Stand: 31.08.2018 18:30 Uhr

Deutschland ist zu einem Vorbild geworden

Drei Wörter, die einmal in die Geschichtsbücher eingehen könnten: Vor drei Jahren sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Satz "Wir schaffen das" - auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise. Wie ist die Situation heute: Schaffen wir das?

Ein Kommentar von Horst Kläuser, ARD-Hauptstadtstudio

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Zu sagen, wir schaffen das nicht, wäre das Eingeständnis von Schwäche und Angst gewesen, meint Horst Kläuser.

"Wir schaffen das!" - ein harmloser Satz. Kurz, knapp, schnell zu verstehen. Das Gegenteil von: "Wir schaffen das nicht!" Man stelle sich vor, ein wichtiger Politiker, der vor einer großen Herausforderung steht, sagt das: "Wir schaffen das nicht!" Entrüstung, höhnisches Lachen. Abwahl bei nächster Gelegenheit.

Angela Merkel entschied sich, vor drei Jahren für die optimistische, die pragmatische, die bejahende Option. Direkt vorher hatte sie angemerkt, Deutschland sei ein starkes Land - und das Motiv müsse sein: Wir haben schon so viel geschafft. Wir schaffen das.

In der Tat hat Deutschland viel geschafft: Den Weg aus der Katastrophe 1945, die schmerzhafte, aber weitgehend gelungene Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit - wofür uns sogar ehemalige Feinde und Opfer aus Israel loben -, einen beispiellosen Aufstieg zu einer der größten Wirtschaftsnationen, das teure, letztlich aber unbezahlbare Geschenk der Vereinigung zweier deutscher Staaten. Haben wir geschafft. Wir, Deutschland.

Eine Herausforderung annehmen

Diese drei Worte "Wir schaffen das" sind jedes für sich wertvoll. Wir, das ist unser Land, die Menschen, die Städte, die Unternehmen, die Kirchen, die Sportvereine. Schaffen heißt bewältigen, mit etwas fertig werden. Eine Herausforderung annehmen, eine Aufgabe stemmen. Das, ja, das war unsere Hilfe für andere Menschen, Flüchtlinge, Asylbewerber. Sie stammen aus Irak und Afghanistan, aus Syrien und Somalia. Etliche waren vergewaltigt, vertrieben, ausgebombt, beraubt, heimatlos.

Angela Merkel, die Frau aus einem Pfarrershaushalt, groß geworden in einer Diktatur, die sich um den Einzelnen einen Dreck scherte, sagt: "Wir schaffen das!"

Ein Rechtsstaat wie Deutschland kann und wird es schaffen

Und? Allen rechten Grölern, Pöblern und Demagogen zum Trotz: Wir haben das geschafft, genauer: Wir sind noch dabei, es zu schaffen. Die Arbeitslosenquote der Menschen aus Kriegs- und Katastrophengebieten sinkt drastisch. Sie machen eine Lehre, finden Arbeit, zahlen Steuern, erhalten so ihre Würde zurück.

Das ist der eine Teil von "Wir schaffen das". Der andere Teil ist die Genugtuung, die wir fühlen dürfen. Vom Ausgestoßenen der Weltgemeinschaft ist Deutschland zu einem Vorbild geworden: menschlich, sozial, wirtschaftlich stark - ein Rechtsstaat. Ein solcher kann und wird das schaffen.

Zu sagen, wir schaffen das nicht, wäre das Eingeständnis von Schwäche und Angst gewesen. Da ist mir der schwer geprüfte Optimismus von Angela Merkel allerdings tausend Mal lieber.

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NDR Info | Kommentar | 31.08.2018 | 18:30 Uhr

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