Stand: 23.11.2017 07:44 Uhr  | Archiv

Magnus Brechtken hat Sachbuchpreis 2017 erhalten

Das Ebonit Saxophone Quartett spielte bei der Gala zur Verleihung des NDR Kultur Sachbuchpreises. Und die Gäste erlebten einen Tango der Diskurse. Der Historiker Magnus Brechtken erhielt die Auszeichnung für seine Speer-Biographie "Albert Speer - Eine deutsche Karriere". Und die geht weit über eine Lebensbeschreibung von Hitlers Rüstungsminister hinaus. So lobte der Jury-Vorsitzende, NDR Hörfunk-Direktor Joachim Knuth, als er die Urkunde überreichte: "Die Dekonstruktion der Legende vom 'Guten Nazi' ist ein elegantes Meisterstück historischer Biographik und ein Appell für Wahrhaftigkeit in Geschichtsschreibung und Journalismus."

Aufklärung im Fokus

Die Legende vom schöngeistigen Architekten, der von der Judenvernichtung nichts wusste, hatte Speer selbst in die Welt gesetzt. Doch nicht nur er, auch namhafte Historiker und Publizisten verbreiteten sie. Um Aufklärung gehe es ihm deshalb, so Magnus Brechtken: "Wer sich mit der Geschichte des Nationalsozialismus beschäftigt und das in der Schule liest und mit seinen Lehrerinnen und Lehrern diskutiert, dann vielleicht auch an der Universität oder im öffentlichen Raum mit diesem Thema konfrontiert wird, der wird eben feststellen müssen, was vielen nicht bewusst ist, dass viele der Speer-Legenden und -Fabeln bis heute fortgetragen werden."

 

Abend mit zwei angenehmen Dingen

In seiner Laudatio betonte der Chefredakteur der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung Hendrik Brandt: "Brechtken zeigt ungerührt, auf welch weit geöffnete Ohren die Speerschen Erzählungen trafen. Wie gern die Nation den Forschern und Journalisten Speers 'Fake-News' nach dem Motto 'Ich habe viel geahnt, aber wenig gewusst und ansonsten meine Arbeit gemacht' abnahm."

Das Ebonit Saxophone Quartett auf der Bühne der NDR Kultur Sachbuchpreis Gala 2017 © NDR.de Foto: Axel Herzig
Das Ebonit Saxophone Quartett sorgte an diesem Abend für den musikalischen Rahmen.

Auch der Förderpreis Opus Primum der Volkswagenstiftung wurde verliehen. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung konnte Andreas Cassee entgegennehmen; für sein wissenschaftliches Erstlingswerk "Globale Bewegungsfreiheit  - Ein philosophisches Plädoyer für offene Grenzen". Der Schweizer Philosoph verriet auch, welche Projekte er als nächstes angehen will: "Ich werde sicher bei politisch-philosophischen Themen bleiben." An diesem Abend konnte das Publikum der Gala mindestens zwei Dinge genießen: Anregende Gedanken und gute Musik.

 

 

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 23.11.2017 | 06:40 Uhr