Präsenz stattfinden. Da erschließt sich mir nicht, warum das bei der einen Sprache erforderlich ist und bei der anderen nicht." Die Unklarheit empfinden viele Studierende als Belastung. "Die Stimmung ist angespannt. Die Studierenden möchten selbst wissen, was jetzt Sache ist: Wie sie ihre Prüfungen schreiben können, ob sie ihre Prüfungen scheiben können. Die Planbarkeit des eigenen Studiums fehlt komplett", monierte der Präsident des Studierendenparlaments der Hochschule Stralsund, Alexander Buschner.

Universität: Keine rechtliche Grundlage für Eingriff in Lehrfreiheit

Die Universität Greifswald verwies auf Anfrage darauf, dass viele Studierende dankbar für die Möglichkeit seien, das Semester erfolgreich abschließen zu können. "Das wäre nicht der Fall, wenn Präsenzprüfungen - die unter den mit dem Gesundheitsamt abgestimmten Schutzmaßnahmen durchgeführt werden - ausgesetzt und auf das Sommersemester verschoben würden", so Uni-Sprecher Jan Meßerschmidt. Die Universität betonte, dass Lehre und damit auch die Prüfungen der grundgesetzlich geschützten Lehrfreiheit unterlägen. Deshalb liege die Entscheidung darüber, ob Lehrinhalte in digitalen Prüfungen umgesetzt werden können, bei den Dozenten. "Eine rechtliche Grundlage für einen Eingriff in die Lehrfreiheit liegt gegenwärtig nicht vor, daher kann die Hochschulleitung digitale Prüfungen nicht erzwingen", so Meßerschmidt weiter. Er kündigte zudem an, dass die Hochschule die Studierenden am Mittwoch in einer Rundmail über die aktuellen Entwicklungen informieren werde.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 26.01.2021 | 19:30 Uhr

Student Hennis Herbst sitzt an einem Laptop.
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