Synagoge Hohe Weide in Hamburg-Eimsbüttel  Foto: Anna Rüter

Angriff vor Synagoge: Ermittler bezweifeln Antisemitismus

Stand: 08.01.2021 14:27 Uhr

Die Jüdische Gemeinde Hamburg ist befremdet über eine Entscheidung der Hamburger Generalstaatsanwaltschaft. Nach dem Angriff auf einen Juden vor der Synagoge in Eimsbüttel gehen die Ermittler nicht von einer antisemitischen Tat aus.

Ein 29-Jähriger hatte im Oktober vor der Synagoge Hohe Weide einen 26-jährigen Studenten - der eine Kippa trug - mit einem Klappspaten geschlagen und ihm schwere Kopfverletzungen zugefügt. Die Generalstaatsanwaltschaft will den Täter wegen versuchten Mordes vor Gericht bringen. Der Mann gilt jedoch als psychisch krank. Darum gehen die Ermittler nicht länger von einem antisemitischen Hintergrund der Tat aus. Sollte der 29-Jährige verurteilt werden, käme er damit nicht ins Gefängnis, sondern in die Psychiatrie. Eine Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft sagte zu NDR 90,3, der Angriff habe sich zwar gegen einen Juden gerichtet. Auslöser sei jedoch die Krankheit des Täters gewesen.

Stricharz: "Antisemitismus benennen"

Für Philipp Stricharz, den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Hamburg, kann es hingegen keinen Zweifel an einem judenfeindlichen Motiv geben. Der Täter hatte sich im Taxi zur Synagoge fahren lassen und dort gezielt einen Mann mit Kippa attackiert. "Es muss anerkannt werden, dass wir als jüdische Gemeinschaft bedroht sind", sagt Stricharz. Wie solle man antisemitische Taten in Zukunft verhindern, wenn man sie nicht einmal als antisemitisch benenne, fragt er weiter.

Zettel mit einem Hakenkreuz in der Tasche

Das 26-jährige Opfer hatte in der Synagoge mit anderen Gemeindemitgliedern das jüdische Laubhüttenfest feiern wollen. Nach dem Angriff sagte er aus, den Täter noch nie gesehen zu haben. Der Schlag sei zudem völlig unvermittelt gekommen. Der 29-jährige Täter hatte bei der Attacke einen Zettel mit einem Hakenkreuz darauf bei sich getragen. Außerdem wurde ein Taschenmesser bei ihm gefunden, bekleidet war er mit einem Tarnanzug. Es gab Unklarheit über das Motiv. Der 29-Jährige war nach der Tat in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht worden. Schon zuvor hatte er sich in psychiatrischer Behandlung befunden.

Die Hamburger Polizei hatte Vorwürfen des Jüdischen Weltkongresses widersprochen, es habe für die Juden nur mangelnde Sicherheit bestanden. Die Sicherheitskräfte hätten sofort reagiert, nachdem ihnen der Täter aufgefallen war.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 08.01.2021 | 15:00 Uhr

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