Corona-Gutachten: Forderungen nach Kurswechsel in MV

Stand: 01.07.2022 17:16 Uhr

Ein Sachverständigengremium hat sich im Auftrag der Bundesregierung die Corona-Maßnahmen überprüft. Sie hätten nur teilweise etwas gebracht, die Datenlage sei ungenügend, so das Fazit des Berichts, der in Mecklenburg-Vorpommern auf ein geteiltes Echo stieß.

Die Masken seien sinnvoll, es komme aber auf das richtige Tragen an, anstatt der 2G- oder 3G-Regeln empfehlen die Experten tagesaktuelle Tests. Außerdem müssten Lockdowns kurz gehalten werden, um zu wirken, so die Sachverständigen. Die AfD in Mecklenburg-Vorpommern fühle sich in ihrer bisherigen Kritik bestätigt, sagte der Landtagsabgeordnete Thomas de Jesus Fernandes: "Wir müssen wegkommen von dieser Narrativpflege und diesem Abwiegeln von Gegenargumenten. Da erwarte ich eine vernünftige Diskussion in Zukunft, damit man auch vernünftige Maßnahmen treffen kann."

FDP: Viel zu wenig Daten

Einen Kurswechsel in der Corona-Politik fordern auch die Freien Demokraten. Sie stören sich an zwei Punkten, die die Sachverständigen herausstellten. Erstens: In Deutschland gebe es viel zu wenig Daten für eine umfängliche Auswertung. Zweitens: Die Corona-Regeln seien immer im Bündel beschlossen worden. Einzelne Punkte wie etwa die Schulschließungen zu bewerten, sei deshalb schwer. Für den Landtagsfraktionschef der FDP, René Domke, ist mit Blick auf mögliche künftige Corona-Regeln klar, "dass man nicht mehr in diesen Maßnahmepaketen abwarten wird, sondern immer die Wirkung der mildesten Maßnahme abwarten wird".

Experten: Erneute Maskenpflicht im Herbst

Die Grünen zogen aus dem Gutachten den Schluss, dass in der zu erwartenden Herbstwelle die Nutzung von FFP2-Masken in Innenräumen vermutlich ein wirksames Instrument darstellen werde. "Flächendeckend undifferenziert angewendete Maßnahmen der Kontaktreduzierung sollten jedoch der Vergangenheit angehören", sagte der  Landtagsfraktionsvorsitzende Harald Terpe. Man werde sich wohl wieder auf eine Maskenpflicht einstellen müssen, so auch die beiden wissenschaftlichen Berater der Landesregierung - Bioinformatiker Lars Kaderali und Tropenmediziner Emil Reisinger. Sie rechnen ab September mit stark steigenden Infektionszahlen. Deshalb sei eine gute Vorbereitung das Gebot der Stunde.

Linke: Es fehlt an deutlicher Kommunikation

Die Gesundheitsexpertin der Linken im Land, Steffi Pulz-Debler, meint, dafür müssten Corona-Tests wieder kostenlos und die Impfkampagne gezielter werden. Sie vermisse außerdem eine "deutliche Kommunikation" nach außen zu den Bürgern und Bürgerinnen. "Wo stehen wir gerade? Was planen wir gerade? Das fehlt mir in den letzten Wochen und Monaten eigentlich komplett, dass wir da den direkten Draht suchen." Selbstkritisch räumte auch die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD, Christine Klingohr, ein, Politik müsse besser werden, wenn es darum geht, alle mitzunehmen. Sie sagte auch, nicht alle Corona-Regeln würden noch einmal zum Einsatz kommen: "Wir möchten möglichst, dass Schul- und Kitaschließungen vermieden werden. Wir möchten möglichst, dass die Kinder- und Jugendangebote aufrecht erhalten bleiben. Und dass wir auch in der Wirtschaft, im Tourismus weiterarbeiten können." Auch in den Pflegeeinrichtungen müsse der nötige Schutz aufrecht erhalten werden, ohne die Häuser zu schließen.

Drese: Maskenpflicht in Bus und Bahn soll bleiben

Nach der Konferenz der Gesundheitsministerinnen und -minister am Freitag betonte unterdessen Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD), die wichtigste Forderung der Länder an den Bund sei, rechtzeitig ein Infektionsschutzgesetz vorzulegen, dass Ländern ausreichend Möglichkeiten biete, angemessen auf Corona-Ausbrüche in den Regionen reagieren zu können. Verständigt habe man sich bereits darauf, die Maskenpflicht im Öffentlichen Nahverkehr beizubehalten, sagte Drese dem NDR Nordmagazin.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 29.06.2022 | 16:10 Uhr

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Coronavirus

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