Stand: 20.11.2018 16:54 Uhr

Alle Kinder sollten die gleichen Chancen haben

Der Internationale Tag der Kinderrechte ist ein Anlass für viele Menschen, darauf zu dringen, dass Kinderrechte im deutschen Grundgesetz verankert werden. Darauf hatten sich Union und SPD im Koalitionsvertrag verständigt. Doch erreichen wir so das Ziel: Kindergerechtigkeit?

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Strukturelle Probleme wie Kinderarmut und schlechtere Bildungschancen müssen endlich gelöst werden, meint Claudia Venohr.

Kinderrechte sind ein großes Thema. Ein weites, noch immer zu wenig beackertes Feld. Hand aufs Herz: Kennen Sie eins der zehn wichtigsten internationalen Kinderrechte? Jener Konvention, die vor bald 30 Jahren weltweit verabschiedet wurde? Da wäre vorneweg Artikel 1 zu nennen: "Alle Kinder haben die gleichen Rechte. Kein Kind darf benachteiligt werden." 

Aber Papier ist geduldig. Die Wirklichkeit ist, wie wir alle wissen, eine andere - selbst im reichen Hamburg. Auf NDR Info erzählte am Dienstag die erst neunjährige Talisha von dieser, ihrer Wirklichkeit. Sie lebt, wie 40 Prozent der Kinder im Hamburger Stadtteil Jenfeld, von Hartz IV, gemeinsam mit ihrer alleinerziehenden Mutter. Es ist erschütternd zu hören, wie dieses Mädchen mit großem Ernst erklärt, was es für sie bedeutet, arm zu sein.

Talisha hat sich ihre Situation nicht ausgesucht

Ein neunjähriges Kind spricht wie eine Erwachsene über gesperrte Konten, zwei Monate ohne Geld zu sein, das Arbeitsamt zahlt nicht, aber Hauptsache, sie haben noch etwas zu essen und ein Zuhause. Ohne die Hilfe des Nachbarschaftszentrums "Kaffeekanne Jenfeld" sähe ihre Wirklichkeit noch drastischer aus.

Talisha hat sich das nicht ausgesucht. Sie ist eines von rund zweieinhalb Millionen armen Kindern in Deutschland. Und damit beginnt schon die Benachteiligung. Denn Armut ist der Risikofaktor für Bildungs- und Zukunftschancen - immer noch, im reichen Deutschland!

In der Kinderrechtskonvention heißt es in Artikel 3: "Kinder haben das Recht zu lernen und eine Ausbildung zu machen, die ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten entspricht. Auch Talisha hat, wie jedes Kind, große Pläne und Träume. In Deutschland  hängen die Bildungschancen von Kindern jedoch weiter vor allem von der sozialen Herkunft ab.

Solange das so ist, sind Talishas Startchancen von vornherein begrenzt. Die Möglichkeit, eines Tages ein Gymnasium zu besuchen, liegt bei etwa zwei Prozent. Sie hat sich das, wie schon gesagt, nicht ausgesucht.

Wir verbauen uns unsere eigene Zukunft

Zugesicherte Rechte der UN-Kinderrechtskonvention werden weltweit und auch im wohlhabenden Deutschland nicht eingehalten. Pläne der Großen Koalition, Kinderrechte nun ins Grundgesetz zu schreiben, damit sie einklagbar werden, sind zu begrüßen. Aber strukturelle Probleme, wie Kinderarmut und schlechtere Bildungschancen, wird das nicht lösen oder abstellen. Es kann nur ein Signal sein.

Hamburg-Jenfeld ist überall. Solange wir zulassen, dass Kindern wie der neunjährigen Talisha nicht die gleichen Bedingungen und Chancen zukommen wie Bessergestellten, haben wir keine Kindergerechtigkeit. Wir verbauen ihre, wie auch unsere Zukunft.

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UN-Konvention über die Rechte des Kindes

UNICEF will, dass Kinder in der Gesellschaft mehr zählen und dass sie ihre Rechte verwirklichen können. Grundlage dafür ist die UN-Kinderrechtskonvention. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 20.11.2018 | 17:08 Uhr

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