Steffen Trekkel © Marc Rodenberg
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AUDIO: Steffen Trekel im Gespräch über die Mandoline (12 Min)

Mandolinist Steffen Trekel über Tremolo-Klischees und Mozart

Stand: 04.01.2023 09:17 Uhr

Steffen Trekel gilt als einer der versiertesten Mandolinisten Deutschlands. NDR Kultur-Redakteur Philipp Schmid hat mit ihm über die Besonderheiten seines wenig bekannten Instruments gesprochen.

Steffen Trekel gilt als Koryphäe - auf der Mandoline, dem Instrument des Jahres 2023. Trekel spielt solo, in verschiedenen Kammermusikbesetzungen oder mit großen Orchestern. Denn oft unerkannt, kommt die Mandoline auch etwa bei Mozart oder Schostakowitsch zum Einsatz. Als Dozent für Mandoline und Methodik am Hamburger Konservatorium gibt er sein Wissen seit vielen Jahren an die Nachwuchsmusiker*innen weiter. Philipp Schmid hat mit Steffen Trekel über sein Instrument gesprochen.

Herr Trekel, die Mandoline ist das Instrument des Jahres 2023 - und führt doch oft ein Schattendasein, oder?

Steffen Trekel: Die Mandoline ist ein Instrument, was nicht bei jedem präsent ist. Als Mandolinist und jemand, der sich sein Leben lang mit dem Instrument beschäftigt hat, muss man sehen, wie man das Instrument an die Öffentlichkeit bringt. Das ist nicht so einfach wie beim Klavier, der Gitarre oder der Geige. Die Mandoline hat manchmal zu kämpfen.

Es gibt dieses Klischee, dass es bei der Mandoline immer dieses Tremolo gibt. Wenn man etwas mit Italien in Verbindung bringen will, dann setzt man diese zitternde Mandoline ein. Aber das Zittern ist ja nur ein Aspekt des Instruments.

Steffen Trekel: Das ist tatsächlich etwas, wogegen wir immer kämpfen müssen. Die Mandoline ist ein Instrument mit einer sehr langen Tradition. Sie ist seit 400 Jahren im klassischen Bereich unterwegs. Das Tremolo ist etwas, was eigentlich erst am Ende des 19. Jahrhunderts aufkam, um den Mandolinenklang der Geige etwas nachzuempfinden, um lange Töne zu spielen und dieses romantische Orchester nachzuempfinden.

Aber in den ganzen Jahrhunderten vorher wurde die Mandoline nicht tremoliert. Vielleicht in der Volksmusik ein bisschen, das ist nicht ganz klar belegt. Aber die klassische Mandoline - zum Beispiel bei Werken von Vivaldi oder auch Mozart oder Beethoven - da findet man nie Tremolo. Von daher versuchen wir als klassische Mandolinisten den Leuten klarzumachen, dass es nicht nur Mandoline und Mondschein gibt, nicht immer nur Tremolo. Die Mandoline hat ganz viele andere Möglichkeiten.

Es gibt viele Mandolinenorchester. Offensichtlich eignet sich das Instrument auch gut, zu mehreren gespielt zu werden.

Steffen Trekel: Auf jeden Fall. Das ist ein großer Vorteil dieses Instruments, dass man sehr gut mit anderen zusammenspielen kann. Es gibt in Deutschland etwa 300 Zupforchester; hier im Norden leider nicht so viel wie im südlichen oder westlichen Bereich Deutschlands. Die Mandoline kann wunderbare Musik mit Orchestern machen. Man spielt dann zusammen wie bei einem Streichorchester, eigentlich erste und zweite Mandoline. Dann gibt es eine Mandola, die ist eine Oktave tiefer gestimmt als die Mandoline, als Bratschenersatz. Die Gitarre im Kontrabass ist dann oft auch dabei.

Man sieht es oft bei Popbands, dass beim Gitarristen auch Mandoline steht. Können Gitarristen auch Mandoline spielen?

Steffen Trekel: Musikhistorisch sind die Mandoline und die Gitarre überhaupt nicht verwandt. Die Gitarre ist aus einer ganz anderen Familie. Dadurch, dass die Mandoline mit einem Plektrum gespielt wird und zumindest die klassische Gitarre mit den Fingern, ist das schon mal ein Riesenunterschied. Dann ist die Stimmung natürlich anders. Die Gitarre in Quart-Terz-Stimmung, und wir haben die Quinten-Stimmung.

Und trotzdem ist natürlich dadurch, dass man greift und mit Saiten hantiert und ein Zupfinstrument spielt, eine gewisse Nähe da. Man kann das andere Instrument relativ schnell lernen. Gerade in der Pop- und Rockmusik findet man die Mandoline tatsächlich öfter, als man denkt. Man weiß es nur manchmal nicht, weil man es nicht erkennt und denkt es sei eine hohe Gitarre. Es sind oft Mandolinen dabei, weil sie einen besonderen Klang haben und für bestimmte Dinge gut einsetzbar sind.

Im Unterschied zur klassischen Gitarre, die mit den Fingern gespielt wird, spielt man die Mandoline mit Plektron. Würde es nur mit den Fingern bei der Mandoline nicht funktionieren?

Trekel: Das kann man machen. Aber der Ton ist gerade bei den Stahlsaiten doch sehr dünn und auch nicht überzeugend. Das ist einfach viel besser mit dem Plektron. Man kann damit leichter und schneller spielen. Und man kann auch das typische Tremolo mit dem Plektrum leicht erzeugen. Dadurch kann man auch lange Töne spielen, die anschwellen können.

Sie sind einer der führenden Mandolinenspieler in Deutschland und auch immer wieder zu Gast in großen Orchestern. Wie sehen die Einsätze der Mandoline dort aus?

Trekel: In Verdis Otello ist die Mandoline dabei, auch mit einer sehr schönen Stelle und auch mit einer der schwierigsten Stellen, die es für Mandoline gibt. Im Original wird sie sogar mit dem richtigen Mandolinenorchester besetzt. Die Mandoline wird immer wieder eingesetzt, ganz früh zum Beispiel im Don Giovanni von Mozart. Dann gibt es verschiedene Komponisten: Schostakowitsch hat sie eingesetzt, Hans Werner Henze hat sie sehr oft eingesetzt. Es gibt immer wieder Stellen, wo die Komponisten oft in feinen Teilen ihrer Werke einen besonderen Klang brauchen oder kreieren möchten. Man findet zum Beispiel bei Mahler-Symphonien auch die Mandoline. Oft sind das kleine Stellen, wo die Mandoline als besondere Farbe eingesetzt wird.

Das heißt, man sitzt in einem Orchester und wartet auf die Stelle, an der die Mandoline eingesetzt wird?

Trekel: So ist es oft. Man wartet auf seinen Einsatz und freut sich dann, wenn man ein bisschen Teil des großen Ganzen sein kann. Das ist tatsächlich bei der Mandoline etwas, was man ein wenig vermisst, Teil dieser großen Musik, des Symphonieorchesters zu sein und wirklich die ganz großen Werke mitspielen zu können.

Aber die Mandoline hat etwas, was glaube ich weniger Instrumente haben. Wir können sehr schön Melodien kreieren, wir können aber auch akkordisch spielen. Das ist sehr typisch für die Mandoline, und das kann man eigentlich auch nur auf der Mandoline so spielen: diese Mischung aus Einzeltönen und Akkorden. Das ist etwas, was ich sehr mag am Instrument.

Wenn jemand Mandoline lernen möchte - wie fängt man am besten an?

Trekel: Die Mandoline ist eines der vielseitigsten Instrumente, die es gibt. Es gibt die klassische Mandoline, die wirklich von Barock über Klassik, Romantik alles spielen kann, was im klassischen Bereich vorkommt. Aber es gibt eben viele Einsatzbereiche im Folk. Wenn man wirklich Mandoline lernen möchte, muss man natürlich erst einmal gucken: In welche Richtung will ich gehen? Dann sucht man sich entweder ein Lehrer oder versucht, es sich selber beizubringen. Das finde ich immer so ein bisschen schwierig, weil man sich ganz schnell etwas angewöhnt, was dann hinterher hinderlich ist, wenn man besser werden will.

Das Gespräch führte Philipp Schmid.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 04.01.2023 | 08:15 Uhr

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