Ein Schiffswrack liegt an einem pakistanischen Strand. © picture alliance / ZUMAPRESS.com Foto: PPI

Schiffe illegal entsorgt? Durchsuchungen in Hamburg

Stand: 26.08.2021 07:58 Uhr

Razzia bei mehreren Reedern und Schiffseignern in Hamburg und dem Umland: Es geht um den Vorwurf, Schiffe illegal entsorgt zu haben.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Hamburg wird gegen mehr als ein Dutzend Unternehmen wegen des Verdachts des illegalen Abwrackens dreier alter Schiffe ermittelt. Es geht um die "MS Florida I", die "MS Alexandra Rickmers" und die "MS E. R. Hamburg". Die Polizei durchsuchte am Mittwoch insgesamt sieben Objekte. Sie stellte "schriftliche Unterlagen und elektronische Daten sicher, die derzeit ausgewertet werden".

Schiffe nach Pakistan geschafft?

Konkret geht es um den Vorwurf, die Unternehmer hätten die Schiffe nicht ordnungsgemäß abwracken lassen, sondern verkauft - im Wissen darum, dass die Käufer die Schiffe nach Pakistan schaffen, "wo sie auf einen ungesicherten Strand gefahren und dort unter umweltgefährdenden Umständen abgewrackt wurden", so die Staatsanwaltschaft. Die Schiffe sollen am Strand zerlegt worden sein, hierbei sei insbesondere der Schrottwert für die Käufer wirtschaftlich von Bedeutung. In der Schifffahrtsbranche wird dieses Vorgehen nach dem englischen Wort für Strand "Beaching" genannt.

Firmengruppe von Rickmers unter Beschuldigten

Unter den Beschuldigten ist auch die Firmengruppe des Hamburger Reeders Erck Rickmers. Rickmers begrüßt es nach eigenen Angaben, wenn Verstöße gegen Umweltvorschriften aufgeklärt werden. Man sei sich allerdings keines Verstoßes bewusst und wolle mit den Ermittlern zusammenarbeiten.

So funktioniert das "Beaching"

Mehr als 400 Hochseeschiffe sollen allein 2020 an Stränden in Südasien abgewrackt worden sein. Über Zwischenhändler kaufen Abwrackunternehmer alte Schiffe auf und setzen sie mit voller Fahrt auf den Strand. Wanderarbeiter zerlegen dann Frachter, Tanker und auch Kreuzfahrtschiffe an Ort und Stelle - ein gutes Geschäft für Reeder, die so nicht für die umweltgerechte Entsorgung zahlen müssen. Insgesamt geht es pro Jahr um Schiffe im Wert von rund einer Milliarde Euro.

Die internationale Nichtregierungsorganisation "Shipbreaking Platform" prangert seit Jahren Umweltschäden, Menschenrechtsverletzungen, Kinderarbeit, Krankheits- und Todesfälle sowie Unfälle im Zusammenhang mit der Abwrackung von Altschiffen via "Beaching" an.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 26.08.2021 | 07:00 Uhr

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