Zu sehen ist das Albumcover "Hell" der Band Die Ärzte. © Hot Action Records GmbH

"Hell": Das neue Album der Ärzte

Stand: 23.10.2020 11:19 Uhr

Seit fast 40 Jahren prägen Die Ärzte die deutschsprachige Musikwelt. Nun erscheint ihr neues Album "Hell". Leider kann es wegen Corona zunächst nicht betourt werden. Bitter - nicht nur für die Fans.

von Alexandra Friedrich

Eigentlich veröffentlichen Die Ärzte ja nur Platten, um einen Grund für die nächste ausgedehnte Tour zu haben. Ihre Shows sind legendär. Dass die Konzertreise zu "Hell" abgesagt werden musste, ist nicht nur für die Fans richtig bitter: "Das ist ganz furchtbar. Diese Tour war die am schnellsten ausverkaufte Tour in unserer Geschichte und auch in zumindest der deutschen Verkaufsgeschichte. 30 Sekunden hat es gedauert, um die auszuverkaufen. Und wir haben uns tierisch drauf gefreut. Da sind noch Schmerzen in unseren Herzen. Das reimt sich jetzt schreibt sich blöderweise", sagt Bela B und lacht.

Infantile Reime und grobe Albernheiten gehören zum Standard-Repertoire der Ärzte - auch auf dem neuen Album. Dass Künstler oft nur ernst genommen würden, wenn sie ernst klingen, findet Bela B falsch: "Das ist zu kurz gegriffen. Ich sage, Tragik ist ohne Humor einfach nicht so wirkungsvoll und Humor ist ohne Tragik nicht lustig."

Die Ärzte bleiben ihrem Humor treu

Schwere Kost mit Witz leicht verdaulich machen - diese Strategie hat bei den Ärzten zu großen Hits geführt wie der Anti-Rassismus-Hymne "Schrei nach Liebe" oder dem Chauvinisten-Bashing "Männer sind Schweine".

"Wir brauchen Albernheiten, um mit solchen Situationen umzugehen", sagt Bela B. "Damals in der Punk-Szene, als wir uns gegründet haben, haben wir diesen erhobenen Zeigefinger all dieser Punk-Bands wirklich gehasst. Das war nicht unser Ding und das ist nach wie vor nicht unsere Sache. Und deshalb brechen wir solche Dinge." In dieser Tradition stehen auch neue Songs mit neuen Feindbildern: "Woodburger" ist eine Kampfansage an den hasserfüllten und homophoben alten weißen Mann.

Dass ihr Spiel mit schwulen Stereotypen Anstoß erregen könnte, davor haben die Ärzte keine Angst. Gegenwind kennen sie, haben sie vor allem in den Achtzigern regelrecht provoziert. Damals waren sie nach eigener Aussage die meist indizierte Band der westlichen Welt. Ihre neue Platte ist im Vergleich eher harmlos - auch dem Sound nach zumeist eher Pop als Punk.

Alles ist Punk

Im Album-Opener persiflieren sie das Hip Hop-Subgenre Cloud Rap, in "Alle auf Brille" den Oi-Punk und in "Liebe gegen rechts" wagen Die Ärzte einen kurzen Ritt in die Welt des Country. Ansonsten bleiben sie ihrer musikalischen Linie treu.

Ausgerechnet in einem der punkigsten Songs der Platte, weichen Die Ärzte die Idee des Punk auf. Anders könnten die drei ihren Lebenswandel wohl auch kaum noch so labeln. Bela B ist nicht nur Musiker, als Schauspieler stand er zuletzt für die Serienverfilmung des Klassikers "M - Eine Stadt sucht einen Mörder" vor der Kamera, er spricht Hörbücher und hat 2019 sein Romandebüt '"Scharnow" veröffentlicht.

Warum er mit 57 noch immer dem Pennäler-Humor der Ärzte frönt? Für ihn sei das, wie nach Hause kommen: "Dann ziehst du die Schlabber-Jogginghose an und kannst auch mal einen fahren lassen. Du musst Dich nicht so verhalten wie in der Gesellschaft. Und so ist das, bei den Ärzten zu spielen: Es ist einfach ein Zuhause, in dem ich das sein darf und sein kann und mir gar keine Gedanken darüber machen muss."

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 23.10.2020 | 17:40 Uhr

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