Das Versprechen: Der Fall Jens Söring

Im Jahr 1985 wird ein US-Ehepaar brutal ermordet. Der 18-jährige Freund der Tochter gerät ins Visier der Ermittler, der Deutsche Jens Söring. Er wurde schließlich wegen Mordes verurteilt und saß 33 Jahre im Gefängnis - erst in London, dann in den USA. Doch es gab erhebliche Zweifel daran, was sich damals wirklich zugetragen hat. Die Journalisten Karin Steinberger und Marcus Vetter haben den Fall für eine Radio- und Podcast-Serie von NDR Kultur, NDR 2 und SWR 2 im Jahr 2018 rekonstruiert. Jetzt wurde Jens Söring aus der Haft entlassen.

"Ich halte mein Versprechen an die Frau, die ich liebe, und rette ihr Leben." Jens Söring

Jens Söring ist 18 Jahre alt und nicht gerade ein Frauenheld, als er Elizabeth Haysom an der Universität von Virginia trifft. Sie ist Anfang 20, welterfahren, verwegen, das Produkt englischer boarding schools. Für ihn ist es ein Wunder, als sie ein Paar werden.

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Das Versprechen

33 Jahre saß der Deutsche Jens Söring im US-Knast. Gemeinsam mit seiner großen Liebe soll er, damals 18, ihre Eltern brutal ermordet haben. Jetzt wurde Jens Söring aus der Haft entlassen. mehr

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Voodoo-Mord oder Elternhass?

Sie erzählt ihm voller Abscheu von ihren Eltern, spricht von sexuellem Missbrauch, von Hass. Als die Haysoms am 30. März 1985 brutal ermordet werden, stochert die Polizei erst im Dunkeln, von Voodoo-Morden ist die Rede, erst spät kommen die Ermittler auf die Tochter und ihren deutschen Freund. Als die Polizei weitere Fragen hat, fliehen Elizabeth Haysom und Jens Söring aus den USA, werden 1986 in England gefasst.

Ein Prozess voller Fehler?

Elizabeth Haysom wird 1987 wegen Anstiftung zum Mord zu 90 Jahren Haft verurteilt.
Jens Söring kämpft in England gegen seine Auslieferung in die USA. Erst als die Todesstrafe fallengelassen wird, kommt er 1990 in Virginia vor Gericht. Der Prozess ist voller Verfahrensfehler, der Richter ist befangen, entscheidende Zeugen werden nicht vorgeladen, Widersprüche werden nie aufgeklärt, ein FBI-Profil geht verloren, falsche Experten dürfen aussagen.

Jens Söring beim Interview im Buckingham Correctional Center, Virginia, 2014. © Filmperspektive GmbH

Das Versprechen: Trailer

Seit 32 Jahren sitzt Jens Söring in einem US-Knast. Gemeinsam mit seiner großen Liebe Elizabeth soll er 1985 ihre Eltern ermordet haben. Was ist damals wirklich passiert?

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Söring wird in den USA zu zweimal lebenslang verurteilt, weil er die Eltern seiner damaligen Freundin brutal ermordet haben soll. Erst gesteht er die Tat, er sagt, um seine große Liebe zu retten. Seitdem beteuert er: Ich bin unschuldig. Seit 33 Jahren saß er im Gefängnis. Die Telefone hatten noch Wählscheiben und Deutschland war ein geteiltes Land, als er das letzte Mal ein freier Mensch war.

Keine DNA-Spuren von Söring am Tatort

Seit seiner Verurteilung kämpfte Jens Söring darum, seine Unschuld zu beweisen. Immer mehr Menschen glaubten ihm, einer der Ermittler von damals war sich schon lange sicher, dass der Falsche im Gefängnis saß. Ein aktiver Sheriff setzte sich für Sörings Freilassung ein und eine ehemalige stellvertretende Staatsanwältin des Staates Virginia. DNA-Experten konnten keine Spur von Jens Söring am Tatort nachweisen, dafür aber wurde das Blut von zwei unbekannten Männern gefunden. 13 Anträge auf Bewährung wurden gestellt - und abgelehnt. Jetzt wurde Jens Söring aus der Haft entlassen.

Ein Mordfall mit vielen Fragezeichen

Ein journalistisches Langzeitprojekt

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Die Journalisten Karin Steinberger und Marcus Vetter beschäftigt der Fall Söring seit Jahren.

"Ich weiß auch nach elf Jahren Recherche nicht, wer in dieser Nacht wen umgebracht hat", sagte Karin Steinberger, Reporterin der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) in der Podcast-Serie "Das Versprechen". "Aber was ich nach all den Jahren sicher weiß, ist, dass es nicht so gewesen sein kann, wie die US-Behörden das seit mehr als 30 Jahren behaupten. Alle neuen Fakten und DNA-Erkenntnisse passen zu dem, was Jens Söring seit 30 Jahren sagt: Ich bin unschuldig." Zusammen mit Filmautor Marcus Vetter hat Steinberger den Fall rekonstruiert. 2015 führten sie ein vierstündiges Interview mit Söring - vor der Film-Kamera. Seitdem waren Kameras auch in Jens Sörings US-Gefängnis verboten. Für die Radio- und Podcast-Serie von NDR Kultur, NDR 2 und SWR 2 haben Steinberger und Vetter weiter recherchiert, aktuelle Interviews in den USA geführt und zuletzt im Mai 2018 ein zweistündiges Telefongespräch mit Jens Söring aufgezeichnet. Auszüge aus dem Gespräch sind in den Folgen der Radio- und Podcast-Serie zu hören.

In Dialogen erzählen die Autoren von ihrer Arbeit an dem Projekt, geben persönliche Einblicke in ihre Arbeit, berichten von den Schwierigkeiten der Recherche sowie der wechselvollen Entwicklung im Fall Jens Söring.

Chronologie

1984 Elizabeth R. Haysom und Jens Söring lernen sich in Virginia kennen.
30. März 1985 Derek und Nancy Haysom werden in Bedford County tot aufgefunden.
1985 Fahndung und Ermittlung, Elizabeth Haysom und Jens Söring fliehen nach Europa.
1986 Elizabeth Haysom und Jens Söring werden in London verhaftet und gestehen.
1987 Elizabeth Haysom wird zu zweimal 45 Jahren Gefängnis verurteilt.
1989 Jens Söring wird an die USA ausgeliefert.
1990 Prozess und Urteil: Söring wird schuldig gesprochen und zu zweimal lebenslänglicher Gefängnisstrafe verurteilt.
1996 Beweisanhörung wegen eines Fehlers der Staatsanwaltschaft: Die Verteidigung wurde über alternative Verdächtige informiert.
2009 Erste DNA-Untersuchungen: Von 42 Blutspuren am Tatort sind 11 für Tests geeignet. Es ist kein Blut von Jens Söring und Elizabeth Haysom am Tatort feststellbar.
2011 Tony Buchanan, Zeuge aus Bedford County, entlastet Söring unter Eid, Ricky Gardner, damaliger Ermittler, äußert sich zu irreführenden Indizien.
2016 Der Dokumentarfilm "Das Versprechen" feiert beim Münchner Filmfest Premiere. Dr. Andrew Griffiths, University of Portsmouth, England, stellt fest: Das Geständnis von Söring sei "unzuverlässig". Der DNA-Testbericht vom gerichtsmedizinischen Institut von Virginia schließt Söring als Urheber der Blutspuren aus. Chuck Reid, ehemaliger Ermittler, bittet mit Bezug auf das FBI-Täterprofil um eine Unschluldserklärung (pardon) für Söring.
2017 J.E. "Chip" Harding, amtierender Sheriff von Albemarle County, Virginia, veröffentlicht einen Bericht, der Sörings Unschuld unterstützt, und bittet darum, Söring für unschuldig zu erklären. Es gibt eine 13. Anhörung durch das Virginia Parole Board: Antrag auf frühzeitige Entlassung auf Bewährung. Bundespräsident a.D. Christian Wulff und Botschafter Dr. Peter Wittig nehmen teil.
2018 Weitere Pressekonferenz mit Albemarle County Sheriff Harding und FBI Special Agent Stanley J. Lapekas. US-amerikanische und deutsche Medien berichten.
25.11.2019 Jens Söring wird aus der Haft entlassen.

Mitwirkende

Eine Radio- und Podcast-Serie von Karin Steinberger und Marcus Vetter
Mit Lilith Stangenberg als Elizabeth Haysom und Julian Greis als Jens Söring. Sowie: Mira Partecke, Maja Schöne, Achim Buch, Peter Franke, Gerhard Garbers, Ben Hecker, Markus John, Christian Redl, Sebastian Rudolph, Stephan Schad, Wolf-Dietrich Sprenger, Michael Weber, Tilo Werner und Michael Wittenborn
Regie: Iris Drögekamp
Assistenz: Mara May
Redaktion: Ulrike Toma
Eine Produktion von NDR Kultur, NDR 2 und SWR 2 (2018)

 

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Das Versprechen: Der Film

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