Ecstasy.

Hamburg jetzt offen für "Drug-Checking"

Stand: 20.11.2020 07:44 Uhr

In der Hamburger Drogenpolitik gibt es einen vorsichtigen Kurswechsel. Nach Informationen von NDR 90,3 zeigt sich der Senat zum ersten Mal offen für das "Drug-Checking".

Partygänger können damit Drogen auf ihre Zusammensetzung überprüfen lassen - wenn sie sich gleichzeitig über Risiken beraten lassen. Der Vorstoß kommt aus dem schwarz-grün regierten Hessen: Die Landesregierung in Wiesbaden will einen Antrag zum Thema "Drug-Checking" in den Bundesrat einbringen. Und Hamburg würde diesen Antrag unterstützen, teilte die Sozial- und Gesundheitsbehörde auf Nachfrage von NDR 90,3 mit.

Jörn Straehler-Pohl über die Entwicklung der Corona-Pandemie in den Bezirken der Stadt Hamburg. © NDR

AUDIO: Kurswechsel in Hamburger Drogenpolitik (1 Min)

Beratung gehört zum Konzept

Dabei geht es nicht um die Legalisierung von Ecstasy und anderen sogenannten Partydrogen, sondern um eine Art von Schadensbegrenzung: Wer diese Drogen nimmt, soll wenigstens die Möglichkeit bekommen, sie vorher chemisch analysieren zu lassen. Dadurch kann zum Beispiel eine Überdosierung vermieden werden, weil der Wirkstoffgehalt in den Pillen schwankt. Zum Konzept gehört auch die Beratung der Drogenkonsumenten und -konsumentinnen vor Ort - beispielsweise in einem Club.

Theo Baumgärtner im Studio von NDR aktuell
"Manche Leute sind anders nicht erreichbar", meint der Hamburger Suchtexperte Theo Baumgärtner (Archivfoto).

Der Hamburger Suchtexperte Theo Baumgärtner sagt: Manche Leute seien anders nicht erreichbar. Die frühere Hamburger Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) hatte sich immer gegen das "Drug-Checking" ausgesprochen. Kritiker befürchten, dass es die Akzeptanz von illegalen Drogen vergrößert und ihre Gefahren verharmlost.

"Gesundheitliche Schäden vermeiden"

"Jeder Drogenkonsum ist mit Risiken verbunden", heißt es vom hessischen Justizministerium. "Wenn aber Menschen längst in die Drogensucht geraten sind, das geht auch bei Partydrogen, müssen die Risiken des Konsums minimiert werden, um weitere gesundheitliche Schäden zu vermeiden." In Hessen geht man davon aus, dass man durch die Tests auch besser an aktuelle Informationen zu in Umlauf befindlichen Partydrogen kommt - um dann auch besser darüber zu informieren.

In Deutschland ist "Drug-Checking" verboten, weil jeder Verkehr mit Betäubungsmitteln unter einem sogenannten Erlaubnisvorbehalt steht - und auch eine chemische Analyse der Partydrogen somit erlaubnispflichtig ist. Das will Hessen nun ändern.

In Nachbarländern erlaubt

In Berlin ist ein Pilotprojekt geplant, in Nachbarländern wie Österreich, der Schweiz oder den Niederlanden gibt es bereits Möglichkeiten zum "Drug-Checking". In Österreich etwa können Kunsumenten und Konsumentinnen Drogen, die sie auf dem Schwarzmarkt gekauft haben, in einem Labor untersuchen lassen. Staatlich geförderte Informations- und Beratungsstellen führen solche Drogen-Checks auch vor Ort in Clubs, auf Partys oder bei Festivals durch. Die Analyse dauert den Angaben nach ungefähr eine Stunde. Kritiker bezeichnen das Vorgehen allerdings als "Konjunkturporgramm für Dealer".

Weitere Informationen
Ein Joint liegt auf einem Cannabisblatt.  Foto: CHROMORANGE / Christian Ohde

Unterschätzte Gefahr: Legale und illegale Drogen

Etwa 1.300 Menschen sterben pro Jahr an den Folgen illegalen Drogenkonsums. Die Zahl der Menschen, die aufgrund von Alkoholismus und Tabaksucht sterben, ist um ein Vielfaches höher. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 20.11.2020 | 08:00 Uhr

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