Bauernproteste: Hunderte Landwirte mit ihren Traktoren in Schwerin

Stand: 28.01.2022 14:55 Uhr

Etwa 350 Bauern haben mit einem acht Kilometer langen Traktorkonvoi in Schwerin gegen verschärfte politische Vorgaben protestiert. Es kam zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. Vor der Staatskanzlei fanden sich rund 250 Landwirte und Verbandsvertreter zu einer Kundgebung ein.

Die Landwirte drückten vor der Staatskanzlei lautstark ihren Unmut aus - insbesondere gegen den Entwurf der Düngelandesverordnung: "Wir wollen eine Verordnung, die das Wasser wirklich schützt und nicht nur Landwirte sanktioniert", sagte Bauernpräsident Detlef Kurreck bei der Übergabe eines offenen Briefes an die Landesregierung. Mit dem Entwurf würden die Möglichkeiten einer genauen Ursachenforschung und -beseitigung für erhöhte Nitratmesswerte im Grundwasser nicht ausgeschöpft.

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Hitziger Austausch vor der Staatskanzlei

Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) stellte sich den Protestierenden und ging auf die Beschwerden ein. In einem teils emotionalen und hitzigen Austausch wies Backhaus wesentliche Kritikpunkte der Landwirte zurück. Er warf dem Bauernverband seinerseits vor, die Landwirte über den Verhandlungsstand zu den Streitthemen nicht hinreichend informiert zu haben. Es sei Fakt, dass es zu hohe Nitrat-Konzentrationen und Rückstände von Pflanzenschutzmitteln im Grundwasser gibt. "Es ist das Gegenteil von Willkür, wenn wir sagen, diese Stoffe haben im Grundwasser nichts zu suchen." Es grenze an Realitätsverweigerung, wenn Landwirte behaupten, sie seien nicht für den schlechten Zustand des Grundwassers verantwortlich, sondern Kleingärtner oder Sickergruben.

Ärger um Entwurf für neue Düngeverordnung

In ihrem offenen Brief hatten die Landwirte zuvor ihre Kritik dargelegt. Es geht vor allem um den Entwurf zur neuen Düngelandesverordnung. Tritt diese in Kraft, darf auf fast der Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzfläche des Landes weniger gedüngt werden. Nach Angaben des Agrarministeriums ist dort das Grundwasser zu stark mit Nitrat belastet. Landwirte zweifeln dies an. Sie kritisieren zudem das Messverfahren des Landes und bestreiten, dass sie allein die Verursacher für die zu hohen Nitratwerte seien.

Protest auch gegen "desaströse Situation der Tierhalter"

Zudem verwies der Bauernverband in dem Brief darauf, dass Landwirte für sauberes Grundwasser stehen würden. Inzwischen werde jeder zweite Hektar im Land nach den Vorgaben eines Agrarumweltprogramms bewirtschaftet. Dazu würden auch strenge Düngevorgaben beachtet. Mit dem Entwurf des Landes drohten vielen Bauern weniger Einnahmen, da sie weniger Nährstoffe ausbringen dürften, was wiederum weniger Ernte bedeuten würde. Zugleich wolle man auf die "desaströse Situation der Tierhalter" im Land aufmerksam machen. Die Agrar- und Ernährungsbranche gilt als einer der wichtigsten Arbeitgeber im Nordosten. Ein weiteres Ärgernis für die Landwirte ist der niedrige Milchpreis.

Zwei Traktoren-Korso nach Schwerin

Schon am frühen Morgen hatten sich rund 350 Bauern mit ihren Traktoren aus allen Landesteilen auf den Weg nach Schwerin gemacht. Mit zwei Konvois fuhren die Landwirte in den frühen Morgenstunden los: Eine Gruppe kam aus dem Osten des Landes, der nördliche Konvoi führte von Neubukow über die B105 und die B106 nach Schwerin. Start des rund acht Kilometer langen Korsos in Schwerin war im Gewerbegebiet Göhrener Tannen. Beider Fahrt durch die Schweriner Innenstadt kam es laut Polizei zu teils beträchtlichen Verkehrsbehinderungen.

Linke: Grundwasser bedroht

Der Frust vieler Landwirte sei zwar verständlich, da sie laut Verordnung künftig auf fast der Hälfte der Agrarflächen weitere Einschränkungen bei der Düngung und damit geringere Erträge hinnehmen müssten, sagte der agrarpolitische Sprecher der Linksfraktion, Daniel Seiffert. Aber niemand könne ernsthaft bestreiten, dass die Nitratbelastung der Gewässer zu hoch ist. !Die Messdaten dokumentieren zudem hohe Werte von Ammonium und Phosphat. Sogar Rückstände von Pflanzenschutzmitteln wurden gefunden." Diese giftige Mischung bedrohe das Grundwasser, die Oberflächengewässer und könnte damit Mensch und Umwelt nachhaltig schädigen. # Notizblock

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 28.01.2022 | 12:00 Uhr

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Landwirtschaft

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