Stand: 22.02.2018 17:31 Uhr

Trump lenkt Waffen-Debatte in falsche Richtung

Nach dem Schul-Massaker in Parkland im US-Bundesstaat Florida fordern viele Überlebende sowie Angehörige von Opfern anderer Schulschießereien in den USA strengere Waffengesetze. Präsident Donald Trump hat ihnen zugehört, ist aber anderer Meinung. Sein Ansatz lautet: Waffen gegen Waffen. Auch Lehrer sollten mit Waffen ausgerüstet werden, damit sie ihre Schülerinnen und Schüler besser beschützen können.

Ein Kommentar von Gabi Biesinger, Korrespondentin im ARD-Studio Washington

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Gabi Biesinger zollt den Schülerinnen und Schülern für ihren Einsatz für strengere Waffengesetze in den USA Respekt.

US-Präsident Donald Trump will auf die Gewalt in der US-Gesellschaft mit mehr Waffen reagieren. Er ist sich sicher: Hätte der beliebte Football-Trainer Aaron Feis, der am 14. Februar bei dem Angriff auf die Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland starb, als er sich schützend vor seine Schüler stellte, eine Waffe gehabt, hätte er den Täter stoppen können.

Die Waffenlobby reibt sich die Hände

Mehr Waffen in Schulen? Klingt ähnlich vernünftig wie das Rezept, dass mehr Schnaps gegen Kater hilft. Und die Waffenlobby NRA reibt sich die Hände: ein fantastischer neuer Markt, wenn Schulen jetzt hochrüsten. Man könnte ganz neue Modelle entwickeln. Ein Sturmgewehr mit den exakten Maßen für den standardisierten Klassenschrank? Oder eine Maschinenpistole, die selbst die zierliche Französischlehrerin in ihre Handtasche quetschen kann, um dann - zwischen Vokabelabfragen und Grammatik - einen Killer niederzustrecken?

Hört sich nach einem miesen Actionfilm an, ist aber gar keine Fantasie, denn bewaffnete Lehrer gibt es ja längst in manchen US-Schulen. Und die NRA bietet großzügig an, ihr - wie sie es nennt - "Sicherheitskonzept" landesweit auszudehnen, Lehrern Schießtraining zu geben, Schulen zu beraten.

Trauma der Attentate bleibt ein Leben lang

Den wütenden Schülern von Parkland, denen es in beeindruckender Weise gelungen ist, das Land in Aufruhr zu versetzen, droht die Debatte zu entgleiten, wenn Politiker und Waffenlobby ihren Aufstand dazu benutzen, das Land weiter hochzurüsten, statt endlich abzurüsten.

Die Schüler von Parkland wollen nicht mehr Lehrer mit mehr Knarren in ihrer Schule. Sie wollen sich und künftigen Schülergenerationen ersparen, immer wieder durch das Trauma solcher Attentate zu gehen. Immer wieder den Ernstfall zu trainieren. Mit dem Gefühl aufzuwachsen, sich morgens in eine gefährliche und hochgerüstete Sicherheitszone zu begeben - und nicht an einen Ort, wo man Freunde trifft und Spaß am Lernen hat.

Zwar mögen Menschenleben gerettet werden, wenn die Französischlehrerin rechtzeitig die Waffe zieht. Aber auch das Bild, wie ihre Lehrerin vor ihren Augen einen Menschen tötet, wird die Schüler ihr Leben lang verfolgen.    

Schüler wollen das gesellschaftliche Denken ändern

Den Schülern von Parkland geht es darum, dass der Killer gar nicht mehr erst in die Schule kommt. Es geht ihnen um nicht weniger, als das gesellschaftliche Denken in den USA zu ändern. Sie stellen infrage, dass Waffen etwas Selbstverständliches sind. Sie stellen in Frage, dass Privatleute sich völlig legal Waffenarsenale zulegen können. Sie stellen nicht weniger als den Zweiten Verfassungszusatz in Frage, der vorsieht, dass Waffen tragen zu dürfen, ein Grundrecht ist.

Was für ein kühnes Unterfangen, aber das Einzige, das die USA langfristig von der Geißel der Waffengewalt befreien könnte.

Das haben sie nicht gewollt!

Ein bisschen bringen die Schüler von Parkland gerade in Bewegung. Der Präsident und andere Politiker denken zumindest darüber nach, Schnellfeueraufsätze zu verbieten, die Altersgrenze zum Erwerb von Sturmgewehren raufzusetzen und psychisch Labile gründlicher von Waffen fernzuhalten. Ob das alles umgesetzt wird, ist fraglich.

Am Ende könnte das verzweifelte Aufbegehren der Schüler von Parkland fatalerweise dazu führen, dass mehr Lehrer in mehr Schulen mit mehr Waffen ausgerüstet werden. Das haben sie nicht gewollt.

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Trumps Antwort auf die Tränen lautet: Waffen

US-Präsident hat Dutzende Überlebende von Schulmassakern und Angehörige von Opfern empfangen. Die stellten ihm teils bittere Fragen. Mehr dazu bei tagesschau.de. extern

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NDR Info | Kommentar | 22.02.2018 | 17:08 Uhr

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