Stand: 28.11.2018 09:20 Uhr

Senat: City-Hof-Abriss gefährdet Welterbe-Titel nicht

Der umstrittene Abriss des denkmalgeschützten City-Hofs am Hamburger Hauptbahnhof rückt ein Stück näher. Ein möglicher Stolperstein ist nun offenbar aus dem Weg geräumt: Der Abbruch der vier grauen Hochhäuser gefährdet aus Sicht des Welterbezentrums der UNESCO nicht den Welterbe-Status des benachbarten Kontorhausviertels. So stellt es zumindest die Stadt Hamburg dar. Nach Angaben des Senats informierte das Auswärtige Amt die Hansestadt darüber am Dienstag. Damit könnten die Neubau-Pläne auf dem Grundstück am Klosterwall weiterverfolgt werden. Die Stadt hatte die Abriss-Pläne vorübergehend auf Eis gelegt, um eine Stellungnahme der UNESCO abzuwarten.

Erleichterung im Hamburger Senat

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Abriss-Gegner sagen: Der geplante Neubau des "Klosterwall-Quartiers" verstelle die Sicht auf das Kontorhausviertel nahezu vollständig.

Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) freute sich über das offenkundige Ende der Hängepartie. "Es ist gut, dass wir nun die Gewissheit haben, dass auch das Welterbezentrum der UNESCO durch die Planungen am Klosterwall keine negativen Auswirkungen auf das Welterbe sieht." Auch Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) zeigte sich zufrieden: "Mit der Entscheidung des Welterbezentrums können wir nun zügig die Entwicklung an dieser sensiblen Stelle der Innenstadt fortsetzen."

Neubau mit Hotel, Büros und Wohnungen

Zwei Expertinnen des UNESCO-Beratergremiums ICOMOS hatten sich Ende August in Hamburg über den geplanten Abriss der City-Hochhäuser und die Neubau-Pläne informiert. Sie wollten sich ein Bild davon machen, ob sich das Vorhaben mit dem Welterbe-Stätten im Kontorhausviertel verträgt. Die Hochhäuser aus den 1950er-Jahren sollen durch einen Neubau mit rötlicher Backstein-Fassade ersetzt werden. Vorgesehen sind ein Hotel, Büros, Geschäfte, eine Kita und Wohnungen. Noch liegt der abschließende Bericht von ICOMOS nicht vor, sondern lediglich ein Entwurf. Aber am 6. November fand in Paris ein Gespräch zwischen dem UNESCO-Welterbezentrum und dem Auswärtigen Amt statt - im Beisein des Hamburger Welterbe-Koordinators Bernd Paulowitz.

ICOMOS kritisiert den Hamburger Senat

In einem ungewöhnlichen Schritt widerspricht allerdings ICOMOS der Darstellung der Stadt Hamburg. In einem Statement heißt es, die Mitteilung des Senats enthalte "bedauerliche Fehler". Das Welterbezentrum der UNESCO habe keineswegs festgestellt, dass die Pläne am Klosterwall keine negative Auswirkungen hätten. Vielmehr habe es nur die Empfehlung gegeben, das Thema auf nationaler Ebene zu lösen. Auf internationaler Ebene sind die City-Hof-Pläne vorerst nicht auf der Agenda. Welche Fälle dem Welterbekomitee bei seiner nächsten Sitzung im Sommer 2019 vorgelegt werden, entscheidet sich nach Angaben der UNESCO erst im kommenden Februar.

Der City-Hof: Früher und heute

Denkmalverein spricht von "unlauteren Mitteln"

Auch der private Hamburger Denkmalverein kritisiert das Vorgehen der Stadt. "Der Senat versucht gerade, mit unlauteren Mitteln den City-Hof-Abriss voranzutreiben, und beruft sich auf fachliche Einschätzungen, die nicht stattgefunden haben", sagte die Vorsitzende Kristina Sassenscheidt am Mittwoch. Bislang gebe es weder von ICOMOS noch von der UNESCO eine Aussage dazu, ob die Neubau-Pläne mit dem Welterbe-Status vereinbar wären. "Der Neubau-Entwurf beeinträchtigt jedoch nach Experten-Einschätzungen die Wirkung des Welterbes massiv", meint Sassenscheidt.

CDU: "Skandal nimmt kein Ende"

"Der Senat hat sich gründlich blamiert", findet die Hamburger CDU. "Indem der Senat ICOMOS falsch zitierte, versuchte er, Fakten zu schaffen und den Abriss der City-Höfe vorab in Stein zu meißeln", sagte Dietrich Wersich, kulturpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Ein solches Vorgehen sei verantwortungslos und ein Schlag ins Gesicht des Denkmalschutzes. "Der Senatsskandal um die City-Höfe nimmt kein Ende", so Wersich.

"Ein Kulturdenkmal ginge verloren"

Gegen den möglichen City-Hof-Abriss gibt es seit Jahren Protest. Die Kritiker befürchten, der riesige Neubau könnte Sichtachsen versperren und somit den "universellen Wert" des Weltkulturerbes Kontorhausviertel und Speicherstadt beeinträchtigen. Zudem ginge mit dem Abriss der City-Hochhäuser ein Kulturdenkmal unwiederbringlich verloren. "Der Senat und der Investor Aug. Prien wären gut beraten, endlich Abstand von den Plänen zu nehmen", sagte Marco Alexander Hosemann, Vorsitzender des City-Hof-Vereins, am Dienstag im Gespräch mit NDR.de. Der Verein setzt sich für eine Sanierung des Gebäude-Ensembles ein.

Abriss sollte schon im Sommer beginnen

Der City-Hof

Der City-Hof ist einer der markantesten Nachkriegsbauten in Hamburg. Die vier Türme, auch City-Hochhäuser genannt, wurden von 1956 bis 1958 erbaut. Die Pläne stammen von dem Hamburger Architekten Rudolf Klophaus (1885-1957). Der City-Hof galt bei seiner Fertigstellung als moderner Bau: Es waren die ersten Hochhäuser in der Innenstadt nach 1945. Sie stehen seit 2013 unter Denkmalschutz. Der Stadt gehört das Grundstück seit 2006.

Der Senat will die denkmalgeschützten City-Hochhäuser abreißen lassen. Er argumentiert, dass es übergeordnete städtebauliche Interessen gebe, die einen Abriss rechtfertigen. Eigentlich sollte der Abbruch bereits in diesem Sommer beginnen.

Rund um Weltkulturerbe-Stätten gilt eine besondere Pufferzone. Wird dort massiv neu gebaut, kann die UNESCO den Titel aberkennen. Das ist 2009 geschehen, als das Dresdner Elbtal seinen Titel wegen eines Brückenbaus verlor.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 28.11.2018 | 19:30 Uhr

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