Stand: 06.04.2020 08:17 Uhr  - NDR 90,3

Sozialer Druck steigt während der Corona-Krise

Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) ist in Sorge um einen Anstieg an häuslicher Gewalt. Das sagte sie im Studiogespräch beim NDR Hamburg Journal. Aufgrund der Ausgangsbeschränkungen steigt der Druck in den Familien. Doch die Sozialsenatorin versicherte, dass Beratungsstellen und Jugendamt trotz der Corona-Pandemie unvermindert weiterarbeiten.

Rund um die Uhr telefonisch erreichbar

In Zeiten der Isolation steigt das Risiko häuslicher Gewalt. Wenn Kinder nicht regelmäßig in die Kindertagesstätte oder Schule gehen, können solche Fälle länger unentdeckt bleiben. "Wir haben schon Sorge, das muss man sagen", sagte Leonhard, aber betonte zugleich: "Unsere Beratungsstellen arbeiten unvermindert weiter. Wir sind telefonisch rund um die Uhr erreichbar, auch das Jugendamt."

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie erschweren zwar die Arbeit von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern. Wenn jedoch ein Verdacht bestehe, dass das Kindeswohl in Gefahr sein könnte, machen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterhin Hausbesuche oder halten engen Kontakt per Telefon zu den Familien. "Der Kinderschutz und auch der Opferschutz ist nicht ausgesetzt in Hamburg", sagte Leonhard. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien "sehr sensibel", versicherte die Sozialsenatorin und "tun das ihnen Mögliche in dieser Zeit".

Genug Plätze für Hilfe suchende Frauen

Neben Kindern werden wohl auch Frauen vor allem die Leidtragenden während der Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen sein. Die Hamburger Sozialbehörde hat bereits zusätzliche Immobilien bereit gestellt für Frauen - allerdings aus einem anderen Grund: So soll gewährleistet bleiben, auch Frauen aufnehmen und Schutz bieten zu können, die aufgrund einer Infektion mit dem Coronavirus isoliert werden müssen oder eben zu einer Risiko-Gruppe zählen und deshalb eine Unterkunft für sich brauchen. "In Hamburg haben wir weiterhin für jede Frau, die Hilfe braucht, einen Platz und Unterstützung", sagte Leonhard im Interview.

Mehr Anlaufstellen für obdachlose Menschen

Für obdachlose Menschen gibt es inzwischen weitere Anlaufstellen und zusätzliche Einrichtungen wurden in Betrieb genommen. Mitte März hatten einige Einrichtungen wegen Corona-Maßnahmen zwischenzeitlich schließen müssen. Außerdem wurde das Winternotprogramm bis Ende Mai verlängert. "Diese Menschen brauchen ihre regelmäßigen Ansprechpartner und zwar so, wie sie sie kennen", so die Sozialsenatorin. Auch infizierte Obdachlose zu isolieren, ist inzwischen möglich - auch in Einzelzimmern.

Mietzuschüsse für Menschen in Kurzarbeit

Zum Abschluss des Gesprächs ging es um das soziale Schutzpaket, das Hamburg neben den Hilfen des Bundes auf den Weg gebracht hat. Menschen, die sich wegen Kurzarbeit in finanziellen Schwierigkeiten befänden oder gar ganz ihren Job verloren hätten, wolle die Behörde helfen, beispielsweise mit Mietzuschüssen. Dazu hatte die Sozialsenatorin auch am vergangenen Freitag Fragen der Hamburgerinnen und Hamburger in einer Fragestunde bei NDR 90,3 beantwortet. "Uns geht es darum, dass niemand in diesen sehr schwierigen Zeiten noch mehr als nötig Not leiden muss", so Leonhard.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 05.04.2020 | 19:30 Uhr

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