Stand: 06.09.2018 06:38 Uhr

Tausende protestieren gegen rechte Kundgebung

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"Bunt statt braun": Laut Polizei sind in Hamburg rund 10.000 Menschen auf die Straße gegangen, um gegen Rechts zu demonstrieren.

Rund 10.000 Menschen haben nach Angaben der Polizei am Mittwoch in Hamburg gegen Fremdenhass und rechte Hetze demonstriert. Anlass war die Kundgebung eines "Merkel muss weg"-Bündnisses. Die beiden Gegendemonstrationen starteten am Hauptbahnhof und am Stephansplatz. Die Demonstrationszüge trafen sich am Jungfernstieg. Ganz in der Nähe begann um 19 Uhr am Gänsemarkt die "Merkel muss weg"-Kundgebung. Dort versammelten sich laut Polizei rund 180 Teilnehmer. Die Hamburger Polizei sperrte den Platz mit Gittern ab. Die Beamten setzten kurz einen Wasserwerfer ein, als Polizisten von Gegendemonstranten mit Gegenständen beworfen wurden. Ein Teilnehmer der Anti-Merkel-Demo wurde angegriffen, außerdem wurde ein Journalist mit Steinen beworfen.

Haltung gegen Fremdenhass

Anmelder der Gegendemonstrationen waren die Bündnisse "Hamburger Stimmen für Vielfalt" und "Mittwochs gemeinsam gegen rechte Hetze". Unter den Tausenden Teilnehmern waren laut NDR 90,3 viele Menschen, die erklärten, sonst nie auf Demos zu gehen. Nach den Ereignissen in Chemnitz wollten viele aber Haltung gegen Fremdenhass zeigen. Viele hatten Plakate und Transparente dabei: "Bunt statt braun", "Wir sind mehr" oder "Coole Kids haben kein Vaterland" stand drauf.

Verfassungsschutz: Rechtsextremisten hinter Kundgebung

Bei den Organisatoren der "Merkel muss weg"-Kundgebung handelt es sich laut Verfassungsschutz um Rechtsextremisten. Im Verlauf der Kundgebung sprachen auch ein AfD-Politiker aus Mecklenburg-Vorpommern und ein Pegida-Vertreter. Zu hören war von den Reden allerdings kaum etwas, denn die Gegendemonstranten standen nur wenige Meter entfernt und übertönten die Redner mit lauten Sprechchören: "Haut ab", "Nazis raus" oder "Ganz Hamburg hasst die AfD."

Gegen 20 Uhr endete die Kundgebung, die Gegendemonstration wurde aufgelöst, die Absperrungen am Gänsemarkt abgebaut und die Anti-Merkel-Demonstranten wurden zur U-Bahn eskortiert, um Zusammenstöße mit den Gegendemonstranten zu verhindern. Insgesamt waren rund 1.000 Polizeibeamte aus Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Berlin und Rheinland Pfalz sowie Bundespolizisten im Einsatz.

Tausende demonstrieren gegen Anti-Merkel-Kundgebung

Verfassungsschutz: Demo von Rechtsextremisten organisiert

Der Hamburger Verfassungsschutz betonte vorher, dass die Organisatoren der Demo aus dem rechtsextremen Lager kommen und enge Kontakte zur AfD unterhalten. "Die maßgeblichen Anmelder und Organisatoren sind Rechtsextremisten", sagte der Sprecher des Landesamtes für Verfassungsschutz, Marco Haase. "Der Verfassungsschutz nimmt in diesem Kontext überdies aufmerksam zur Kenntnis, dass die Veranstalter der Hamburger Versammlungen Verbindungen und Kontakte zur AfD in Hamburg und in anderen Landesverbänden unterhalten."

AfD weist Vorwürfe zurück

Die Hamburger AfD wies die Vorwürfe zurück: Es handele sich um eine politische Instrumentalisierung des Verfassungsschutzes, sagten die Landes- und Fraktionsvorsitzenden Dirk Nockemann und Alexander Wolf am Mittwoch. Durch eine "Herrschaft des Verdachts" sollten die Bürger verunsichert und eingeschüchtert werden. Die Hamburger AfD habe "nie und wird nie irgendwelche Strukturen oder Personen dulden, die in aggressiver Weise staatsfeindlich wirken", sagte Nockemann.

Die Hamburgische Bürgerschaft beschäftigte sich am Mittwoch ebenfalls mit der Demonstration. In der Aktuellen Stunde verurteilten fast alle Fraktionen den Missbrauch des Todesfalls in Chemnitz, wo ein Mann mutmaßlich von zwei Einwanderern erstochen worden war, durch Populisten und Rechtsextreme.

Demos bis Dezember angemeldet

Zwischen Februar und April hatte es bereits zehn "Merkel muss weg"-Kundgebungen in Hamburg gegeben - mit geringer Teilnehmerzahl und immer deutlich stärkerem Gegenprotest. Nun wollen die Organisatoren wieder regelmäßig dazu aufrufen. Angemeldet sind diese monatlichen Kundgebungen bis Dezember. Die nächste "Merkel muss weg"-Demo ist für den 3. Oktober am Dammtor angemeldet.

Weitere Informationen

Bürgerschaft debattiert über Mittwochsdemos

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Mittwoch statt Montag, aber nach Angaben des Verfassungsschutzes noch extremer: Für den 5. September ist wieder eine sogenannte Anti-Merkel-Demo in Hamburg angemeldet. (29.08.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 06.09.2018 | 06:00 Uhr

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