Oligarchen-Jacht "Dilbar" in Bremen angekommen

Stand: 22.09.2022 14:46 Uhr

Die Oligarchen-Jacht "Dilbar" hat in der Nacht zu Mittwoch den Hamburger Hafen verlassen und ist am Donnerstag in Bremen angekommen. Das Schiff lag lange Zeit im Dock bei Blohm + Voss fest und gilt seit Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine als eingefroren - darf also eigentlich nicht wegfahren.

Nun aber ist sie doch weg, denn die Werft Blohm + Voss braucht das Dock Elbe 17 für andere Aufträge. Darum soll der Mutterkonzern Lürssen aus Bremen hinter den Kulissen und unter großer Geheimhaltung lange mit den Behörden verhandelt haben. Mit dem Ergebnis, dass zwei Schlepper in der Nacht zu Mittwoch an der "Dilbar" festgemacht und das Schiff aus dem Dock gezogen haben.

Als "totes Schiff" nach Bremen

Denn die Mega-Jacht darf nur als "totes Schiff" unterwegs sein, also ohne eigenen Antrieb und ohne, dass eine Besatzung das Schiff steuert. Zur Sicherheit war noch ein dritter Schlepper mit unterwegs, auf dem Zollbeamte und -beamtinnen an Bord dies überwachen. Ziel war die Lürssen Werft in Bremen, wo die "Dilbar" in der Nacht zu Donnerstag an der Pier festgemacht wurde. Wie es dann mit der Jacht weitergeht, ist unklar.

"Dilbar" soll rund eine halbe Milliarde wert sein

Die "Dilbar" gilt mit 156 Metern Länge als eine der größten Mega-Jachten der Welt und gehört laut Bundeskriminalamt der Schwester des russischen Oligarchen Alischer Usmanow. Auch deren Vermögenswerte hatte die EU nach Kriegsbeginn einfrieren lassen. Laut Bundeskriminalamt ist die Jacht rund eine halbe Milliarde Euro wert.

Razzia in Villen von Usmanow

Am Mittwoch haben Ermittlerinnen und Ermittler außerdem bundesweit Anwesen von Usmanow durchsucht. Bei den Razzien geht es um den Verdacht der Geldwäsche, um Steuerhinterziehung - und um den Vorwurf, dass gegen die EU-Sanktionen verstoßen wurde. Nach Angaben der Ermittler soll Usmanow möglicherweise illegale Geschäfte über Offshore-Firmen abgewickelt haben. Außerdem soll er sich oft in einer seiner Villen am Tegernsee in Bayern aufgehalten, aber keine Steuern in Deutschland entrichtet haben. Und es steht der Verdacht im Raum, dass die Sicherheitsfirma, die seine Villen im Land bewacht hat, trotz der Sanktionen Geld erhalten hat. Auch in Hamburg gab es angeblich Durchsuchungen, wo genau ist unklar.

Dietrich Lehmann im Studio von NDR 90,3 © NDR Foto: Marco Peter
AUDIO: Oligarch Usmanow: Jacht verlegt, Anwesen durchsucht (2 Min)

Jacht blockierte das Dock

Monatelang lag die "Dilbar" unter Planen verhüllt im Dock Elbe 17 bei Blohm + Voss. In den vergangenen Wochen sind nun die Gerüste abgebaut worden. Die Jacht, an der ohnehin nicht gearbeitet wird, blockiere das Dock, heißt es bei der Belegschaft von Blohm + Voss.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 21.09.2022 | 13:00 Uhr

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