Stand: 04.01.2020 07:00 Uhr  - NDR Info

Klimabilanz: Noch viel zu tun für Hamburg

Was ist in der vergangenen Legislaturperiode in Hamburg gut gelaufen, was weniger gut? Vor der Bürgerschaftswahl am 23. Februar nehmen wir in einer lockeren Serie unterschiedliche Politikfelder unter die Lupe.

Von Marie Löwenstein, NDR Info

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Durch den Klimaplan des Hamburger Senats sollen die CO2-Emissionen in der Hansestadt weiter sinken.

Der Hamburger Senat hat Anfang Dezember einen neuen Klimaplan vorgelegt. Ehrgeizige Ziele hatte man sich schon zu Beginn der Legislaturperiode gesetzt: Vier Jahre zuvor, knapp ein Jahr nach der letzten Bürgerschaftswahl, hatte der Hamburger Senat seinen ersten Klimaplan vorgelegt. Hamburg sollte zur "Climate Smart City" werden. Das Ziel: Bis 2020 sollten rund zwei Millionen Tonnen CO2-Emissionen eingespart werden - im Vergleich zu 2012. Inwiefern das gelungen ist, lässt sich heute noch nicht sagen. Denn die aktuellsten Zahlen des Statistikamts dazu stammen von 2017. Für den Zeitraum bis 2017 zieht Bürgermeister Peter Tschentscher von der SPD aber eine positive Bilanz. Seit 2012 seien die CO2-Emissionen im Schnitt um über 400.000 Tonnen gesunken. "Es gab Wachstum der Stadt und trotzdem den Erfolg, jedes Jahr die CO2-Emissionen zu senken. Ich könnte formulieren, man kann sehen, ab wann es richtig losgegangen ist, nämlich als ein SPD-Senat ins Geschehen eingetreten ist."

Grüne: Hamburg hinkt im Bundesvergleich hinterher

Das sieht der Koalitionspartner von den Grünen anders. Die meisten Einsparungen seien nicht auf die Hamburger Politik zurückzuführen, merkt Umweltsenator Jens Kerstan an, sondern auf die Förderung der erneuerbaren Energien durch die Bundesregierung: "Hamburg hat eine sehr stromintensive Industrie. Und wenn dann die erneuerbaren Energien den Strom, den sie beziehen, von fünf Prozent auf jetzt 40 Prozent steigern, dann wird natürlich Hamburg automatisch klimafreundlicher. Das war leider nicht nur die Anstrengung Hamburgs." Hamburg hinke im Bundesvergleich eher noch hinterher, so Kerstan: "Die Bundesregierung hat es bundesweit erreicht, dass Deutschland verglichen mit 1990 bei ungefähr 36 Prozent Einsparungen liegt. Wir haben 20 Prozent geschafft."

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BUND: Zu viele Gebäude schlecht wärmegedämmt

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Durch eine gute Wärmedämmung von Gebäuden lässt sich Energie sparen.

Besonders bei der energetischen Sanierung von Gebäuden sei deutlich weniger passiert als vor fünf Jahren versprochen, kritisiert Manfred Braasch von der Umweltorganisation BUND. In Hamburg gebe es bis zu 700.000 Gebäude, die eine schlechte Wärmedämmung hätten, wo noch viel Energie aus dem Schornstein oder aus den Fenstern raus gehe. "Es war dort die Ansage: 'Wir werden unsere Förderprogramme optimieren und die energetische Sanierungsrate nach oben schrauben.' Das alles ist so nicht passiert."

Vielmehr habe sich der Senat auf den Bau von Gebäuden verlegt und bei denen nicht die besten verfügbaren Dämmtechniken eingesetzt. Für die dringend erforderliche energetische Sanierung der Altbauten würden zudem die Handwerker knapp. Dies sei ein Streitpunkt zwischen den Koalitionspartnern, gibt auch Umweltsenator Kerstan von den Grünen zu: "Das war ein mühsamer Prozess. Uns ist es in den vergangenen fünf Jahren nicht gelungen, bei den eigenen Gebäuden, die die Stadt baut oder betreibt, uns darauf zu einigen, dass wir höhere Standards bauen als die Bundesregierung vorschreibt."     

CO2-Emissionen im Verkehr gestiegen

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Der CO2-Ausstoß durchs Autofahren trübt die Klimabilanz.

Ein weiteres Manko beim Klimaschutz, sei der Verkehr, heißt es weiter vom BUND. Hier seien die CO2-Emissionen nicht zurückgegangen, sondern gestiegen - und das, obwohl das Netz ausgebaut worden sei: "Wenn sie die Alternative haben, in einem völlig überfüllten S-Bahn-Zug oder in ihrem Auto zur Arbeit zu fahren, entscheiden sich viele eben für das Auto. Wenn wir im Verkehrsbereich mit dem Klimaschutz wirklich nach vorne wollen, brauchen wir eine Angebots- und Qualitätsoffensive im öffentlichen Nahverkehr." Die sei nicht ausreichend umgesetzt worden. Der nächste Senat müsse diese Hausaufgaben deutlich besser machen als der letzte Senat.

Die Grünen wollten mehr im Klimaplan durchsetzen

Die Hausaufgabe besser machen - das habe man auch im neu vorgestellten Klimaplan gewollt, sagte Umweltsenator Kerstan schon bei dessen Vorstellung Anfang Dezember. Seine Partei hätte mehr durchgesetzt, wenn nur die "Kräfteverhältnisse" in der Koalition anders wären. Möglich, dass sich die bald umdrehen könnten. Denn nach aktuellen Umfragen liegen Grüne und SPD Kopf an Kopf.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 04.01.2020 | 09:08 Uhr

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