Stand: 17.05.2019 12:52 Uhr

E-Scooter im Norden: Sie rollen an

von Michael Latz, NDR Info

Freie Bahn für Elektro-Tretroller: Der Bundesrat hat den Weg für die Zulassung von sogenannten Scootern in Deutschland geebnet. Die Länderkammer stimmte am Freitag einer Verordnung des Bundesverkehrsministeriums zu. Es gibt allerdings Änderungen an dem ursprünglichen Vorschlag. Demnach sollen die Scooter generell erst für Jugendliche ab 14 Jahren erlaubt werden und nicht bei langsameren Modellen schon ab 12 Jahren wie zunächst vorgesehen. Entgegen der ursprünglichen Pläne sollen auch keine E-Tretroller auf Gehwegen fahren, sondern grundsätzlich auf Radwegen. In vielen Städten im Norden stehen die Anbieter von Leih-Rollern schon in den Startlöchern.

Bild vergrößern
E-Scooter sollen nach dem Willen des Gesetzgebers nicht auf Gehwegen fahren dürfen.

Bodo Braunmühl vom E-Roller-Anbieter Tier Mobility ist bereit. "Vom Prinzip sind fast alle Städte für uns interessant ab 100.000 Einwohner. Zum Start werden uns aber auf die größeren Städte konzentrieren." Schon in zehn Ländern sind die Scooter der Berliner Firma unterwegs - nur eben noch nicht in Berlin selbst. Noch im Juni dürfte sich das ändern - und nicht nur dort.

In Hamburg, Hannover und Kiel, aber auch in Braunschweig, Göttingen oder Osnabrück sind verschiedene Verleihfirmen mit den Städten im Gespräch. Für Thorsten Bullerdiek vom Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund eine Chance: "Man muss das ganzheitlich sehen. Wir haben die Klimadebatte, wir haben zu viele Stickoxide. Und insbesondere diese E-Roller bieten natürlich die Gelegenheit, dass der Verkehr auf der letzten Meile nicht ganz so stark belastet ist."

Rolleraufbau

Elektro-Tretroller im Vergleich

Markt -

Elektrische Tretroller sind handlich und machen Spaß. In einer Stichprobe vergleicht Markt sogenannte E-Scooter der Hersteller Cityblitz, Beamie, Egret und BMW.

3,58 bei 26 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Rabattmodelle in verschiedenen Städten geplant

Auch wenn noch nicht ganz klar ist, ob die E-Tretroller in Bus und Bahn mitgenommen werden dürfen, so könnten sie doch Lückenfüller werden - etwa auf dem Weg zur Arbeit zwischen Bus und Büro. In München will deshalb die städtische Verkehrsgesellschaft den Scooter-Verleih in ihr Angebot aufnehmen. In Lübeck bietet das schwedische Scooter-Unternehmen VOI den Kunden mit Busticket Rabatte an.

Und auch Osnabrück arbeitet an entsprechenden Modellen, wie die Stadt mitteilt. "Dabei geht es im Wesentlichen um die Frage, wie ein solches System in Osnabrück aussehen könnte und sich dieses in die Überlegungen und Maßnahmen, die wir im Projekt 'Mobile Zukunft' vorantreiben, integrieren ließe."

Städte wollen Spielregeln für Anbieter festlegen

Weitere Informationen

"Wir brauchen eine Neuaufteilung der Verkehrsflächen"

Dirk Lau vom ADFC in Hamburg hat auf NDR Info eine Neuaufteilung der Verkehrsflächen in Deutschland gefordert. Elektro-Tretroller von Gehwegen zu verbannen, löse das Problem nicht. (08.05.2019) mehr

Während Frankfurt zum Beispiel mit 5.000 bis 10.000 Elektrotretrollern rechnet, die künftig im Verleih unterwegs sein werden, wollen norddeutsche Städte noch keine Schätzungen abgeben. Die Roller werden größtenteils im Free-Floating-Verleih unterwegs sein. Das heißt: Die Kunden suchen sich via App einen Roller und lassen ihn nach der Ankunft am Zielort einfach stehen. Was praktisch für die Kunden ist, hat in San Francisco und Paris zu einem wilden Durcheinander aus abgestellten Rollern auf den Gehwegen geführt. Die Lage ist derart eskaliert, dass Paris jetzt feste Stellplätze für die Roller einrichtet.

In den Gesprächen mit den Anbietern versuche zum Beispiel auch Hannover grundsätzliche Spielregeln festzulegen, sagt Stadtsprecherin Michaela Steigerwald: "In Hannover ist es so, dass wir als Stadt den Anbietern von sogenannten Free-Floating-Systemen zur Auflage machen würden, dass das Abstellen von Fahrzeugen in besonders sensiblen Bereichen nicht erwünscht ist. Dazu zählen beispielsweise Grünanlagen und Parks oder Fußgängerzonen, Veranstaltungsorte und Friedhöfe."

Scooter sollen regelmäßig eingesammelt werden

Bild vergrößern
Bei den Grünen, wie hier bei Hamburgs Zweiter Bürgermeisterin Katharina Fegebank, kommen die Elektroroller gut an.

In deutschen Städten soll es so weit wie in Paris erst gar nicht kommen, verspricht Kevin Heinert von der MyTaxi-Tochter Hive, die auch im Juni mit dem Scooter-Verleih starten wird: "Wir haben die sogenannten Hive-Bees. Das sind kleine Teams, die dafür sorgen, dass die Hive-Scooter regelmäßig eingesammelt werden. Die sollen sie einsammeln, wieder aufladen und neu verteilen. Das heißt, wir verbinden das Warten und Aufladen mit dem sinnvollen Verteilen in den Städten." Hive rechnet mit einer Lebensdauer von mindestens 1.000 Fahrten pro Scooter. Defekte Roller sollen recycelt werden.

Auch Tier Mobility will nicht mit kaputten Rollern in Gebüschen oder Mülleimern in Verbindung gebracht werden und sammelt die Flotte deshalb täglich ein, wie Bodo Braunmühl erklärt. Außerdem appelliert das Berliner Unternehmen in seiner App etwa mit Videos an seine Kunden, Rücksicht zu nehmen. "Natürlich muss man sich auch auf die Kunden verlassen. Und wenn die trotz der Sensibilisierung das immer noch nicht machen, dann müssen wir einschreiten. Also wenn wir am Ende sehen, dass Scooter wild abgestellt sind, dann können wir die orten und eigene Teams hinschicken", sagt Braunmühl.

Gemeindebund erwartet keinen Wildwuchs

Glosse
NDR Info

Das neue heiße Ding: der E-Scooter

NDR Info

Eigentlich hätte man ja viel früher auf die Idee kommen können: mit E-Scootern durch die Stadt zu fahren. Sie sind auch ideal, um eine Scheibe Toastbrot einzukaufen, meint Florian Schroeder. (17.04.2019) mehr

Viel Einfluss auf die Scooter-Anbieter haben die Städte allerdings nicht. Solange diese keine festen Stationen auf öffentlichen Plätzen einrichten und die Roller verkehrssicher sind, haben die Anbieter nahezu freie Hand. Quasi über Nacht könnten sie die Leihroller in die Straßen stellen. Mit einem Wildwuchs rechnet der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund dennoch nicht.

Mehr Sorgen bereitet Bullerdiek der zusätzliche Verkehr, für den die Roller auf den Radwegen sorgen werden. "Das Problem ist, dass unsere Städte auf Verkehre ausgerichtet sind, die in den 1950er- und 1970er-Jahren stattgefunden haben. Wenn jetzt noch weitere Verkehre dazukommen, wird es natürlich eng. Die Radwege sind so schon eng. Irgendjemand wird auf Sicht abgeben müssen. Und das könnte auch das Auto sein."

Unfallforscher, Verkehrsexperten und Fahrrad-Verbände befürchten, dass die Roller zu mehr schweren Unfällen im Stadtverkehr führen werden.

Weitere Informationen

Elektro-Tretroller: Ohne Zulassung kein Fahrspaß

Elektrische Tretroller sind handlich und machen Spaß. Bald sollen E-Scooter auch bei uns offiziell im Straßenverkehr erlaubt sein. Besonders wichtig: die Zulassungspapiere. (06.05.2019) mehr

Mikromobilität: VW in der Entscheidungsphase

VWs Einstieg in die Mikromobilität steht offenbar kurz bevor. Zurzeit werde entschieden, ob es E-Scooter wie den "Cityskater" bald beim Händler oder als Sharing-Fahrzeug gibt. (07.05.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 17.05.2019 | 07:20 Uhr

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/nachrichten/E-Scooter-im-Norden-Sie-rollen-an,escooter152.html

Mehr Nachrichten

02:34
Hallo Niedersachsen
01:41
NDR//Aktuell
03:56
NDR//Aktuell