Bei Blohm+Voss droht massiver Stellenabbau

Stand: 01.10.2021 13:51 Uhr

Bei der Hamburger Traditionswerft Blohm+Voss steht offenbar ein Kahlschlag bevor. Die Führung des Mutterkonzerns Lürssen aus Bremen hat bei einer Belegschaftsversammlung angekündigt, dass ein Teil der Mitarbeitenden gehen muss.

Man wolle das Geschäft am größten Standort, bei Blohm+Voss in Hamburg, verkleinern. Dabei steht ein Abbau von Personal im Raum, wie das Unternehmen am Freitag bestätigte. Hintergrund für den geplanten Umbau bei Blohm+Voss: Die Werft ist nach Angaben von Gesellschafter Peter Lürßen nicht wettbewerbsfähig. Blohm+Voss hat derzeit etwa 580 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Geschäftsführer Lürßen sagte, man habe der Belegschaft angeboten, 500 Jobs auf die kommenden viereinhalb Jahre zu sichern. Dies sei von den IG-Metall-Mitgliedern aber abgelehnt worden. Wie viele Jobs nach den geänderten Plänen verloren gehen sollen, wurde nicht mitgeteilt.

Die Gewerkschaft IG Metall lehnt die Umbaupläne nicht grundlegend ab. Sie fordert aber, dass Mitarbeitende von der militärischen in die zivile Sparte und umgekehrt wechseln können, wenn es in einem Bereich zu wenig zu tun gibt.

Keine Handelsschiffe mehr

Die über mehrere Standorte in Norddeutschland verteilte Lürssen-Werft teilte auch mit, dass sie Jachtbau und Marineschiffbau organisatorisch trennen wird. Bau und Wartung von Marineschiffen firmieren künftig unter der Dachmarke NVL (Naval Vessels Lürssen). In Hamburg werden unter anderem Korvetten und künftig sogenannte Mehrzweckkkampfschiffe gebaut. Die benachbarte Norderwerft auf Steinwerder wird komplett in die neue Tochtergesellschaft übernommen. Dort werden regelmäßig Marineschiffe repariert und gewartet. Das Geschäft mit Handelsschiffen wird komplett aufgegeben, bislang waren in den Docks regelmäßig Frachter und Spezialschiffe für Wartung und Reparaturen zu sehen.

Dietrich Lehmann im Studio von NDR 90,3 © NDR Foto: Marco Peter
AUDIO: Blohm+Voss vor möglichem Stellenabbau (1 Min)

Bald weniger Docks?

Auch von Kreuzfahrtschiffen will sich Lürssen trennen. Geprüft werde auch, welche Docks, Hallen und Lagerplätze noch gebraucht werden. Lürßen sprach von einem "Konzept, das die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes und damit sichere Arbeitsplätze zum Ziel hat." Man werde die Arbeit "intensiver auf maschinenbauliche und ausrüstungsintensive Tätigkeiten, Inbetriebnahmen und Erprobungen ausrichten."

Weitere Informationen
Luftbild der Hamburger Werft Blohm + Voss (ca. 1930) © picture-alliance / akg-images Foto: akg-images

Blohm + Voss: Mut und Können in einem Pott

Noch jung träumen Hermann Blohm und Ernst Voss von einer eigenen Werft. 1877 gründen sie in Hamburg einen Betrieb, der Weltruf erlangt. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 30.09.2021 | 19:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

Menschen gehen am am Elbstrand von Övelgönne spazieren. Im Hintergrund ist der Hamburger Hafen zu sehen. © picture alliance / dpa Foto: Christian Charisius

151 neue Corona-Fälle in Hamburg - Inzidenzwert sinkt leicht

Laut Sozialbehörde wurden 24 Neuinfektionen weniger gemeldet als vor einer Woche. Der Inzidenzwert liegt nun bei 105,3. mehr