Stand: 04.10.2018 19:03 Uhr

City-Hof: Offener Brief der Abriss-Gegner

"Abbruch der Moderne" steht in großen weißen Buchstaben an der Fassade der City-Hochhäuser am Klosterwall in der Hamburger Innenstadt. Es ist ein Ausdruck des Protests gegen den Abriss der denkmalgeschützten Gebäude unweit des Hauptbahnhofes. Schon seit Jahren wird über die Zukunft des Ensembles gestritten. In einem offenen Brief an Hamburgs Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) fordert nun die Initiative City-Hof erneut, die Häuser in der Pufferzone zur Welterbestätte Kontorhausviertel zu erhalten und zu einem "urbanen Leuchtturmprojekt" zu entwickeln. Die Abriss-Gegner schlagen vor, die Gebäude zu sanieren und dort sozialen Wohnungsbau, soziale Einrichtungen, alternative Wohnkonzepte sowie Galerien zu schaffen.

"Neubau wäre eine abweisende Stadtmauer"

Die Verfasser des offenen Briefs werfen dem Senat vor, aus "kurzsichtigen und kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen" den Abriss voranzutreiben. "Mit dem geplanten Neubau entstünde kein schönerer Stadteingang, sondern vielmehr eine abweisende Stadtmauer", meint die Initiative City-Hof. Eine Sanierung wäre der angemessenere Umgang mit dem baukulturellen Erbe.

Kritiker fürchten Verlust des Welterebe-Titels

Der City-Hof

Der City-Hof ist einer der markantesten Nachkriegsbauten in Hamburg. Die vier Türme, auch City-Hochhäuser genannt, wurden von 1956 bis 1958 erbaut. Die Pläne stammen von dem Hamburger Architekten Rudolf Klophaus (1885-1957). Es waren die ersten Hochhäuser in der Innenstadt nach 1945. Der Stadt gehört das Grundstück seit 2006, seit 2013 steht der City-Hof unter Denkmalschutz. Der Gebäudekomplex liegt in der sogenannten Pufferzone, ist aber kein Teil des Welterbes der angrenzenden Speicherstadt und des Kontorviertels. Im Frühjahr 2019 begannen erste Abbrucharbeiten. Ein Investor will auf dem Gelände Wohnungen, Büros, eine Kita und Läden in einem Gebäude mit rötlicher Backstein-Fassade bauen.

Die Stadt Hamburg will den Gebäude-Komplex an einen privaten Investor verkaufen. Die Hochhäuser aus den 1950er-Jahren sollen abgerissen und durch einen Neubau mit rötlicher Backstein-Fassade ersetzt werden. Der Senat argumentiert, dass es übergeordnete städtebauliche Interessen gebe, die einen Abriss rechtfertigen. Dagegen gibt es seit Längerem Protest. Zurzeit prüft das UNESCO-Beratergremium ICOMOS, ob ein Neubau den besonderen Welterbe-Schutzstatus des Kontorhausviertels beeinträchtigen würde.

Kritiker befürchten konkret, der Neubau könnte Sichtachsen versperren und somit den "universellen Wert" infrage stellen. Denn rund um Weltkulturerbe-Stätten gilt eine Pufferzone. Wird dort massiv neu gebaut, kann die UNESCO den Titel aberkennen. Das ist 2009 geschehen, als das Dresdner Elbtal seinen Titel wegen eines Brückenbaus verlor.

Abriss längst geplant

Eigentlich sollte der Abbruch bereits in diesem Sommer beginnen. Aber nun will die Stadt zunächst die Einschätzung der UNESCO abwarten. Mit einem Ergebnis dieser Prüfung wird laut Kulturbehörde in den nächsten Monaten gerechnet.

Der City-Hof: Früher und heute

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 04.10.2018 | 13:00 Uhr

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