Stand: 28.09.2020 17:55 Uhr

Atommüll-Endlager: Auch Gebiete in MV geologisch geeignet

Zwischenbericht Teilgebiete: Eine Karte mit geologisch grundsätzlich geeigneten Teilgebieten in Norddeutschland © BGE Foto: BGE
Die BGE hat eine Karte mit 90 Teilgebieten veröffentlicht, die für ein Atommüll-Endlager grundsätzlich infrage kommen. (Screenshot)

Bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager in Deutschland hat die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) am Montag ihren Zwischenbericht vorgestellt. Demnach bieten 90 großflächige Gebiete in Deutschland grundsätzlich günstige geologische Voraussetzungen für ein solches Endlager. Einige davon befinden sich auch in Mecklenburg-Vorpommern. Grundlage für den Zwischenbericht sind ausgewertete geologische Daten, die über drei Jahre zugeliefert wurden.

VIDEO: Atommüll-Endlagersuche: Teile von MV geeignet (3 Min)

Mehr als die Hälfte der Fläche Deutschlands grundsätzlich geeignet

Als günstige Gesteinsformationen für ein Endlager gelten Salz, Ton und Granit. Berücksichtigt man die Überlagerung einiger Teilgebiete ist in Deutschland eine Fläche von gut 194.000 Quadratkilometern - also ein Anteil von rund 54 Prozent der gesamten Bundesfläche - als Teilgebiet ausgewiesen. Diese Vorauswahl bildet nun den Ausgangspunkt für die weiteren Arbeiten im Standortauswahlverfahren, für das noch etliche Jahre anberaumt sind, bis der Bundestag letztlich frühestens im Jahr 2031 den endgültigen Endlager-Standort bestimmen soll.

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Das ehemalige Erkundungsbergwerk Gorleben © picture alliance Foto: Philipp Schulze

Zwischenbericht der BGE

Link zum Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung. extern

Große Teile Mecklenburgs, kleinere Teile Vorpommerns geeignet

In Mecklenburg-Vorpommern befinden sich einige Teilgebiete der Gesteinstypen Salz und Ton, Granitformationen kommen dagegen überwiegend in Süddeutschland vor. So kommen kleinere Steinsalz-Bereiche etwa unter Rügen und Teilen der Ostsee sowie südöstlich von Ludwigslust vor. Tongesteinsformationen befinden sich sogar unter weiten Teilen Mecklenburgs und dem Westen Vorpommerns bis zu einer groben Linie Rostock-Teterow-Waren-Neubrandenburg.

12.000 Quadratkilometer in MV

Ebenso gibt es südlich von Pasewalk an der Landesgrenze zu Brandenburg solche Formationen. Dies geht aus einer im Zwischenbericht veröffentlichten interaktiven Karte hervor, auf der jeder seinen Ort suchen kann. Diese Gebiete haben landesweit eine Fläche von rund 12.000 Quadratkilometern. Nach Angaben von Karsten Obst, Abteilungsleiter im Landesamt für Geologie, ist aber noch nicht untersucht, ob umliegende und Deckschichten dicht genug sind und das Umfeld auch Wärme aus Castoren verkraftet.

Standortsuche wird Schritt für Schritt verfeinert

In einer Fachkonferenz Mitte Oktober soll der nun veröffentlichte, mehr als 400 Seiten starke Zwischenbericht zu den 90 Teilgebieten ausgewertet werden. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus erklärte am Montag, er wolle sich konstruktiv an den Gesprächen beteiligen. Später sollen an einigen Standorten erst oberirdische, später auch unterirdische Untersuchungen vorgenommen werden. In elf Jahren, so der Plan, soll der Bundestag dann auf Basis wissenschaftlicher Fakten entscheiden, wo das Endlager entsteht.

Atommüll soll 500 Jahre lang rückholbar sein

Die Kriterien für die Auswahl sind streng. So soll der hochradioaktive Atommüll mindestens 300 Meter unter der Erdoberfläche sicher lagern - für möglichst eine Million Jahre. Außerdem soll er in den kommenden 500 Jahren noch rückholbar sein. Dadurch soll etwa künftigen Generationen die Nutzung neuer Technologien ermöglicht werden. Vorgegeben sind auch Abstände zu Wohn- und Schutzgebieten sowie zu "herausragenden Natur- oder Kulturgütern".

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Bergleute und Gäste gehen durch das ehemaligen Erkundungsbergwerk. © picture alliance/dpa Foto: Philipp Schulze

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 28.09.2020 | 19:00 Uhr

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