Das Logo der Modekette H&M hängt über dem Eingang des Kaufhauses in der Innenstadt von Hamburg. © picture alliance/dpa Foto: Axel Heimken

Verstoß gegen Datenschutz: H&M soll 35 Millionen Euro zahlen

Stand: 01.10.2020 13:15 Uhr

Wegen des Ausspähens von Mitarbeitern soll der Modekonzern Hennes & Mauritz (H&M) ein Bußgeld in Höhe von 35,3 Millionen Euro zahlen. Das teilte Hamburgs Datenschutzbeauftragter mit.

Mit der Überwachung von Hunderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Servicecenters in Nürnberg habe der Konzern gegen den Datenschutz verstoßen, begründete der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz, Johannes Caspar, am Donnerstag den Erlass. Der vorliegende Fall dokumentiere eine schwere Missachtung des Beschäftigtendatenschutzes. "Das verhängte Bußgeld ist dementsprechend in seiner Höhe angemessen und geeignet, Unternehmen von Verletzungen der Privatsphäre ihrer Beschäftigten abzuschrecken", betonte er.

Deutschland-Zentrale in Hamburg

Portrait von Johannes Caspar © © HmbBfDI / Thomas Krenz Foto:  Thomas Krenz
Hamburgs Datenschutzbeauftragter Caspar: Das verhängte Bußgeld soll abschrecken.

Der Fall liegt in der Zuständigkeit des Hamburger Datenschutzbeauftragten, weil das Unternehmen seine Deutschland-Zentrale in der Hansestadt hat. Die Vorgänge waren im vergangenen Jahr bekannt geworden. Nach Angaben der Behörde wurden mindestens seit 2014 bei einem Teil der Beschäftigten Angaben zu ihren privaten Lebensumständen umfangreich erfasst und gespeichert.

Nach Urlaubs- und Krankheitsabwesenheiten hätten Vorgesetzte einen "Welcome Back Talk" geführt und anschließend in etlichen Fällen nicht nur konkrete Urlaubserlebnisse, sondern auch Krankheitssymptome und Diagnosen dokumentiert. Einige Vorgesetzte hätten sich auch "über Einzel- und Flurgespräche ein breites Wissen über das Privatleben ihrer Mitarbeitenden angeeignet, das von eher harmlosen Details bis zu familiären Problemen sowie religiösen Bekenntnissen reichte", hieß es.

VIDEO: Warum H&M zahlen soll (1 Min)

Entschuldigung und Entschädigung

H&M entschuldigte sich in einer Stellungnahme bei den betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und kündigt eine finanzielle Entschädigung an. In der Führung des Nürnberger Servicecenters habe es außerdem "personelle Veränderungen" gegeben.

Bemühungen des Konzerns gewürdigt

Ausdrücklich positiv bewertete Caspar das Bemühen der Konzernleitung, "die Betroffenen vor Ort zu entschädigen und das Vertrauen in das Unternehmen als Arbeitgeber wiederherzustellen". Darin sei durchaus der Wille zu erkennen, "den Betroffenen den Respekt und die Wertschätzung zukommen zu lassen, die sie als abhängig Beschäftigte in ihrem täglichen Einsatz für ihr Unternehmen verdienen".

H&M hat nun 14 Tage Zeit gegen den Bußgeldbescheid Einspruch einzulegen. Käme es zu der Zahlung, würde das Geld in den Hamburger Haushalt fließen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 01.10.2020 | 13:00 Uhr

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