Stand: 06.03.2019 15:29 Uhr

"Glory Amsterdam": Bericht legt Versäumnisse offen

Die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) in Hamburg hat am Dienstag ihren Bericht zur Havarie des Frachters "Glory Amsterdam" am 29. Oktober 2017 vorgelegt. Er war wegen Sturms vor Langeoog auf Grund gelaufen. Auch wenn das Ziel der Untersuchungen durch die BSU die Verhütung künftiger Unfälle und nicht die Feststellung des Verschuldens, der Haftung oder von Ansprüchen war, prangern die Ermittler darin schwere Versäumnisse an.

Schwere Versäumnisse

Die Liste der Fehler der Schiffsbesatzung, aber auch der Behörden in dem 192 Seiten langen Papier ist lang. Der mehr als 220 Meter lange Frachter hatte damals in der deutschen Bucht vor Anker auf Ladung gewartet. Als der Sturm zum Orkan heranwuchs, hielt der Anker nicht. Die Maschine war zu schwach, um das Schiff auf Position zu halten, so die BSU-Ermittler.

Der Notschlepper "Nordic", der Gefahren abwenden sollte, war zwar schnell vor Ort. Aber: Ein Hubschrauber der Bundespolizei schaffte es zunächst nicht, Spezialisten vom Schlepper aufzunehmen und sie an Bord des treibenden Frachters abzusetzen. Die Crew des Frachters wiederum verstand Anweisungen der Helfer nicht - wohl auch wegen schlechter Englisch-Kenntnisse. Und eine Schleppverbindung machte die chinesische Besatzung so unglücklich an Bord fest, dass schon nach wenigen Minuten der gesamte Poller aus dem Deck gerissen wurde.

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"Glory Amsterdam": Kritik an Kapitän und Besatzung

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Die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung hat ihren Abschlussbericht zur Havarie des Frachters "Glory Amsterdam" vorgelegt. Die Ermittler prangern darin schwere Versäumnisse an. Video (03:03 min)

Kritik auch am Havariekommando

Die Unfallermittler bemängeln außerdem die schlechte Ausstattung des nationalen Havariekommandos in Cuxhaven. Zum Unfallzeitpunkt konnte man dort weder Seefunk mithören, noch zeitnah auf Radarbilder und elektronische Seekarten mit Schiffspositionen zugreifen.

Gescheiterte Abschleppversuche

Die "Glory Amsterdam" war damals, nachdem sie sich vom Ankerplatz losgerissen hatte, rund zwölf Stunden über das Meer getrieben. Mehrere Abschleppversuche scheiterten. Zwei Kilometer vor Langeoog strandete das Schiff schließlich auf einer Sandbank. Der Frachter hatte nichts geladen, es befanden sich aber fast 2.000 Tonnen Treibstoff, überwiegend Schweröl, an Bord. So wuchs vor Ort die Angst vor einer Ölpest. Ein Bergungsteam pumpte Tage später etwa 16.000 Tonnen Ballastwasser aus dem Schiff ab. So konnte es aufschwimmen, ins Tiefwasser gezogen und schließlich am 2. November 2017 freigeschleppt und nach Wilhelmshaven gebracht werden.

Verfahren gegen Kapitän eingestellt

Nach dem Einsatz gab es Kritik am Umgang der Behörden mit der Havarie und Vorwürfe gegen das Havariekommando in Cuxhaven. Darüber hinaus wurde spekuliert, ob die Rettungsarbeiten möglicherweise durch die Besatzung des Frachters sabotiert wurden. Ein Verfahren gegen den Kapitän wurde eingestellt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 06.03.2019 | 13:00 Uhr

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