Stand: 19.03.2019 16:27 Uhr

Bündnis fordert Aufwertung der Bildung in MV

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Schüler, Eltern und Lehrer in Mecklenburg-Vorpommern schlagen angesichts der aktuellen Situation an den Schulen im Land Alarm. (Archivbild)

Zu wenig Lehrer, zu wenig Räume, zu wenige Förderstunden und zu wenig Zeit für individuelles Lernen: Schul- und Bildungsthemen in Mecklenburg-Vorpommern haben seit Jahren viel mit Mangel zu tun. Nun regt sich dagegen immer lauterer Widerstand. Vor zwei Wochen hat sich ein "Bündnis für gute Schule" gegründet, dass Schule und Bildung gut kennt: aus Sicht der Lehrer, der Schulleiter, der Sonderpädagogen der Eltern und nicht zuletzt der Schüler. Nun hat sich das Bündnis der Öffentlichkeit vorgestellt.

"Wir sorgen uns um die Bildung hier im Land"

Sieben Verbände und Gewerkschaften gehören dem Bündnis bisher an. "Was uns umtreibt ist, dass wir denken, Bildung braucht mehr Gehör, Bildung braucht eine andere Priorität. Wir sorgen uns um die Bildung hier im Land", sagt Heike Walter von der Schulleitungsvereinigung MV. Um dieses Gehör zu finden, sei eine breite Basis erforderlich.

Leo Radloff und Dr. Michael Burgert in einer Podiumsdiskussion.

Landesschulgesetz sorgt für Kritik

Nordmagazin -

Schüler, Eltern und Lehrer in Mecklenburg-Vorpommern schlagen angesichts der aktuellen Schulsituation Alarm. Sie fühlen sich trotz Anhörung im Landtag nicht ernst genommen.

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Nicht ernst genommen gefühlt

Es war wohl die Schulgesetznovelle, die das Fass zum Überlaufen brachte. Im Anhörungsverfahren fühlten sich Lehrerverbände, Eltern- und Schülervertreter gleichermaßen nicht ernst genommen. Ihnen blieb wenig Zeit für ihre Stellungnahmen, für Ideen und Einwände. Nach der Anhörung herrschte Funkstille aus den Regierungsparteien und dem Bildungsministerium. Dabei geht es um die großen Bildungsthemen wie Inklusion, die Streichung von Förderschulen und den Umbau der Regelschulen für die Inklusion.

Kritik: Funktionierende Strukturen sollen abgeschafft werden

Vieles davon halten die Fachleute für nicht umsetzbar, so Michael Burgert vom Verband der Sonderpädagogik. "Unser Eindruck ist, dass funktionierende Strukturen gestrichen werden und nicht evaluierte Strukturen an deren Stelle treten sollen." So liefen etwa Förderzentren in ländlichen Regionen aus, ohne dass klar geregelt sei, was an deren Stelle komme. Ob Grundschullehrer, Eltern, der Verband Bildung und Erziehung (VBE) oder die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) - alle fordern unisono eine bessere Ausstattung der Schulen mit Lehrern, mit Lehrerstunden, mit funktionalen Räumen und mit Fachkräften, die die Bildung von morgen braucht. Und dies, bevor mit einem neuen Schulgesetz die Weichen für die Schule der Zukunft gestellt werden.

Neue Diskussion über Schulgesetzänderung gefordert

"Wir fordern daher den Landtag auf, die jetzige Schulgesetzänderung, so wie sie zur Beschlussfassung vorliegt, nicht anzunehmen", sagte Leon Radloff vom Landesschülerrat. Vielmehr sollte mit allen Akteuren der schulischen Bildung noch einmal im Detail gesprochen werden, "um richtige Lösungen für die Probleme der Schulen im Land zu finden". Gründlichkeit müsse vor Schnelligkeit gehen, betonte Kay Czerwinski, Vorsitzender des Landeselternrats.

Das Bündnis sei nicht gegen etwas, sondern wolle beim Thema Bildung konstruktiv mitgestalten, hieß es. Dafür erwartet es ein Signal aus der Landespolitik. Zur nächsten Sitzung des Bündnisses im April sind die Bildungspolitiker der Landtagsparteien und das Bildungsministerium eingeladen. Das neue Gesetz soll nach dem Willen der Regierung schon zum Schuljahr 2019/2020 in Kraft treten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 19.03.2019 | 16:00 Uhr

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