Stand: 22.01.2020 13:34 Uhr  - NDR 90,3

Hamburg: Millionen für Abbiegeassistenten

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Alle rund 2.000 städtischen Lkw Hamburgs sollen zum Schutz von Radfahrern mit Abbiegeassistenten ausgestattet werden.

Die rund 2.000 städtischen Lkw in Hamburg sollen sicherer werden und erhalten deswegen Abbiegeassistenten, die Unfälle mit Fahrrädern verhindern sollen. Verkehrssenator Michael Westhagemann (parteilos) und Innensenator Andy Grote (SPD) haben dazu am Mittwoch offiziell die Ergebnisse eines vorangegangenen Testbetriebs vorgestellt.

Rahmenverträge mit sechs Anbietern

18 Lastwagen städtischer und privater Unternehmen hatten daran teilgenommen. Dabei seien in verschiedenen Fahrzeugtypen unterschiedliche Warnsignale getestet worden - etwa lautes Piepsen, ein optisches Signal auf dem Armaturenbrett oder das Wackeln des Fahrersitzes. Es kamen auch verschiedene Techniken wie Ultraschall, Radar und Videoaufzeichnung zum Einsatz. Ergebnis: Die Stadt schloss nun Rahmenverträge mit sechs Anbietern der neuen Systeme. Städtische Unternehmen könnten sich bei deren Produkten jetzt "wie vom Silbertablett bedienen", sagte Grote.

Die städtischen Lkw sollen demnach bis Jahresende umgerüstet sein. Kosten: Fünf bis sechs Millionen Euro. Auch private Unternehmen kündigten an, sich der Initiative anzuschließen und ihre Lkw nachzurüsten. Bis Ende des Jahres könnten laut Verkehrssenator insgesamt 8.000 Lkw in Hamburg mit Abbiegeassistenten ausgerüstet sein. "Dass es uns gelungen ist, jetzt auch schon private Unternehmen in unsere Initiative einzubinden, ist bundesweit einzigartig. Ich bin sicher, dass viele Unternehmen folgen werden", ergänzte Innensenator Grote.

Hamburg will Vorreiter sein

In einem ersten Schritt sollen nun zunächst Lkw mit mehr als 7,5 Tonnen nachgerüstet werden. Bei der Stadtreinigung seien bereits Abbiegeassistenten eingebaut worden, noch im Januar soll es mit den Fahrzeugen von Polizei und Feuerwehr weitergehen. Bei Neuanschaffungen sollen künftig verpflichtend nur noch Lkw mit Abbiegeassistent in Hamburg bestellt werden. Vonseiten der EU ist eine Pflicht für Abbiegeassistenten erst für 2024 geplant - und auch dann nur für Neufahrzeuge.

Tödlicher Unfall in Wandsbek

An der Pressekonferenz am Mittwoch nahm auch der Geschäftsführer der Entsorgungsfirma Otto Dörner, Tilmann Quensell, teil. Einer seiner Fahrer hatte Mitte Januar in Wandsbek einen 74 Jahre alten Radfahrer beim Abbiegen tödlich verletzt. "Das bedauern wir sehr, das hat uns sehr getroffen", sagte Quensell.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 22.01.2020 | 12:00 Uhr

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