Stand: 26.07.2017 18:20 Uhr

Gutachter sieht VW-Verstrickung in Brasilien

von Peter Hornung und Stefanie Dodt

Volkswagen hat nach eigenen Angaben ein Gutachten zur Rolle des Autobauers während der brasilianischen Militärdiktatur erhalten und prüft es nun. Der Konzern hatte das Gutachten selbst in Auftrag gegeben. Das Papier bestätigt nach Aussagen des Autors, des Bielefelder Wirtschaftshistorikers Christopher Kopper, Recherchen von NDR, SWR und "Süddeutscher Zeitung", wonach die brasilianische VW-Tochterfirma sich aktiv an Unterdrückung von Oppositionellen im Land beteiligt hat.

Es sind 125 Seiten, die dokumentieren, wie die brasilianische Volkswagen-Tochter in den Jahren der brasilianische Militärdiktatur (1964-1985) mit dem Regime zusammengearbeitet hat. Das ursprünglich erst für Herbst 2017 erwartete wissenschaftliche Papier liege Volkswagen nun seit zwei Tagen vor, sagte ein Unternehmenssprecher. Es werde jetzt ausgewertet. Zudem übersetze man es ins Portugiesische, damit es bei VW Brasilien gelesen werden kann.

Werkschutz lieferte regelmäßig Berichte für Politische Polizei

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Lucio Bellentani, im Hintergrund eine Halle von VW Brasilien mit dem Firmenlogo auf dem Dach. © NDR

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Der Autor, der Bielefelder Wirtschaftshistoriker Christopher Kopper, geht nach eigenen Angaben davon aus, dass Volkswagen die Ergebnisse seiner Arbeit auch der Öffentlichkeit präsentieren wird. Einen Termin hierfür gebe es aber noch nicht. Kopper stellt in seinem Gutachten fest, dass VW wirtschaftlich erheblich von der Diktatur profitiert habe. Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung sei, dass VW-Arbeiter vom Werkschutz ausgespäht, die Berichte an die Geheimpolizei weitergegeben wurden: "Ich war erschrocken, wie regelmäßig der Werkschutz von VW Berichte über Mitarbeiter an die Politische Polizei verschickte - zu einer Zeit, wo man in Brasilien wusste, dass die Politische Polizei politische Gegner nicht nur einsperrte, sondern auch foltert."

Werden betroffene VW-Arbeiter entschädigt?

Nach Ansicht von Kopper soll sich VW nun überlegen, wie man die betroffenen Arbeiter entschädigen wolle. Kopper habe mit ehemaligen Arbeitern gesprochen. Es sei schlimm zu hören, "mit welcher Brutalität damals die politische Polizei in der Militärdiktatur gefoltert hat". Kopper bestätigt damit Recherchen von NDR, SWR und "Süddeutscher Zeitung", die Anfang dieser Woche veröffentlicht wurden.

Multimedia-Doku
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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 25.07.2017 | 20:30 Uhr

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