Jüdische Gemeinde in Hamburg bekommt Tora-Krone wieder

Stand: 09.11.2020 13:26 Uhr

82 Jahre nach der Reichspogromnacht hat die Jüdische Gemeinde in Hamburg die original Silberkrone ihrer Tora wiedererhalten.

Die Krone galt lange als verschollen. Ein Hamburger Antiquitätenhändler habe sie ihm angeboten, sagte Daniel Sheffer. Er ist Geschäftsmann und hat dafür gesorgt, dass die Silberkrone nun wieder an die Jüdische Gemeinde übergeben wurde. Kauf und Restauration hätten rund 8.000 Euro gekostet.

Eine Krone wird auf eine zusammengerollte Tora gesetzt, die heilige Schrift des Judentums. Diese Krone galt als verschollen, nachdem die Synagoge am ehemaligen Bornplatz, dem heutigen Joseph-Carlebach-Platz, 1938 von einem nationalsozialistischen Mob zerstört wurde.

"Die Krone gehört wieder an ihren rechtmäßigen Ort", so Sheffer. Der Händler habe sie von einem Hamburger Juwelier erhalten. Warum sie niemand früher zurückgegeben habe, sei ungeklärt. Dass die Krone wirklich aus der Bornplatzsynagoge stammt, lasse sich an der eingravierten Widmung für Markus Hirsch erkennen. Hirsch war der erste Rabbiner der Bornplatzsynagoge, er starb 1909.

Kampagne für Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge

Sheffer ist auch Initiator der Kampagne "Nein zu Antisemitismus.Ja zur Bornplatzsynagoge". Die "Initiative Wiederaufbau Bornplatzsynagoge" will 100.000 Hamburgerinnen und Hamburger mobilisieren, die sich für den Wiederaufbau einsetzen. Die 100.000 Online-Unterschriften sollen bis zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar zusammenkommen.

Seit gut einem Jahr wird in Hamburg über den Wiederaufbau der Synagoge diskutiert. Eine Machbarkeitsstudie ist in Vorbereitung. Die Bürgerschaft hatte sich im Februar einstimmig hinter das Projekt gestellt. Die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) begrüßte am Montag die Unterschriftensammlung. Bis zum Wiederaufbau kommt die Silberkrone auf die Tora in der Synagoge Hohe Weide.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 09.11.2020 | 13:00 Uhr

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