Bauministerin Geywitz: Hamburg als Vorbild für Wohnungspolitik

Stand: 06.01.2022 18:18 Uhr

Ihre erste Dienstreise als Bundesbauministerin führte Klara Geywitz (SPD) nach Hamburg. Dort erklärte sie am Donnerstag, wie sie den Wohnungsbau bundesweit voranbringen will.

Hamburg gilt demnach als Vorbild. Mit dem "Bündnis für das Wohnen" von Stadt, Bezirken und Wohnungswirtschaft sei es in der Hansestadt gelungen, das Bauvolumen deutlich auszuweiten, sagte die SPD-Politikerin bei einem Besuch im Neubaugebiet Pergolenviertel in Winterhude. "Das ist genau das, was wir auch auf Bundesebene vorhaben."

Genossenschaften und Betriebswohnungen sollen helfen

Im Pergolenviertel, das Geywitz' Vertrauter Olaf Scholz (SPD) als Bürgermeister geplant hatte, waren 1.700 meist günstige Wohnungen entstanden. Jährlich 400.000 Wohnungen bundesweit will die neue Bauministerin schaffen. Sie setzt auf Genossenschaften und Betriebswohnungen: "Viele, die in Innenstädten arbeiten, sei es in Krankenhäusern oder der Bahn, haben große Probleme, in den Innenstadtlagen preiswerte Wohnungen zu finden. Ich bin da gern bereit, mit den Firmen zu sprechen."

Serielles Bauen soll helfen

Zugleich sprach sie sich für serielles Bauen aus, bei dem Teile des Gebäudes nicht mehr an Ort und Stelle errichtet, sondern in einer Produktionsstätte vorgefertigt werden. Neubauten könnten kostengünstiger und schneller entstehen, wenn Module eine Typengenehmigung erhalten und dann kein weiteres Genehmigungsverfahren mehr durchlaufen müssten, sagte Geywitz.

Auch Proteste im Pergolenviertel

Vertreter der SAGA erklärten aber auch, wie extrem teuer Grundstücke und das Bauen an sich geworden sind. Begleitet wurde Geywitz unter anderem von Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) sowie von zehn Protestierenden, die sich gegen eine Flächenversiegelung durch den Wohnungsneubau oder für mehr Sozialwohnungen aussprachen. Unter ihnen war auch Heike Sudmann von den Linken, die kritisierte: "Ich finde nicht, dass Hamburg Vorbild für den Bund für Wohnungspolitik werden darf. Wir haben in den letzten zehn Jahren mehr als 70 Prozent teure Wohnungen gebaut." Die Hamburger Wohnungspolitik habe zum höchsten Anstieg des Mietenspiegels der vergangenen 25 Jahre geführt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 06.01.2022 | 17:00 Uhr

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