Donatienne Michel-Dansac als Donald Trump auf der Bühne der Hamburgischen Staatsoper  Foto: Brinkhoff Mögenburg

Premiere: Donald Trump auf der Opernbühne in Hamburg

Stand: 21.08.2021 07:07 Uhr

Die Hamburgische Staatsoper bringt den Sound von Donald Trump auf die Bühne. Aus Reden des ehemaligen US-Präsidenten hat Opernchef Georges Delnon das Ein-Personen-Stück "Playing Trump" kreiert, das am Freitag Premiere gefeiert hat.

von Daniel Kaiser

"Die Leute wollen Grenzkontrollen! Grenzkontrollen! Grenzkontrollen!" Wie eine Alarmanlage wiederholt die französische Mezzo-Sopranistin Donatienne Michel-Dansac in hohem, schrillem Gesang das Signalwort. Man erkennt Trump sofort an seinen Lieblingsthemen, mit denen es ihm gelang, immer wieder die Nachrichten auf der ganzen Welt zu dominieren: Grenzpolitik, Fake News und natürlich die Mauer, für die er Mexiko bezahlen lassen wollte.

"Playing Trump": Keine Trump-Parodie

Donatienne Michel-Dansac als Donald Trump mit einem Musiker auf der Bühne der Hamburgischen Staatsoper  Foto: Brinkhoff Mögenburg
Donatienne Michel-Dansac als Donald Trump auf der Bühne der Hamburgischen Staatsoper

Michel-Dansac singt, spielt und spricht die verfremdeten Texte mit Lederjacke. Eine umgekippte Euro-Platte wird zum Redner-Pult und zur Kasperl-Bühne. Georges Delnon, Chef der Hamburgischen Staatsoper, inszeniert diese eine Stunde Überdosis Trump insgesamt eher sparsam. "Sie singt und sagt Texte von ihm", erläutert der Intendant. "Aber man soll das Ganze nicht zu ernst nehmen. Es ist keine Imitation. Es ist auch keine Parodie. Es ist einfach das, was einem bei Trump in den Sinn kommt." Bei der Arbeit am Stück sei dem Team immer wieder klar geworden, wie effektiv sich Trump in Wort und Bild inszeniert habe. "Das hat eine Ikonographie, wie man das bei einem Politiker selten so krass und klar erlebt. Das ist schon interessant", sagt Delnon.

Zwischen Kojak und "Hurz!"

"Niemand ist besser als ich" - immer wieder erklingt das Narzissten-Mantra in verschiedenen Variationen. Mal steht die Sängerin mit der Bibel in der Hand da, mal nestelt sie eine rote Krawatte aus ihrem Schritt hervor. Dazu hat Bernhard Lang Musik für Schlagzeug, E-Gitarre und Synthesizer, sowie eine ganze Percussion-Batterie komponiert. Die Musiker tragen rote "Make America great again"-Kappen. Der Sound bewegt sich zwischen funky Klängen wie aus einer Kojak-Folge und einer "Hurz!"-Anmutung

Musik entzaubert Trumps Rhetorik

Wie Trump immer wieder seine Attacken gegen Hillary Clinton und die Medien wiederholt hat, werden auch hier die Worte und Schlag-Worte wiederholt - immer wieder. Bis es wehtut. Und aus dem gesprochenen "America First" wird bald eine grelle Sirene. Nach einer Stunde Trump klingelt es einem in den Ohren. Trump, der auf den ersten Blick als unterhaltsamer Macher erscheint, wird mit diesem Stück noch einmal radikal entzaubert - vor allem mit Hilfe eines wahrhaftigen Soundtracks, der auch alle Zwischentöne und Abgründe von Trumps Rhetorik mitklingen lässt.

Premiere: Donald Trump auf der Opernbühne in Hamburg

Art:
Bühne
Datum:
Ende:
Ort:
Probebühne 1
Kleine Theaterstraße 1
20354 Hamburg
Telefon:
(040) 35 68 68
E-Mail:
ticket@staatsoper-hamburg.de
Besonderheit:
Hinweise des Veranstalters: "Aufgrund der Wetterlage wird 'Playing Trump' nicht wie geplant vor der Elbphilharmonie aufgeführt, sondern auf der Probebühne 1 in der Hamburgischen Staatsoper. Tickets behalten ihre Gültigkeit."
Hinweis:
Bernhard Lang: Playing Trump
Besetzung: Trump/Donatienne Michel-Dansac
Inszenierung: Georges Delnon
Orchester: Mitglieder des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 19.08.2021 | 19:00 Uhr

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