FAQ: Das steckt hinter den Corona-Zahlen des NDR

NDR Data liefert täglich verschiedene Grafiken zum Verlauf der Corona-Pandemie in Norddeutschland. Wie lassen sich die dargestellten Daten richtig verstehen? Wie aktuell sind sie, woher stammen sie, und was bedeuten sie eigentlich? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Woher stammen die Corona-Daten?

Die Corona-Daten, die das Daten-Team des NDR verwendet, stammen vom Robert Koch-Institut (RKI). Das bundeseigene Institut für Infektionskrankheiten sitzt am Ende einer behördlichen Meldekette: Sie beginnt bei den Gesundheitsämtern in den 401 deutschen Kreisen und kreisfreien Städten, nimmt ihren Weg über die Landesgesundheitsämter und endet beim Robert Koch-Institut, das die täglichen Fallzahlen gesammelt bereitstellt.

Berücksichtigen die NDR Fallzahlen die Dunkelziffer?

Nein. Denn die amtlich gemeldeten Infektionen, die der NDR verwendet, sind nur diejenigen Fälle, die druch positive Labortests aufgefallen sind. Zusätzlich gibt es eine hohe Dunkelziffer an Infizierten, die sich nicht haben testen lassen, und eventuell noch nicht einmal Krankheitssymptome spüren. Die Höhe dieser Dunkelziffer ist nicht genau bekannt. Schätzungen gehen davon aus, dass die Zahl der tatsächlich Infizierten um das Vierfache oder mehr über der Zahl der gemeldeten Fälle liegen könnte.

Wie aktuell sind die Corona-Daten?

In den meisten Fällen, in denen der NDR die Zahlen des Robert Koch-Instituts nutzt, blenden wir die jüngsten zwei vergangenen Tage aus. Beispiel: An einem Donnerstag datieren die jüngsten Zahlen dann auf Montag. Dies scheint auf den ersten Blick wenig aktuell zu sein - und es steht im Widerspruch zu den Zahlen, die etwa der NDR Liveticker verwendet: Diese tragen das tagesaktuelle Datum: Es sind also an einem Donnerstag tatsächlich die Zahlen vom Donnerstag.

Warum nimmt der NDR diesen scheinbaren Verlust an Aktualität in Kauf? Weil wir vermeiden wollen, dass wir den Trend der Pandemie harmloser darstellen, als er ist. Verwendeten wir die RKI-Zahlen bis zum jüngsten Tag, zeigten unsere Trendkurven bei steigenden Neuinfektionen in den letzten Tagen permanent nach unten, obwohl die Werte zunehmen. Der Grund dafür: In den Zahlen des Robert Koch-Instituts fehlen für die jüngsten Tage noch etliche Nachmeldungen aus den Gesundheitsämtern. Noch etwa zwei Tage lang sind die Werte darum deutlich kleiner als drei oder vier Tage später, wenn alle Fälle ans RKI übermittelt worden sind.

In den Zahlen der Landesgesundheitsämter, wie sie auch der NDR Liveticker berichtet, steckt diese Verzögerung ebenfalls. Sie wird nur nicht sichtbar. Das liegt daran, dass diese Zahlen noch nicht dem richtigen Tag zugeordnet sind. Nämlich dem Tag, an dem eine Infektion im Gesundheitsamt vor Ort auffiel. Stattdessen melden die Landesgesundheitsministerien jeweils alle Fälle, die sie an einem Tag endgültig bearbeitet haben. Das sagt etwas über den Bearbeitungsstand im Ministerium aus - aber nicht über den Tag, an dem die Infektionen bekannt wurden. Darum verzichtet das NDR Datenteam auf diese Daten. Lesen Sie mehr zum zeitlichen Verzug in der Meldekette.

Warum zeigen wir 7-Tage-Summen statt einzelner Tageswerte?

Tageswerte schwanken von Wochentag zu Wochentag teils stark. Sie können von einem Tag zum nächsten abnehmen, obwohl der Trend nach oben zeigt. Das ist insbesondere am Wochenende der Fall, wenn Labore und Gesundheitsämter nicht voll besetzt sind oder geschlossen haben, und darum wesentlich weniger Infektionen melden, als tatsächlich auftreten. Um solche Schwankungen auszugleichen, zeigt der NDR bevorzugt die Summe der Neuinfektionen über die jeweils komplette vergangene Woche.

Diese "7-Tage-Summe" berechnen wir als so genannte "gleitende Summe". Das heißt, wir zeigen sie für jeden Wochentag an - und nicht nur einmal pro Kalenderwoche. In der obigen Trendgrafik zeigen wir beispielsweise für einen beliebigen Donnerstag die Summe der Neuinfektionen seit dem Freitag der Vorwoche an (dann werden inklusive dem gewählten Donnerstag genau sieben Tage einbezogen). Für den folgenden Freitag wären es die sieben Tage seit dem Sonnabend der Vorwoche, usw..

Was sagt die Prozentzahl in der Trend-Grafik?

Auf Grundlage der gleitenden 7-Tage-Summe gibt der NDR auch den täglichen Anstieg der Neuinfektionen in Prozent aus (große rote Zahl in der Grafik oben): Für einen beliebigen Donnerstag gibt sie beispielsweise an, wie sich die 7-Tage-Summe für diesen Donnerstag verändert hat im Vergleich zur 7-Tage-Summe eine Woche früher, also am Donnerstag der Vorwoche.

Mehr Corona-Tests = höhere Fallzahlen?

Nehmen die Neuinfektionen nur zu, weil mehr getestet wird? Und müsste die Zahl der Tests darum nicht in die Fallzahl-Berechnung mit eingehen? Fragen wie diese erreichen den NDR immer wieder.

Leider ist eine klare Antwort auf diese Frage nicht möglich. Denn dazu müsste man die Dunkelziffer der Infektionen kennen. Und dazu wiederum die gesamte Bevölkerung testen. Zwar ist plausibel, dass mehr Tests auch zu mehr gemeldeten Neuinfektionen führen können. Andererseits können die Neuinfektionen auch dann kräftig steigen, wenn sich weder an der Zahl der Tests, noch an der Teststrategie etwas ändert - also daran, ob nur Menschen mit Krankheitssymptomen getestet werden - oder auch ohne.

Das Problem ist: Die Daten, die die Gesundheitsämter zu Corona-Infektionen erheben, und die das RKI bündelt, sind nicht dafür geeignet, den Einfluss der Testmenge auf die Anzahl gemeldeter Infektionen zu verstehen. Und sie sind auch nicht dafür gedacht. Lesen Sie mehr in unserem ausführlichen Hintergrundstück zu Corona-Tests und Infektionszahlen.

Vergleiche von Fällen pro 100.000 Einwohner: Die "Inzidenz"

Um die Corona-Neuinfektionen zwischen Bundesländern oder Landkreisen zu vergleichen, ist es irreführend, die absolute Zahl an infizierten Menschen gegenüberzustellen. Denn die ist in einem bevölkerungsstarken Bundesland wie Niedersachsen fast immer größer als in einem weniger besiedelten wie Mecklenburg-Vorpommern, selbst wenn die Pandemie im kleineren Land viel stärker grassiert. Denn es gibt in der stärker bevölkerten Region einfach viel mehr Menschen, die sich anstecken könnten.

Darum bestimmen wir zum Vergleich verschiedener Regionen den Anteil der infizierten Gesamtbevölkerung, indem wir die Infektionen pro 100.000 Einwohner berechnen. So spielt die Bevölkerungsstärke keine Rolle mehr, und es wird nur noch die Intensität des Corona-Ausbruchs verglichen. Diesen Wert nennen Epidemiologen "Inzidenz".

Wie kommt die Karte der Landkreise mit der 50er-Grenze zustande?

Überschreiten die Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt den Grenzwert von 50, muss die Politik handeln und Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung verschärfen. Zusätzlich wurden im April 2021 bundesweite Regeln zu einer "Bundesnotbremse" verabschiedet, die zunächst bis Ende Juni 2021 befristet wurde. Die Karte zeigt für jeden Kreis die Summe der Neuinfektionen der letzten sieben Tage ("7-Tage-Inzidenz"). So lässt sich erkennen, wie weit das Infektionsgeschehen in den einzelnen Kreisen von der 50er-Grenze entfernt ist.

Es ist zwischen Bund, Ländern und Kreisen nicht klar geregelt, auf Basis welcher Datenquelle die 7-Tage-Inzidenz zu berechnen ist. Der NDR verwendet die tagesaktuellen Werte des RKI, an denen sich auch die Bundespolitik orientiert. Einzelne Landkreise oder Stadtstaaten nutzen allerdings die Tagesmeldungen Ihrer Gesundheitsämter, die zeitlich anders zugeordnet werden als die Fallzahlen des RKI. Die 7-Tage-Inzidenzen, die die Kreise nennen, können darum höher sein, als die Angaben des Robert Koch-Instituts - und die Kreise entsprechend früher Alarm schlagen.

Haben Sie Fragen und Anregungen? Schreiben Sie uns an data@ndr.de.

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