Schüler einer 7. Klasse der Max-Schmeling-Stadtteilschule sitzen zu Beginn des Unterrichts mit Mund-Nasen-Bedeckungen im Klassenraum. © picture alliance/Daniel Bockwoldt/dpa Foto: Daniel Bockwoldt

NDR Umfrage: Hälfte der Eltern mit Schulbetrieb unzufrieden

Stand: 20.10.2020 06:00 Uhr

Mit dem Unterricht unter Pandemie-Bedingungen ist nur die Hälfte der Eltern von Schulkindern in Norddeutschland zufrieden. Das ist das Ergebnis einer Online-Umfrage des NDR. Es hakt an vielen Stellen.

von Isabel Lerch

In Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sind die Herbstferien schon vorbei, Niedersachsen folgt nächste Woche. Doch allen Bundesländern ist gemeinsam: Der Unterricht sieht in diesem Schuljahr ganz anders aus. Die Corona-Pandemie zwingt die Schulen zum Umdenken. So müssen zum Beispiel Hygienekonzepte eingehalten werden.

Das verändert die Unterrichtsbedingungen für Schulkinder in jedem Alter - und das nicht immer zur Zufriedenheit der Eltern, wie eine Online-Umfrage des NDR zeigt: Die Eltern in Norddeutschland sind gespalten, wenn es um das Thema Schule unter Corona-Bedingungen geht. Die eine Hälfte ist mit dem aktuellen Betrieb zufrieden, die andere Hälfte nicht. Das ist das zentrale Ergebnis der Umfrage.

Lob für das Engagement in den Schulen

Die einen freuen sich über das Engagement der Lehrkräfte, sie loben die gute Organisation der Schulen. So berichtet ein Elternteil in der Umfrage: "Die Grundschullehrer unserer Schule geben sich riesige Mühe, den Kindern Alltag und Beständigkeit zu geben und doch ein Lernen zu Hause vorzubereiten." Ein Teilnehmer aus Mecklenburg-Vorpommern meint, dass der Unterricht "fast wie vor der Pandemie sei". Andere Eltern sind grundsätzlich zwar zufrieden, sie weisen aber auf gewisse Schwächen in der Organisation des Schulalltags hin. "Der Unterricht läuft relativ normal. Allerdings hat das Kind nur zwei verschiedene Lehrer die ganze Woche, was aus Corona-Sicht gut ist, aber für den Unterricht nicht so gut, da die Lehrer mehr Fremdfächer unterrichten müssen", schreibt ein Umfrage-Teilnehmer aus Niedersachsen.

Viel Kritik: Kaum Abstände und zu große Klassen

Die eher unzufriedene Hälfte der Eltern übt Kritik: Abstände im Unterricht würden nicht immer eingehalten, Schulstunden würden ausfallen, weil Lehrkräfte sich krank melden, und Kohorten - also kleine, feste Lerngruppen - gebe es aufgrund des Personalmangels nur auf dem Papier. Es gebe "viel zu große Klassen in der Corona-Zeit. Dadurch können die Abstände nicht eingehalten werden", schreibt ein Umfrage-Teilnehmer aus Mecklenburg-Vorpommern. Andere Eltern werden noch deutlicher: Sie schreiben in der NDR Umfrage, dass sie um die Sicherheit ihrer Kinder besorgt seien, da keine wirklichen Maßnahmen zum Infektionsschutz vorhanden seien.

Schüler einer 13.Klasse der Oberstufe der Stadtteilschule Niendorf sitzen mit Mund-Nasen-Bedeckungen im Deutsch-Unterricht. © picture alliance/dpa Foto: Daniel Bockwoldt

AUDIO: Umfrage zu Schule und Corona: Hälfte der Eltern zufrieden (5 Min)

Ein Drittel der Eltern meint: Kinder hängen beim Lernstoff zurück

Ein anderer wichtiger Punkt für die Eltern im Norden ist der Lernstand ihrer Kinder: Sie machen sich Sorgen, dass ihre Kinder durch die Corona-Zeit den Anschluss verlieren. Zwei Drittel sagen zwar, ihr Kind sei aktuell auf der Höhe der Unterrichtsinhalte, ein Drittel sieht aber Lern-Defizite beim Nachwuchs. Die Gründe dafür sind vielfältig: Unter anderem schlechter digitaler Unterricht während der Schulschließungen, nicht angepasste Lehrpläne und zu strenge Bewertungen von Klassenarbeiten werden von den Eltern in der Umfrage genannt.

Ein Umfrage-Teilnehmer aus Niedersachsen schreibt: "Der Fernunterricht im Frühjahr hat zu vielen Lücken geführt." Zu den Rückständen, die viele Eltern beim Lernstoff sehen, kommt das Tempo im aktuellen Schuljahr hinzu. Ein Elternteil aus Niedersachsen meint dazu, dass die Themen in den Fächern nur kurz durchgenommen würden und zwar "egal, ob die Kinder es verstanden haben".

Lüftungskonzepte bereiten vielen Eltern Sorgen

Und auch die Lüftungskonzepte sind für viele Eltern ein Reizthema. Nicht wenige haben Angst, dass ihre Kinder im Unterricht frieren und sich dadurch mehr als sonst erkälten. Wegen der kalten Temperaturen hat ein Teil der Eltern Bedenken, ob sich die Kinder ausreichend konzentrieren können. Außerdem haben viele starke Zweifel daran, ob das Lüften wirklich praktikabel ist. So schreibt ein Elternteil: "Es ist völlig unrealistisch. Die Temperaturen sind jetzt schon zu niedrig, um ausreichend lüften zu können. Teilweise ist das komplette Öffnen der Fenster zudem gar nicht möglich."

Methode der Umfrage

In der NDR Umfrage "Schule unter Corona-Bedingungen" haben wir im Zeitraum zwischen dem 6. und 18. Oktober 2020 online die aktuelle Situation der Beschulung der Kinder in Norddeutschland abgefragt. Die Umfrage ist nicht nach wissenschaftlichen Standards durchgeführt worden, sie ist daher nicht repräsentativ.

Insgesamt wurden 8.862 Antworten eingereicht, von denen allerdings nur 2.767 vollständig waren. Die Auswertung der Umfrage erfolgte ausschließlich auf der Grundlage dieser vollständigen Antworten. Methodisch setzte sich die Umfrage aus qualitativen und quantitativen Elementen - in Form von offenen und geschlossenen Fragen - zusammen.

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NDR Info | 20.10.2020 | 06:20 Uhr

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