Stand: 12.10.2016 10:06 Uhr

Kritik an Digitalisierungsplänen für Schulen

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Lehrerverbands-Präsident Josef Kraus sieht keinen Nutzen für die Schüler, wenn diese mit Tablets und Computern lernen.

Die Bundesregierung will in den kommenden fünf Jahren alle 40.000 deutschen Schulen mit Computern und WLAN ausstatten. Nach den Plänen von Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) investiert der Bund dafür fünf Milliarden Euro. Im Gegenzug für das Geld vom Bund sollen sich die Länder verpflichten, digitale Bildung umzusetzen - also Lehrer fortzubilden und Unterrichtskonzepte zu entwickeln.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, sagte auf NDR Info, er sehe "ein paar ganz dicke Fragezeichen", was den sogenannten Digitalpakt angehe. Bundesministerin Wanka sei gar nicht zuständig, weil Bildung Ländersache ist. "Ich glaube, dass die Mehrzahl der Bundesländer, wenn nicht sogar alle 16, 'Nein' sagen werden", sagte Kraus.

Inhaltliche Zweifel am Nutzen von Tablets und Co.

Auch inhaltlich hat der Präsident des Lehrerverbands große Zweifel am Nutzen der "Digitaloffensive": "Man muss zur Kenntnis nehmen, dass es bislang keine einzige belastbare Studie gibt, die nachweist, dass Schüler digital besser lernen." So zeige sich in den Pisa-Studien, dass die Länder, deren Schulen digital besser ausgestattet sind, keineswegs besser abschnitten.

Kraus warnt vor "Häppchen-Wissen" bei Schülern

Er sehe sogar eine Reihe von Kollateralschäden eines solchen Digitalisierungsprogramms, warnte Kraus auf NDR Info: "Ein Kollateralschaden wird sein, dass die Schüler vielleicht noch mehr dazu neigen, sich nur noch Häppchen-Informationen und Häppchen-Wissen anzueignen." Der zweite mögliche Kollateralschaden bestehe darin, dass der zwischenmenschliche Diskurs darunter leide.

Nach Überzeugung des Lehrerverbands-Präsidenten sind die fünf Milliarden Euro, die Wanka in die Digitalisierung der Schulen investieren will, ein Tropfen auf den heißen Stein. Für jede einzelne Schule bliebe ein Betrag von etwas mehr als 100.000 Euro, das reiche auch mit Blick auf die Folgekosten nicht aus.

"Sanierung ist das Problem, nicht Digitalisierung"

Statt der Digitalisierung haben deutsche Schulen Kraus zufolge ganz andere Probleme. "Wir haben einen zwei bis dreistelligen Milliardenbedarf, was die Sanierung angeht." Viele Schulen, die in den 1970er-Jahren gebaut wurden, seien in einem katastrophalen Zustand, so Kraus.

Weitere Informationen

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Die geplanten Investionen zur besseren, digitalen Ausstattung von Schulen haben in Mecklenburg-Vorpommern überwiegend positive Reaktionen ausgelöst. Kritik kommt von Seiten der Verbände. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 12.10.2016 | 08:20 Uhr

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